Ein beschwerlicher Aufstieg

ZUG ⋅ In der Industrie 45 hat die Zuger Guggenmusig Des­campados ihren Ball gefeiert. Ein Aufstieg zu «Teiger, Mönch und Jungfrau» – sogar mit Basislager im Vorgarten.

18. Januar 2016, 00:00

Lionel Hausheer

Descampado: Das klingt spanisch, und der Übersetzungsdienst von «Pons» schlägt «abmarschiert» als deutsches Äquivalent vor. Die Zuger Guggenmusig Descampados ist für dieses Jahr definitiv abmarschiert. Und zwar in Richtung Fasnacht 2016. 300 Mitglieder von anderen Guggenmusigen, 50 Helfer plus nochmals 300 verkaufte Tickets im Vorverkauf. Ueli Keller, Ball-OK-Präsident der Descampados, zeigt sich zufrieden, denn: «Mehr wäre auch gar nicht erlaubt gewesen.»

Solche Zahlen machen zufrieden, waren doch die letzten Jahre eher schwer. Die Fasnachtsbälle sind die beinahe einzige Einnahmequelle für Guggenmusigen. Wenn dann, wie letztes Jahr, eine schwarze Null dabei rauskommt, wird es ein hartes Jahr. «In der Chollerhalle, wo unsere Bälle die letzten Jahre stattfanden, mussten wir von Anfang an mehr Geld in die Hand nehmen.» In der Industrie 45 sei das besser, sagt Keller. «Zwar hat es nicht Platz für 1200 Gäste, wir kommen trotzdem besser weg.»

Die coolen Tiger-Scampi

«Teiger, Mönch und Jungfrau», so heisst das diesjährige Motto der Zuger Guggenmusig. Die kreative Bergkette hat für die Scampi einen entscheidenden Vorteil. «Wir können unsere Verkleidung vom Jubiläumsjahr nochmals benutzen», erklärt Romero Schmid von den Descampados. Praktisch, das Jubiläumsmotto von 2015 «Tiger Shrimps» einfach zu recyceln. «Tigerstreifen, violetter Stoff – Scampi halt. Nur eben nicht kleine, sondern die coolen, grossen Tiger-Scampi», erklärt Schmid. Der Aufstieg zu Teiger, Mönch und Jungfrau scheint beschwerlich zu werden, in der ganzen Industrie 45 hängen beschriftete Bergpanoramen mit schneebedeckten Gipfeln. Doch wie schwer der Aufstieg auch sein wird, die Scampi haben sich gut vorbereitet und bereits auf dem Platz vor der Industrie das erste Basislager errichtet. Da gibt es Kaffee mit Schuss und einen Haufen dummer Sprüche vom «fiiiser Mob». Der fiese Mob, das sei «die graue Eminenz der Guggenmusig Descampados».

Was das genau bedeutet, ist nicht klar, doch ist nicht gerade diese Ungewissheit die Natur der grauen Eminenzen? «Uns hat man früher den ‹moddrigen Ecken› gerufen, weil wir immer alle zusammen zuhinterst im Bus sassen. Im Dunkeln», klärt Christoph Keiser von ebendiesem Mob auf. Jetzt sind alle des «fiiisen Mob» nicht mehr aktiv bei den Scampi, an die Fasnacht gehen sie trotzdem noch miteinander. «Wir helfen auch unserer ehemaligen Guggenmusig noch gerne, wenn es uns braucht.» Eben beispielsweise zum Kaffeeausschenken im Basislager vor der i45.


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