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Bildungssystem: Die Schweiz erreicht ihre hohen Ziele nicht

Das Schweizer Bildungssystem erreicht seine hohen Ziele nicht. Der Anteil der jungen Leute mit abgeschlossener Lehre oder Matura ist tiefer als geplant, nämlich 91 statt 95 Prozent. Insbesondere junge Menschen aus dem Ausland haben oft kein entsprechendes Diplom im Sack. Ständeräte fordern deshalb eine Integrationsoffensive.
Dominic Wirth
Auch der Familiennachzug aus EU/Efta- und Drittstaaten drückt auf die Abschlussquote. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Suhr, 25. September 2014))

Auch der Familiennachzug aus EU/Efta- und Drittstaaten drückt auf die Abschlussquote. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Suhr, 25. September 2014))

Die Bildung, das betont man in der Schweiz gerne, ist der einzige Rohstoff des Landes. Ausgerechnet hier gibt es aber ein Problem: Die Schweiz hinkt in einem zentralen Punkt hinter ihren eigenen Zielen her. Eigentlich, so der Plan von Bund und Kantonen, sollen 95 Prozent aller 25-Jährigen im Land einen Abschluss der Sekundarstufe II – eine Berufslehre oder Matura – besitzen. Die Realität sieht indes anders aus, nur 91 Prozent haben das entsprechende Diplom im Sack. Insbesondere bei den jungen Menschen aus dem Ausland entpuppt sich die 95-Prozent-Marke als Luftschloss. Von den in der Schweiz geborenen Ausländern haben 86 Prozent eine Lehre oder die Matura gemacht; bei den im Ausland geborenen Ausländern sind es gar lediglich 72,5 Prozent. Zum Vergleich: Die jungen Schweizer erreichen die geforderte Quote mit 94 Prozent beinahe.

Die Zahlen, die im neuen Bildungsbericht stehen, haben Wirbel ausgelöst. Das liegt daran, dass sie für eine sozialpolitische Zeitbombe stehen. Denn wer keinen Abschluss auf Sekundarstufe II vorweisen kann, der hat es auf dem Arbeitsmarkt schon heute sehr schwer. Und in Zukunft wird sich dieser Trend noch verschärfen. Volkswirtschaftlich ist das doppelt teuer: Einerseits wegen der Sozialkosten, die anfallen, wenn Betroffene schon in jungen Jahren staatliche Rettungsnetze in Anspruch nehmen müssen. Und andererseits, weil wertvolles Arbeitskraftpotenzial ungenutzt bleibt.

Flüchtlinge mit tiefster Quote

Den grössten Handlungsbedarf, das zeigt die Abschlussquote, die in dieser Form erstmals vorliegt, gibt es bei jenen jungen Ausländern, die auch im Ausland geboren worden sind – und deshalb ihre Bildungskarriere meist nur teilweise in der Schweiz absolviert haben. Zum einen sind das Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommene. Für sie haben Bund und Kantone im Frühling die sogenannte Integrationsagenda präsentiert. Diese soll den Weg in den Arbeitsmarkt verbessern, wobei der Bund den Kantonen mit Geld unter die Arme greift: Er bezahlt künftig eine Pauschale von 18000 statt 6000 Franken pro Person, um Fördermassnahmen zu finanzieren.

Die Flüchtlinge sind laut Fachleuten aber nur ein Faktor für die tiefe Abschlussquote bei im Ausland geborenen Ausländern. Der andere sind jene jungen Leute, die über den ausländerrechtlichen Weg, also etwa im Rahmen des Familiennachzugs aus EU/Efta- und Drittstaaten, in die Schweiz kommen. Das kann der Sohn des indischen Programmierers sein oder die Tochter des Ingenieurs aus Frankreich. Hier ortet die Bildungskommission des Ständerats Handlungsbedarf. Sie hat unlängst einstimmig eine Motion verabschiedet, die vom Bund verlangt, dass er die Integration von spät zugewanderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus EU/Efta- und Drittstaaten angeht. Vorbild soll dabei die Integrationsagenda für Flüchtlinge sein.

Den Ständeräten schwebt vor, dass Bund und Kantone einen ähnlichen Plan nun auch für jene jungen Migranten präsentiert, die nicht über den Asylweg in die Schweiz kommen. «Alle sind sich einig, dass hier etwas gehen muss», sagt Joachim Eder, Zuger FDP-Ständerat. SP-Ständerat Paul Rechsteiner (SG) sagt, dass ein Ausbau der Integrationsagenda allen helfen würde: «Wir haben eine Wirtschaft, die Lehrlinge sucht. Und wir haben junge Migranten, die arbeiten wollen. Es braucht nun einen Effort von allen Seiten.» Dem Präsidenten des Gewerkschaftsbunds schwebt ein Ausbau des vorhandenen Instrumentariums, also von Sprachkursen, Praktikumsplätzen, Coachings für Lehrlinge oder Brückenangeboten vor.

Die Frage ist, wer zahlen soll

Gegen einen solchen Ausbau hat im Grundsatz niemand etwas. Heikler wird es bei der Frage, wer ihn bezahlen soll. Schon beim Erarbeiten der Integrationsagenda für Flüchtlinge unterhielten sich die kantonale Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) und der Bund auch über Massnahmen für spätzugewanderte Jugendliche aus EU/Efta- und Drittstaaten. Herausgekommen ist am Ende aber wenig, weil die Kantone zusätzliche Mittel vom Bund wollten, der sich aber auf den Standpunkt stellte, dass die vorhandenen Gelder ausreichen. Geeinigt hat man sich darauf, dass in dieser Frage noch «Klärungsbedarf» besteht. Licht ins Dunkel soll nun eine Studie bringen, die im März 2019 vorliegen wird.

Der Streit ist damit nicht aufgehoben. Sondern aufgeschoben. Für EDK-Generalsekretärin Susanne Hardmeier ist klar: Der Bund muss sich auch bei den Integrationsmassnahmen beteiligen, die aufgrund des Familiennachzugs nötig werden. «Die Kantone erwarten, dass sich der Bund auch an diesen Kosten beteiligt», sagt Hardmeier. Und das würde ins Geld gehen: Laut der EDK kostet ein Jahr Vorbereitung auf die Berufslehre rund 21500 Franken pro Person. Und die Mehrheit jener, die in den Kantonen ein solches Programm besucht, sind laut Susanne Hardmeier nicht Flüchtlinge – sondern spät Zugewanderte, die via Familiennachzug ins Land kamen.

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