Bauprojekt
53 Millionen Franken für eine neue Strasse durch das Ränggloch

Die Verbindung zwischen Kriens, Littau und Malters wird sicherer. Doch bis die neue Rengglochstrasse 2024 eröffnet wird, braucht es auf dem Verkehrsnetz der ganzen Region Luzern viel Geduld.

Stefan Dähler
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Die Dimensionen sind beachtlich: Der Kanton will für 53 Millionen Franken die Rengglochstrasse auf einer Länge von 2,15 Kilometern sanieren und ausbauen (die Strasse wird anders geschrieben als der Flurname). Der Regierungsrat beantragt dem Kantonsrat nun den entsprechenden Kredit. Aufgrund der hohen Kosten ist auch eine kantonale Volksabstimmung nötig. Die Arbeiten starten frühestens 2022 und dauern voraussichtlich bis Herbst 2024. Während 18 Monaten müsste die Strasse komplett gesperrt werden. Dazu später mehr.

Eine Fahrt durch das Ränggloch stellt heute ein zweifelhaftes Vergnügen dar. Die Strasse ist teils in einem schlechten Zustand und mit Ausnahme einiger Kurven nur 6 Meter breit, Velostreifen und Fusswege fehlen auf den meisten Abschnitten.

Die Rengglochstrasse auf der Littauer Seite.

Die Rengglochstrasse auf der Littauer Seite.

Bild: Pius Amrein (26. April 2016)

Nichtsdestotrotz sei die Kantonsstrasse für den Agglomerationsverkehr und insbesondere die Erschliessung von Kriens bedeutend, heisst es in der Botschaft des Regierungsrats. Pro Tag verkehren darauf rund 9500 Fahrzeuge. Dies Strasse verbindet Kriens, Littau und Malters. Weiter handle es sich um die einzige Westumfahrung von Luzern, als solche sei sie wichtig als Entlastungs- und Ausweichroute bei Staus und Bauarbeiten.

Kernstück des Ausbaus: Eine neue Brücke und ein Kreisel

Geplant ist nun ein Ausbau der Strasse auf eine Breite von 7 Metern sowie ein durchgehender Velo- und Fussweg von 3 Metern Breite. Die hohen Kosten entstehen aufgrund der Topografie. Das Gelände ist teilweise sehr steil. Es bestehe eine mittlere bis erhebliche Gefährdung durch Rutschungen und Felsstürze, was Schutzmassnahmen wie den Bau von Stützmauern zur Folge hat. Kernstück des Projekts ist eine neue, 160 Meter lange Brücke auf dem Abschnitt zwischen Ränggloch und Knoten Horüti. Letzterer soll ausserdem in einen Kreisel umgewandelt werden. Heute sei der Knoten «wegen seiner ungewöhnlichen Form gefährlich und verursacht viele Unfälle», so der Regierungsrat. Hier sehen Sie, wie die Strasse umgebaut werden soll:

(Bild: Kanton Luzern)

Neue Brücke bei der Rengglochstrasse:

(Bild: Kanton Luzern)

Deshalb braucht es eine Totalsperre der Strasse

Der Bau der Brücke und zahlreicher Stützmauern sei allerdings nur mit einer Totalsperrung der Strasse möglich. Dies aus Sicherheitsgründen und weil die «erforderlichen leistungsfähigen Grossgeräte» die ganze Strassenbreite benötigten. Die Totalsperrung ist in den Jahren 2023 und 2024 geplant und soll wie erwähnt insgesamt 18 Monate dauern. Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest. Klar ist aber, dass die Sperre «insbesondere in der Stadt Luzern grössere Verkehrsverlagerungen auslösen, die durch flankierende Massnahmen minimiert werden sollen», heisst es in der Botschaft. Der Individualverkehr soll dort zurückgehalten werden, «wo ein Stau keine negativen Auswirkungen auf den ÖV oder auf Siedlungsgebiete hat». Der überregionale Verkehr soll möglichst auf die Autobahn gelenkt werden.

Während der Totalsperre gibt es neue Busspuren in Littau

Damit es auf dem übrigen Strassennetz nicht zum Kollaps kommt, sind flankierende Massnahmen geplant. Diese dienen insbesondere dem flüssigen Vorwärtskommen der Busse.

Das ist konkret geplant:

  • Eine rund 270 Meter lange provisorische Busspur stadteinwärts auf der Luzernerstrasse in Littau auf dem Abschnitt Grenzhof-Rönnimoos.
  • Eine rund 110 Meter lange provisorische Busspur stadteinwärts auf der Ritterstrasse im Abschnitt Ruopigermoos.
  • Eine Lichtsignalanlage bei der Busspur auf der Rothenstrasse in Reussbühl beim Viscosesteg in Richtung Seetalplatz. Diese wird so betrieben, dass der ÖV im folgenden Abschnitt ohne Busspur nicht durch den Rückstau vor dem Seetalplatz blockiert wird.
  • Dosierungsanlagen auf der Rengg- und der Thorenbergstrasse in Richtung Littau.

Der Kanton erwartet, dass Automobilisten, die heute von Malters und Littau über das Ränggloch nach Kriens und umgekehrt fahren, hauptsächlich auf die Achse A2/Seetalplatz oder auf die Hauptstrasse durch die Stadt Luzern ausweichen. Die flankierenden Massnahmen sind alle in Richtung Stadt beziehungsweise Seetalplatz vorgesehen. «Es geht darum, nur so viele zusätzliche Fahrzeuge in das städtische Verkehrssystem zu lassen, wie auch bewältigt werden können», sagt Kantonsingenieur Rolf Bättig. So soll eine Störung des ÖV vermieden werden. Die fehlende Kapazität aufgrund der Sperrung könne nicht einfach durch einen Leistungsausbau in der Stadt kompensiert werden, zumal das Verkehrssystem in der Spitzenzeit bereits ausgelastet sei. Vergleichbare Massnahmen habe man bereits bei der Gesamtsanierung Cityring und dem Ausbau des Seetalplatzes ergriffen.

Kantonsingenieur Rolf Bättig

Kantonsingenieur Rolf Bättig

Bild: Kanton Luzern

Welche Wartezeiten für den Individualverkehr entstehen, hänge auch vom Verhalten der einzelnen Verkehrsteilnehmer ab. «Erfahrungsgemäss kann ein Teil auf eine geänderte Situation reagieren, sodass nicht der gesamte Verkehr, der heute über das Ränggloch fährt, andernorts verarbeitet werden muss», so Bättig. So könnten einige Autofahrer auf den ÖV umsteigen, das Ziel oder den Zeitpunkt der Fahrt ändern oder sogar ganz auf die Fahrt verzichten.

An den Dosierstellen kommt es zu Wartezeiten für die Autos. Die provisorischen Busspuren dagegen haben keinen Spurabbau für den Autoverkehr zur Folge. Die beiden betroffenen Strassenabschnitte seien breit genug, um eine dritte Fahrspur anzubringen, heisst es. Auf der Kantonsstrasse in Littau wird der bergwärts führende Velostreifen allerdings aufgehoben, so Bättig. Die flankierenden Massnahmen kosten rund eine Million Franken und würden auch von der Stadt Luzern unterstützt. Der Betrag sei in den Gesamtkosten von 53 Millionen Franken einkalkuliert.

In Kriens wird ein weiteres Strassenprojekt realisiert

Keine flankierenden Massnahmen braucht es in Kriens. «Da der Verkehr von und zum Ränggloch wegfällt, ergeben sich westlich des Zentrums deutliche Entlastungen», sagt Bättig. Leichte Mehrbelastungen seien im Abschnitt Autobahn bis zum Krienser Ortskern zu erwarten, diese könnten auf dem bestehenden Strassennetz abgewickelt werden.

Die Arbeiten auf der Rengglochstrasse sollen übrigens teilweise mit dem Ausbau der Kantonsstrasse zwischen dem Krienser Zentrum und Obernau koordiniert werden. Es geht dabei vor allem um den Abschnitt zwischen Südstrasse und Hergiswaldstrasse. Hier werde sich die Belastung stark reduzieren, sodass der Verkehr mit einer Baustellenampel geregelt werden könne. Im Abschnitt zwischen Kriens Zentrum und Südstrasse ist eine Verlagerung des talwärts fahrenden Verkehrs auf die Südstrasse und die St.Niklausengasse geplant.

Weitere Infos: https://vif.lu.ch/kantonsstrassen/projekte/raenggloch