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Die Bijouterie Muff in Kriens schliesst nach 35 Jahren und kritisiert die Politik

Brigitta und Christian Muff schliessen ihren Laden nach 35 erfolgreichen Jahren. Ein Nachfolger konnte nicht gefunden werden. Kritik gibts an die Politik: Viele Ladenlokale seien leer und es gebe zuwenig Parkmöglichkeiten im Dorf.
Sandra Monika Ziegler

Grossen Zahlen und Prozentzeichen an den Schaufenstern von Uhren Bijouterie Muff in Kriens machen auf den Totalausverkauf aufmerksam. Brigitta und Christian Muff schliessen ihren Laden nach 35 erfolgreichen Jahren und sind zufrieden: «Wir gehen bevor wir 70 und noch Gesund sind, um den zweiten Lebensabschnitt zu geniessen.»

Brigitta und Christian Muff vor ihrer Bijouterie im Krienser Zentrum. (Bild: Dominik Wunderli, 3. Oktober 2019)

Brigitta und Christian Muff vor ihrer Bijouterie im Krienser Zentrum. (Bild: Dominik Wunderli, 3. Oktober 2019)

Fünf Generationen der männlichen Muffs haben allesamt das Uhrmacherhandwerk erlernt. Erstmals schriftlich festgehalten ist dies in einem Baugesuch aus dem Jahr 1853. Denn, um Uhrräder zu schmieden, brauchte es den Einbau einer Feueresse.

Uhrenmacher gibt es kaum noch

Eine familieninterne Nachfolge war nicht möglich. Eine externe Nachfolge wurde angestrebt, die leider nicht erfolgreich war. «Wer hier weitermachen will, muss bereits Geld haben oder einen Kredit aufnehmen. Unsere Branche ist sehr kapitalintensiv. Wir bekamen noch einen Startkredit von der Bank, das ist heute jungen Ehepaaren vergönnt», erklärt Muff. Doch Geld alleine reicht nicht, ohne Fachwissen sei in diesem Metier «kein Blumentop» zu holen.

Mittlerweilen geben sich die Kunden buchstäblich die Klinke in die Hand. Viele Stammkunden wollen ihre Uhr nochmals revidiert haben, andere denken bereits an Weihnachten.

Kriens solle sich ein Beispiel an Horw nehmen

Kritik übt Christian Muff an den Krienser Stadtvätern. Diese hätten es jahrelang verpasst, geeignete Rahmenbedingungen fürs Gewerbe zu schaffen. Muff sagt:

«Ich erinnere mich noch genau wie gewisse Kreise die intelligenteste Variante des Schappe Centers bekämpft, hingegen den Pilatusmarkt auf Teufel komm raus gefördert haben. Das Resultat ist heute klar ersichtlich in ständig wechselnden Anbietern.»

Muff weist auf die vielen leeren Ladenlokale und die fehlenden Parkmöglichkeiten für den Detailhandel hin.

«In Horwer Zentrum ist das sehr gut gelungen. Die haben keinen Dorfplatz, über den ein Veloweg führt. Hier haben nebeneinander Fussgänger, Velo- und Autofahrer Platz», sagt Muff und fügt an: «Unsere Hauptstrasse wird demnächst eine zweite Gerliswilstrasse wie in Emmenbrücke: immer weniger Detaillisten, dafür mehr Take-aways.» Kriens – er vermeidet es tunlichst, von der Stadt Kriens zu reden – sollte sich ein Beispiel an Horw mit seinen knapp 14 000 Einwohnerinnen und Einwohnern nehmen. Deren Gemeindepräsident übrigens ein Ur-Krienser sei.

Kritik auch am neuen Stadthaus. Dort wolle man Kleingewerbe ansiedeln, das bleibe wohl bei der Idee. Und dies, obwohl die Mieten günstiger seien als auf seiner Seite. Doch es sei eben die falsche, es habe keine Passanten, keinen attraktiven Platz, nur eine Asphaltwüste, die selten jemand quere und verweilen tue dort eh niemand.

Die gewerbliche Zukunft sieht er düster in Kriens, da fehle es an Praktikern. Sie hätten das Glück gehabt, unbeschadet aus dem Erwerbsleben zu gehen. Künftigen Gewerblern sei dies wohl vergönnt.

Die Muffs freuen sich auf die Pension. Hobbys haben sie beide. Und gemeinsam sind sie seit Jahren aktive Betreuer in der Behinderten-Sport-Gruppe Horw.

Zudem fährt im Garten über 500 Meter Geleisen und Viadukte die Rhätische Bahn im Kleinformat. Und die muss instand gehalten werden, das brauche Geduld und Ausdauer, wie Christian Muff sagt. Und Ausdauer hat er, wie er lachend preisgibt: «Seit Jahren halte ich mit 8 Stunden 56 Minuten und ‹einigen Zerquetschten› den Schweizer Rekord über 100 Kilometer der Kategorie Ü60.»

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