FCL strahlt neue Zuversicht aus

FUSSBALL ⋅ Beim FCL ist nach fünf Niederlagen in Folge antizyklisches Verhalten gefragt: Team und Staff gehen mit positiven Gedanken ins Spiel gegen YB (16.00, SRF 2).

06. März 2016, 00:00

Daniel Wyrsch

Von Katzenjammer ist nach dem Halbfinal-Aus im Cup gegen Lugano (1:2) keine Spur mehr. Der FC Luzern macht im Vorfeld des Auswärtsspiels von heute in Bern gegen die drittplatzierten Young Boys einen aufgeräumten, zuversichtlichen Eindruck. Cheftrainer Markus Babbel über das wirksame Verdauungsprogramm: «Wer so eine Chance vergibt wie wir am Mittwoch gegen Lugano, der kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Wir haben das Ausscheiden im Cup aufgearbeitet, dafür nahmen wir uns die nötige Zeit.»

Babbel: «Fruchtbare Aufarbeitung»

Die offene Aussprache am Tag danach stimme ihn zuversichtlich, sagt Babbel. «Die Aufarbeitung war sehr fruchtbar und ein Zeichen, dass es wieder in die richtige Richtung geht.» Der Deutsche kennt selbstverständlich das Geschäft, er bleibt Realist. Irgendeinmal müsse die Truppe seine Pläne auf dem Platz umsetzen. Nach fünf Pflichtspielniederlagen in Folge sei es in einem Ergebnissport normal, dass die Kritik schärfer werde. «Aber ich bin nach wie vor total überzeugt von meiner Mannschaft.»

Babbel seinerseits geniesst wie FCL-Präsident Ruedi Stäger weiterhin das Vertrauen des Verwaltungsrats. Diese Botschaft überbrachte nach dem Cup-Aus im eigenen Stadion der Präsident der Holding, Philipp Studhalter. Auf die Frage, wie viel das Bekenntnis seiner Meinung nach tatsächlich wert ist, antwortet Babbel: «Es hätte mich überrascht, wenn etwas anderes entschieden worden wäre. Wir führen unseren derzeit steinigen Weg mit Überzeugung fort.»

Babbel spricht vor der Partie bei YB («ein Gegner mit hoher Qualität») von einer grossen Herausforderung, die aber auch «eine grosse Chance in sich birgt».

Co-Trainer Patrick Rahmen findet: «Es ist gerade nicht leicht. Doch der Situation müssen wir uns stellen.» Und: «Jetzt haben wir es in den Händen, können zupacken und den Bock umstossen.»

Für den Basler mit Vergangenheit als Assistenztrainer beim Hamburger SV sind die Leistungen in den letzten fünf Pflichtspielen keinesfalls nichts Zählbares wert gewesen. Rahmen sagt, man müsse mit den Unruhen im Umfeld leben können. Den Ausweg aus der immer lauter werdenden Negativstimmung kennt Rahmen: «Wir können unsere Lage nur selber verbessern.»

Das finden übrigens auch mehrere Führungsleute. Diese reden momentan aber nur hinter vorgehaltener Hand. Jetzt sei die Mannschaft gefordert, heisst es aus der Teppichetage. Als positives Beispiel erwähnt Rahmen die Steigerung «unserer beiden jungen Spieler im zentralen Mittelfeld gegen Lugano». Hekuran Kryeziu (23) und Nicolas Haas (20) liessen sich trotz schlechtem Start im Cup-Halbfinal nicht unterkriegen.

Puljic muss ersetzt werden

Gegen Lugano hat Tomislav Puljic einen Muskelfaserriss erlitten. Der Innenverteidiger fällt zwei Wochen aus.

Am Erwartungsdruck scheint Mittelfeldspieler Christian Schneuwly (28) nicht zu zerbrechen. Er hat immer noch den gleich optimistischen Gesichtsausdruck wie Mitte Januar, als er im Trainingslager als neuer FCL-Profi vorgestellt wurde. Obwohl sein vormaliger Arbeitgeber FC Zürich den Einzug in den Cupfinal geschafft hat, bleibt er ruhig. «Ich habe diesen Weg aus Überzeugung getroffen. Dass es so herauskommt, konnte niemand wissen. Meinen Wechsel würde ich nie anzweifeln.»

Mit Thun war Schneuwly vor drei Jahren aus einer Krise herausgekommen. «Wenn wir daran glauben, wird sich unsere Lage zum Guten wenden.» In jedem Match bestehe die Chance auf die Wende. «Nur wenn wir überzeugt sind, klappt es», weiss Schneuwly. Er freut sich auf seinen Ex-Klub YB und den Kunstrasen. In Bern und Thun hatte er auf Plastik gespielt. «Für mein Kurzpassspiel passt mir der Kunstrasen.»

Reaktion von Alpstaeg und Stierli

Bei aller Zuversicht der FCL-Protagonisten: Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg (70) hat am Freitag sehr unzufrieden über den Leistungseinbruch der Luzerner getönt. Allzu lange schaut der grösste Aktionär wohl nicht mehr zu. Morgen Montag kehrt Ehrenpräsident Walter Stierli (67) von einer Südamerika-Reise zurück. Er und Alpstaeg werden sich austauschen. Folgt in Bern die sechste Niederlage hintereinander, würde dies den verschnellerten Pulsschlag der beiden lange mächtigsten FCL-Männer noch einmal in die Höhe treiben.


Login


 

1 Leserkommentar

Anzeige: