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Der Fritschibrunnen: Ein Monument
der Luzerner Fasnacht wird 100-jährig

In traurigen und dennoch hoffnungsvollen Zeiten setzte die Zunft zu Safran 1918 ein markantes Zeichen. Der Brunnen auf dem Kapellplatz war ein Geschenk an die Stadt Luzern – so wie es der von der Maskenliebhaber-Gesellschaft geplante Brunnen auf dem Kornmarkt auch hätte sein sollen.
Hugo Bischof
Detailansicht des Bannerträgers, der als Vorbild für die Fritschibrunnen-Figur diente. (Bild: Pius Amrein (13. November 2018))Detailansicht des Bannerträgers, der als Vorbild für die Fritschibrunnen-Figur diente. (Bild: Pius Amrein (13. November 2018))
Marcus Wüest, Archivar der Zunft zu Safran, Auge in Auge mit dem geharnischten Krieger, der als Vorbild für die Fritschibrunnen-Figur diente und heute im Zunftarchiv im Nölliturm steht. (Bild: Pius Amrein (13. November 2018))Marcus Wüest, Archivar der Zunft zu Safran, Auge in Auge mit dem geharnischten Krieger, der als Vorbild für die Fritschibrunnen-Figur diente und heute im Zunftarchiv im Nölliturm steht. (Bild: Pius Amrein (13. November 2018))
Der Bannerträger, dem die heutige Figur auf dem Brunnen nachempfunden ist. (Bild: Pius Amrein (13. November 2018))Der Bannerträger, dem die heutige Figur auf dem Brunnen nachempfunden ist. (Bild: Pius Amrein (13. November 2018))
Die Masken rund um die Familie Fritschi, wie sie an der Säule des Brunnens zu sehen sind. Bild: Pius Amrein (13. November 2018)Die Masken rund um die Familie Fritschi, wie sie an der Säule des Brunnens zu sehen sind. Bild: Pius Amrein (13. November 2018)
Ein Modell des Fritschibrunnens, wie er zuerst angedacht war (links) und ein Modell, wie er heute aussieht. (Bild: Pius Amrein (13. November 2018))Ein Modell des Fritschibrunnens, wie er zuerst angedacht war (links) und ein Modell, wie er heute aussieht. (Bild: Pius Amrein (13. November 2018))
Der erste Kapellplatzbrunnen aus dem 15. Jahrhundert. Die Illustration zeigt die Verhaftung des aufrührerischen Entlebucher Hauptmanns Peter Amstalden. Bild: Diebold-Schilling-Chronik 1513, Eigentum Korporation Luzern (Standort ZHB, Sondersammlung).Der erste Kapellplatzbrunnen aus dem 15. Jahrhundert. Die Illustration zeigt die Verhaftung des aufrührerischen Entlebucher Hauptmanns Peter Amstalden. Bild: Diebold-Schilling-Chronik 1513, Eigentum Korporation Luzern (Standort ZHB, Sondersammlung).
Der Fritschi-Brunnen von 1864 / 65. Bild: Stadtarchiv.Der Fritschi-Brunnen von 1864 / 65. Bild: Stadtarchiv.
Der Fritschi-Brunnen von 1918. Bild: Stadtarchiv.Der Fritschi-Brunnen von 1918. Bild: Stadtarchiv.
Der Fritschi-Brunnen von 1918. Bild: Stadtarchiv.Der Fritschi-Brunnen von 1918. Bild: Stadtarchiv.
Der Fritschibrunnen heute. Bild: Pius Amrein (Luzern, 13. November 2018)Der Fritschibrunnen heute. Bild: Pius Amrein (Luzern, 13. November 2018)
Detailansicht des heutigen Fritschibrunnen. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 13. November 2018)Detailansicht des heutigen Fritschibrunnen. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 13. November 2018)
Detailansicht des heutigen Fritschibrunnen. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 13. November 2018)Detailansicht des heutigen Fritschibrunnen. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 13. November 2018)
Detailansicht des heutigen Fritschibrunnen. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 13. November 2018)Detailansicht des heutigen Fritschibrunnen. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 13. November 2018)
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100 Jahre Luzerner Fritschibrunnen

Unübersehbar thront er auf dem Kapellplatz am Eingang zur Luzerner Altstadt: Der Fritschibrunnen mit seiner prachtvollen Säule – rundum mit Fasnachtsmasken geschmückt, zuoberst ein geharnischter Bannerträger. Bei Einheimischen und Touristen gleichermassen beliebt, steht er einmal im Jahr ganz besonders im Rampenlicht – am Schmutzigen Donnerstag frühmorgens kurz nach 5 Uhr, wenn ihn der legendäre Bruder Fritschi mit seinem Gefolge besteigt.

Es ist der Beginn der Luzerner Fasnacht. Ein Spektakel vor Tausenden Zuschauern, mit Fötzeliregen und Orangen-Auswerfen der Zunft zu Safran, deren Aushängeschild Bruder Fritschi ist.

Der Fritschibrunnen auf dem Kapellplatz. Bild: Pius Amrein (Luzern, 13. November 2018).

Der Fritschibrunnen auf dem Kapellplatz. Bild: Pius Amrein (Luzern, 13. November 2018).

Zeit war geprägt von Krieg und Krankheit

Heuer wurde der Fritschibrunnen 100-jährig. Klammheimlich, ohne öffentliches Brimborium. Hat die Zunft zu Safran das Jubiläum etwa verschlafen? Nein, natürlich nicht, sagt Zunftarchivar Marcus Wüest. Man habe Mitte Oktober einen Anlass im kleinen Kreis gefeiert. Vielleicht kein Zufall. Denn auch die Eröffnung vor 100 Jahren war kein Volksfest. Das lag an der Grippe-Epidemie, die im Oktober 1918, kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs, in Europa grassierte und von der auch Luzern stark betroffen war. Die Luzerner Tageszeitungen von damals waren voll von Todesanzeigen für Grippe-Opfer. Grosse Menschenansammlungen waren deshalb wegen Ansteckungsgefahr untersagt.

Die Einweihung des Fritschibrunnens erfolgte deshalb unter Ausschluss der Öffentlichkeit, bei einem «gemütlichen Mittagessen» im Hotel Rütli, schrieb das Luzerner Tagblatt am 15. Oktober 1918. «Wie beim Brunnen der frische Quell, so sprudelte bei dieser heimeligen ‹Aufrichte› reichlich und gediegen in Ernst und Humor der Strom der Rede», hielt der Berichterstatter überschwänglich fest. Mit viel Pathos fügte er hinzu: «Mit besonderer Befriedigung wurde notiert, dass die Eröffnung des Brunnens auf den Zeitpunkt falle, in dem wir mit vermehrter Zuversicht auf baldigen Frieden hoffen dürfen. So würde der Fritschi-Brunnen zugleich zum Friedensbrunnen.» Welch prophetischer Satz: Kurz darauf, am 11. November 1918, endete der Erste Weltkrieg.

Der Bau des Brunnens geht auf einen Vorschlag des damaligen Safran-Zunftmitglieds Felix Schumacher-Lassalle (1851-1928) zurück. In einer «ernst gemeinten Humoreske» im Luzerner Tagblatt regte er 1897 an, den Kapellplatz neu zu gestalten. Auch solle man ein Monument zur Erinnerung an Bruder Fritschi errichten – an Stelle des dortigen «unschönen, dem Zerfall entgegengehenden Brunnens».

Fasnächtler stahl Bannerherr das Schwert

Den Wettbewerb gewann ein Entwurf des Luzerner Bildhauers Louis Weingartner (1862-1934). Sein in Bronze gegossenes Brunnen-Modell befindet sich heute im Zunftarchiv im Nölliturm in Luzern. Der Bruder von Louis war Seraphin Weingartner, Gründungsdirektor der Kunstgewerbeschule Luzern, bekannt geworden durch Wandmalereien an Luzerner Häusern, etwa am Hotel des Balances. 1902 war die anfängliche Begeisterung der Safran-Zünftler aber etwas abgeklungen. Auch der Stadtrat konnte sich für Weingartners Entwurf nicht richtig erwärmen. Erst 1917 nahm August am Rhyn (1880-1953), Architekt und Zeugherr der Safran-Zunft, den Gedanken wieder auf. Nach seinen Plänen wurde der Brunnen vom Bildhauer Artur Bertola schliesslich realisiert.

Der Fritschibrunnen ist im Stil der Neurenaissance gefasst, nach Art der Berner Brunnen des 16. Jahrhunderts. Über dem sechsseitigen Brunnentrog aus Tessiner Granit erhebt sich eine Säule, auf der die Masken der sagenumwobenen Fritschi-Familie den Kapellplatz in alle vier Richtungen überblicken. Darüber steht die Brunnenfigur. Zu dieser gibts eine spezielle Episode zu erzählen: Während der Fasnacht 2003 kletterte ein junger Mann an der Säule des Brunnens bis ganz nach oben und zog dem Bannerherrn das Schwert aus dem Gürtel. Dank dem beherzten Eingreifen einer Passantin konnte das rund 70 Zentimeter lange Corpus Delicti später wieder sichergestellt werden. Heute steckt es wieder im Gürtel des Bannerherrn.

Ähnliches Projekt erlitt Schiffbruch

1918 wurde vereinbart, dass der Brunnen durch die Zunft erstellt wird und danach ins Eigentum der Stadt übergeht. Heute würde man dies wohl all eine Win-Win-Situation und ein Private-Public-Partnership-Projekt bezeichnen: Die Stadt zahlte einen einmaligen Beitrag von 7000 Franken zu Lasten der Wasserversorgung und erhielt dafür anstelle des alten, baufälligen einen neuen, einwandfrei funktionierenden Brunnen. Die Zunft zu Safran bezahlte die restlichen Baukosten von rund 14'000 Franken und hatte damit das von ihr gewünschte fasnächtliche Monument.

Ein Happy End also. Anders, aus Sicht der Initianten weniger positiv, erging es einem vergleichbaren Projekt aus der Gegenwart. Die Maskenliebhaber-Gesellschaft (MLG) wollte nämlich zu ihrem 200-Jahr-Jubiläum 2019 der Stadt Luzern ein Brunnengeschenk machen – in Form einer mit Fasnachtsmasken umrahmten Säule auf dem Rathausplatz, als Ersatz für den dortigen renovationsbedürftigen Brunnen. Nach anfänglich positiven Signalen aus dem Stadthaus lehnte der Stadtrat das Geschenk jedoch ab. Der geplante Brunnen stehe für ein «politisch überholtes Weltbild», hatten linke Kreise kritisiert. Offenbar ist die Zeit für einen zweiten Fasnachtsbrunnen in der Stadt Luzern (noch) nicht reif.

Interessante Memorabilien im Nölliturm

Im Safran-Zunftarchiv im Nölliturm erinnern neben dem Weingartnerschen Modell von 1902 weitere Objekte an die Entstehung des Fritschibrunnens, darunter die originalen Vorlagen der Brunnen-Masken. Im Untergeschoss erwartet die Besucher ein fast mannshoher geharnischter Bannerträger aus Stein. Er stammt aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und diente als Vorbild für die Brunnenfigur. Laut Safran-Zunft zierte er einst den früheren Krienbrüggli-Brunnen in der Pfistergasse – ein Beispiel dafür, dass Brunnen, respektive einzelne Elemente, ihren Standort in Luzern oft wechselten.

Der Safran-Zunftschatz im Nölliturm kann auf Anfrage besichtigt werden. «Ziel ist es, ihn künftig noch besser zu präsentieren und ihn einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen», sagt Zunftarchivar Marcus Wüest. Der 57-Jährige wird das anspruchsvolle Amt nach acht Jahren nun in andere Hände übergeben und hofft, dass das Interesse an den spannenden Objekten anhält.

Hinweis: Der Nölliturm kann für private Anlässe und Führungen gemietet werden. Anfragen über www.zunft-zu-safran.ch

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