Das Defizit der Zuger ist die Effektivität

EISHOCKEY ⋅ Jetzt gerät der EV Zug unter Hochdruck in dieser Viertelfinalserie: Der HC Lugano bestätigt den in Zug eroberten Heimvorteil mit einem 4:2-Sieg.

06. März 2016, 00:00
 

Andreas Ineichen

Auch die zweite Niederlage war für die Zuger eine schmerzhafte. Weil der Gast wie am Donnerstag ebenbürtig war. Weil er mehr Spielanteile und mehr Schüsse auf das gegnerische Tor brachte. Aber am Ende ging er wieder als Verlierer vom Eis. Bezeichnenderweise versetzte ein Ergänzungsspieler dem EV Zug den Todesstoss in diesem zweiten und abermals intensiven Playoff-Duell. Von der Strafbank aufs Eis zurückgekehrt, zog der angeschlagene Lugano-Verteidiger alleine auf Zug-Goalie Tobias Stephan los. Der zu Hilfe geeilte Verteidiger Dominik Schlumpf, der die Zuger mit seinem ersten Tor in dieser Saison überhaupt in Führung gebracht hatte, konnte nur die Notbremse ziehen. Kienzle, fürwahr kein eiskalter Vollstrecker vor dem Hockey-Gott, bezwang Stephan mit seinem Penaltyversuch zum 4:2.

Holdens unvorteilhafte Szenen

Diese Entscheidung, die den Zugern unter die Haut ging, passte zur Vorstellung der Gäste. Sie war weit davon entfernt, als schlecht eingestuft zu werden, da Zug gerade im ersten Drittel die spielbestimmende Mannschaft war. Aber Aufwand und Ertrag stimmten nicht überein, zur Pause stand es bloss 1:1, weil Linus Klasen den schon im ersten Spiel überfordert scheinenden EVZ-Verteidiger Yannick Blaser wie einen Junior austanzte und Tony Martensson bediente. Der Schwede brachte sein Team mit einer der wenigen Chancen zurück ins Spiel, derweil die Zuger zwei Überzahlgelegenheiten ungenutzt verstreichen liessen.

Im zweiten Drittel sackte die Vorstellung der Zuger zum ersten Mal in diesem Playoff auf ein ungenügendes Niveau ab. Weil die Disziplin zu wünschen übrig liess, weil Eigenfehler zu Gegentoren führten. Im Zentrum stand dabei Zugs Leitwolf Josh Holden, der im ersten Vergleich noch den wichtigen Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 geschossen hatte. In der 23. Minute war der Kanadier während eines Unterzahlspiels der Zuger in der neutralen Zone in Scheibenbesitz, aber statt den einfachen Weg zu wählen, versuchte er es mit einem Pass, um weitere Zeit verstreichen zu lassen. Aber dieses Ansinnen missriet gründlich, und der Gegenstoss geriet über die früheren Zug-Stürmer Alessio Bertaggia und Damien Brunner zur erstmaligen Führung für die Tessiner. Innerhalb von vier Minuten hatte der Gegner das Spiel gedreht, und das war nun wirklich nicht zwingend. Auch der zweite Überzahltreffer der Luganesi, der letztlich das spielentscheidende Tor zum 3:2 bedeutete, hatte seinen Ursprung in einer unvorteilhaften Aktion von Josh Holden. Als seine Emotionen erstmals in dieser Serie hochkochten, nagelte er Bertaggia an der Bande fest. Einen Schuss von Fredrik Pettersson, der am Pfosten landete, nutzte Martensson zu seinem zweiten Tor an diesem Abend, weil er am schnellsten auf den Abpraller reagiert hatte. Die fünf Zweiminutenstrafen, die sich die Zuger im zweiten Drittel leisteten, sind nun wirklich keine gute Idee, um das Spiel angesichts der Powerplay-Qualitäten des Gegners in eine positive Richtung zu lenken.

Luganos Leistungsträger besser

Im letzten Drittel war der EVZ wieder am Drücker, er suchte abermals, wie vor dem durch eine unglückliche Aktion Brunners bewerkstelligten Eigentor zum 2:2, den Ausgleich. Aber diesmal sollte ihm kein Glück mehr beschieden sein. Und diese Phasen zeigen auch, warum der EVZ in der Serie mit 0:2 Siegen im Rückstand liegt. Erneut lag er in der Schussstatistik vorne (34:25), aber die Qualität seiner Chancen, die Effizienz auch, mag mit den Südtessinern nicht mithalten. Der EVZ ist vor dem Tor nicht konkret genug, vieles sieht zwar gut aus, aber ist zu wenig gefährlich. Auch bei den Leistungsträgern gibt es Unterschiede: Während Linus Klasen das erste Spiel mit seinem zweiten erfolgreichen Penalty-Versuch zu Gunsten von Lugano entschied, war diesmal sein schwedischer Landsmann Tony Martensson als Doppeltorschütze eine entscheidende Figur. Bei Zug hingegen sind Pierre-Marc Bouchard, Jarkko Immonen, Josh Holden und Daniel Sondell noch nicht auf dem Niveau angekommen, das es braucht, um ein erfolgreiches Playoff bestreiten zu können.

Lugano - Zug 4:2 (1:1, 2:1, 1:0)

6731 Zuschauer. – SR Vinnerborg/Wehrli, Fluri/Tscherring.

Tore: 16. Schlumpf (Suri, Martschini) 0:1. 19. Martensson (Klasen, Pettersson) 1:1. 23. Brunner (Bertaggia/Ausschluss Ramholt) 2:1. 31. Bouchard 2:2 (Eigentor Brunner). 35. Martensson (Pettersson/Ausschluss Holden) 3:2. 53. Kienzle 4:2 (Penalty).

Strafen: je 5-mal 2 Minuten.

Lugano: Merzlikins; Vauclair, Kienzle; Chiesa, Furrer; Kparghai, Hirschi; Klasen, Martensson, Pettersson; Brunner, Lapierre, Bertaggia; Reuille, Sannitz, Walker; Fazzini, Dal Pian, Kostner; Morini.

Zug: Stephan; Schlumpf, Sondell; Grossmann, Ramholt; Alatalo, Lüthi; Blaser; Martschini, Holden, Suri; Lammer, Immonen, Bouchard; Bürgler, Peter, Zangger; Senteler, Diem, Schnyder.

Hinweis

Telegramme der übrigen Playoff-Viertelfinals auf Seite 29.

 

Der EV Zug verliert auch das zweite Spiel der Playoff-Viertelfinals auswärts in der Resega Halle von Lugano


Login


 

1 Leserkommentar

Anzeige: