Demo mit Machtdemonstration beendet

ZUG ⋅ Mit Verspätung begann gestern die unbewilligte Anti-WEF-Demonstration auf dem Bundesplatz. Mit einem Grossaufgebot verhinderte die Polizei jegliche Eskalation. Zug atmet auf.

24. Januar 2016, 00:00

Hier gehts zu den Bildern der Anti-WEF-Demo in Zug: www.zugerzeitung.ch/bilder

Charly Keiser

«High Noon» heisst der bekannte Western aus dem Jahr 1952 mit Gary Cooper und Grace Kelly. Genauso, wie im Film das Kleinstädtchen Hadleyville gebannt auf die Ankunft eines Banditen wartet, erwartete Zug gestern jeden Zug, der ab 14 Uhr in den Bahnhof einfuhr.

Die Spannung im Film steigt, je näher der Minutenzeiger in Richtung 12 Uhr rückt, um die volle Stunde anzuzeigen. So auch rund um den Zuger Bahnhof. Bereits um 14 Uhr stehen Dutzende Polizeifahrzeuge rund um den Bahnhof und den Bundesplatz. Die Polizei markiert mit einem Grossaufgebot Präsenz, und kein möglicher Demonstrant kann unbehelligt aus dem Bahnhofgebäude marschieren oder sich danach auf dem Bundesplatz aufhalten. Schon früh werden einzelne Personen von den Polizisten im Bahnhof abgeführt. Da kommt der Zug aus Luzern – nur wenig Arbeit für die Polizisten. Kurz nach 15 Uhr trifft der Schnellzug aus Zürich ein – wieder gibts nur recht wenig Arbeit für die Gesetzeshüter.

  • Anti WEF Demonstration in Zug
  • Anti WEF Demonstration in Zug

Am Samstagnachmittag findet auf dem Bundesplatz in Zug eine Anti-WEF-Demo statt. Die Polizei ist vor Ort.

In Zug standen am Samstag über 300 Polizisten im Einsatz, um die Sicherheit rund um die Anti WEF Demonstration zu gewährleisten. Polizei und Stadt ziehen nun Bilanz. Demonstranten kritisieren, dass der Einsatz unverhältnismässig gewesen sei. Die Zuger Bevölkerung ist geteilter Meinung. (Tele 1, 24.01.2016)

«Mehr Gaffer als Demonstranten?»

Die Aufmerksamkeit verlagert sich auf den Bundesplatz. Es ist schon Viertel nach drei und noch ist von einer Demonstration nichts zu sehen. Der Platz ist gerammelt voll. «Hier hats ja mehr Gaffer als Demonstranten», sagt einer. Der Nachbar nickt. Doch sind die Mehrzahl der Leute wirklich nur Zaungäste? Man sieht und hört gut, dass es sehr viele «Besucher» sind, die den Weg nach Zug gefunden haben. Die Polizei wird später von rund 250 sprechen – eine Zahl, die sehr plausibel erscheint. Bis zu 600 Demonstranten, wovon ein Drittel gewaltbereit, hätten sie gemäss der Nachrichtenlage erwartet, sagt Judith Aklin, Kommunikationsverantwortliche der Zuger Strafverfolgungsbehörden, und ergänzt: «Auf diese Vorgabe und Ausgangslage haben wir uns entsprechend vorbereitet.» Immer wieder werden von den Polizisten – die in voller Montur ihrer Arbeit nachgehen – mögliche Demonstranten aus der Menge geholt und höflich zur Überprüfung zur Seite gebeten.

Unverständliches Geplärre

15.25 Uhr, jetzt gehts los. Vor dem Haupteingang zum Coop-City werden Tücher mit antikapitalistischen Parolen aufgespannt. Eine Frau schreit ohne Ende in ein Megafon. Kein Mensch versteht ein Wort. Mehr belustigt und amüsiert verfolgen die Zaungäste das Tun. Als die Frau das Megafon zur Seite legt, applaudieren Chaoten und deren Sympathisanten. Darunter viele junge Zuger Politiker aus dem linken Lager. Alle Teilnehmer an der Demonstration, und damit natürlich auch die Gaffer, werden von der Polizei gefilmt und fotografiert. Der harte Kern um die Frau mit dem Megafon wird von den Einsatzkräften langsam in Richtung Kreuzplatz gedrängt und eingekesselt. Immer mehr werden von der Polizei separiert und 22 Personen werden verhaftet. Immer weniger Volk steht auf dem Bundesplatz. Ein Mann packt die Gitarre aus und stimmt ein Protestlied an. Der mittlerweile kümmerliche Rest der Sympathisanten applaudiert.

Gemüter kühlen rasch ab

Mit der aufkommenden Dunkelheit sinkt die Temperatur. Es scheint, als hätten sich die Hitzköpfe abgekühlt.

Hat Zug Glück gehabt, das Ziel erreicht? Ist der grosse Aufwand der Sicherheitskräfte gerechtfertigt oder zu gross?

Die Überschaubarkeit und geringe Grösse scheint Zug gestern viel genutzt zu haben. «Es wäre das Ziel, dass sich Zug heute als ungeeigneter Ort für Demonstrationen herausgestellt hat», sagt Stadtrat und Sicherheitschef Urs Raschle und ergänzt: «Hoffentlich kann nun der traditionelle Fackelzug der Freiwilligen Feuerwehr durchgeführt werden. Etwas, was uns wichtig ist.» Raschle freut sich zu früh. Denn kurz danach wird der Umzug abgeblasen.

In Zug standen am Samstag über 300 Polizisten im Einsatz, um die Sicherheit rund um die Anti WEF Demonstration zu gewährleisten. Polizei und Stadt ziehen nun Bilanz. Demonstranten kritisieren, dass der Einsatz unverhältnismässig gewesen sei. Die Zuger Bevölkerung ist geteilter Meinung. (Tele 1, 24.01.2016)




Login


 

1 Leserkommentar

Anzeige: