Stadtlauf – ein bewegendes Volksfest

13 980 Läuferinnen und Läufer sowie Tausende von begeisterten Zuschauern machten die 38. Auflage des Luzerner Stadtlaufs wiederum zu einem einmaligen Volksfest.
26. April 2015, 00:00
  • Eliane Koch (Luzern), Anna Gunz (Luzern), Fabrizio Aslan (Luzern) und Severin Grüter (Luzern, von links). (© Philipp Schmidli)
  • Schüler vor dem Start: Gael Roussel (Luzern), Marten Gasser (Ebikon), Gerrit Gasser (Ebikon), Christian Ruckli (Buchrain), Thomas Ruckli (Buchrain), Marina Ruckli (Buchrain) und Luana Burch (Sarnen). (© Philipp Schmidli)
  • Schüler beim Start. (© Philipp Schmidli)

Die besten Bilder des 38. Luzerner Stadtlaufs

Es war ja die ganze liebe lange Woche ein Bangen, Hoffen und Spekulieren, wie sich die Wettergötter für den Samstag aller Samstage entscheiden würden. Unsere innerfamiliäre Tendenz, in Schwung gebracht durch die Teilnahme jüngster Eigengewächse, lautet nach akribischem Studium der Radar-Wettersignale: Schade für alle, doch am Wettkampftag regnets. Früher oder später. Aber ganz falsch: Mehr als ein paar vorwitzige Tröpfchen, dem Namen «Regen» in keiner Weise verpflichtet, war nicht auszumachen. Und wenn auch. «Wissen Sie», hatte der Schötzer Simon Schüpbach, Startender im Nachwuchs-Elitefeld, im Vorfeld schon fast philosophisch angemerkt: «Am Luzerner Stadtlauf scheint die Sonne, oder es regnet. Aber es ist immer schön.» Schüpbach (19) weiss, wovon er spricht: Denn er machte als Stadtlauf-Aktiver gestern das Dutzend voll.

Nun, ein kleines Türchen für den Fall des Regenfalls hatte sich doch dieser und jener offen gelassen. «Hätte es am Vormittag tüchtig geregnet, dann wären wir über die Bücher gegangen», gesteht Manuela Dousse. Sie und ihr Ehegatte Olivier marschierten mit Jasmin (4) und Joel (20 Monate) an, und das Nesthäkchen schlief im Kinderwagen vor allem den gerechten Schlaf. «Hätte das Wetter tatsächlich Kapriolen geschlagen, dann hätte es keinen Sinn gemacht», meinten die beiden Eltern, «denn im Platzregen einen Kinderwagen herumzuschieben, das macht definitiv keinen Spass.» Gut, dass die mächtige Wolkenwand, welche sich am Pilatus türmte, rechtzeitig und vor allem nicht über der Luzerner Altstadt zerplatzte. Jasmin gab für das Startnummernduo 10 611/10 612 das Tempo an, verschlenderte seine Familie gemütlich über die Distanz, und Papa und Mama sagten unisono: «Nächstes Jahr kommen wir wieder.»

Die Familienkategorien, wo sich die Kids noch auf die Schnürsenkel stehen und «Pipi-Machen» meist immer dann dringendst wird, nämlich zwei Minuten vor dem Start, in diesen Familienverbunden nehmen mit höchstem Stolz auch die Grosspapis eine wichtige Rolle ein. Wie zum Beispiel Startnummer 10 753, in der Namensnennung ein leicht nervöser, aber auf das Startprozedere höchst fokussierter Walti Gerber aus Kriens. Stolz führt der seine Stadtlauf-Premiere feiernde Graumelierte seine Enkeltochter Karla (6) an den Start, und die symbolisiert den doppelten Generationensprung prächtig mit ihrer Zahnlücke. Die nächstes Jahr, «wenn wir aber ganz sicher wieder mitmachen werden», schon gefüllt sein wird.»

Video: Luzerner Stadtlauf

Am Samstag, 25. April 2015 nahmen über 13'000 Läufer und Läuferinnen am 38. Luzerner Stadtlauf teil. (tele1, 25.04.2015)

Wandern statt joggen

Die Starterequipe unter dem Regime von Walter Burkard spuckte Feld um Feld, der Himmel indes kaum mehr Feuchtes aus, und so gedieh der Luzerner Stadtlauf einmal mehr zu einem Happening. «Es macht halt einfach riesig Freude, hier mitrennen zu dürfen», meinte Hanna, Schülerin einer 3. Primarklasse im St.-Karli-Quartier, und Frau Blättler, ihre Lehrerin, habe in den letzten Wochen im Turnunterricht durchaus auch mal an den Fleiss appelliert: «Wenn wir schon mitmachen, dann richtig.» Der Applaus für die Jung-Stadtläuferschar war ihr aus vielen Zuschauerecken gewiss. Zum Beispiel von Asi Bächler (66), dem baumlangen früheren Handballstar des damaligen TV Emmenstrand. Jetzt geniesst der frühere Lehrer aus Neudorf den Ruhestand, ist am Wandern statt Joggen und drückt Daumen, statt Bälle zu werfen: «Mitansehen und miterleben zu dürfen, wie meine beiden Enkelkinder Louis und Sämi Freude am Sport bekommen das ist doch das Schönste, was einem Grossvater passieren kann.» Einmal sport­begeistert, immer sportpassioniert.

Nun also, Sonnencreme oder Regenmütze? Beides hatte gestern im Läufer-Rucksäckli Platz und machte prophylaktisch Sinn. Doch es gibt wichtigeres Gepäck: gute Laune zum Beispiel und ein grosses, starkes Läuferherz. Das warfen gestern alle der rund 14 000 Stadtläuferinnen und -läufer in die Waagschale. So blieb nach getaner Laufarbeit, ob gut oder weniger gut geraten, für fast alle die gleiche Erkenntnis: «Nächstes Mal? Wir stehen ganz sicher wieder an der Startlinie.»

Roland Bucher


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