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Die «Kanti» ist bei Schülern in reichen Luzerner Gemeinden beliebter

Bald endet für viele Schüler die Primarschulzeit. Nach den Sommerferien besuchen die jetzigen Sechstklässler eines der Sek-Niveaus oder die Kanti. Zwischen den Gemeinden gibt es grosse Unterschiede. In einigen Gemeinden treten bis zu 70 Prozent der Schüler in die Kanti und ins Niveau A über.
Roseline Troxler
Schülerinnen und Schüler an ihrem ersten Schultag an der Kanti Alpenquai in Luzern. Bild: Pius Amrein (22. August 2016)

Schülerinnen und Schüler an ihrem ersten Schultag an der Kanti Alpenquai in Luzern. Bild: Pius Amrein (22. August 2016)

Noch wenige Tage sind sie Primarschüler, nach den Sommerferien schlagen sie ein neues Kapitel auf. Sie besuchen dann die Sekundarschule oder die Kanti. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Knapp 25 Prozent der Noch-Sechstklässler wechseln von der Primar- in die Sekundarschule mit Niveau A, rund 31 Prozent besuchen nach den Sommerferien das Niveau B, und 21 Prozent der Sechstklässler kommen ins Niveau C. Weitere 4 Prozent vom Niveau C haben angepasste Lernziele. In ein Gymnasium wechseln gut 19 Prozent der Schüler (Ausgabe vom 8. Juni).

Doch die Übertrittsquote der einzelnen Gemeinden unterscheidet sich stark, wie die Dienststelle Volksschulbildung mitteilt. So treten im aktuellen Schuljahr in einigen Gemeinden bis zu 70 Prozent der Schüler in die Kanti und ins Niveau A über. Die Dienststelle Volksschulbildung gibt allerdings keine genauen Prozentzahlen der einzelnen Gemeinden heraus. «Wir wollen nicht, dass unter den Gemeinden eine Rangliste entsteht», erklärt Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung.

Geografische Lage spielt eine wichtige Rolle

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Gemeinden haben für Vincent vor allem zwei Gründe: «Zum einen ist es die geografische Lage. Die Länge des Schulwegs ist entscheidend. Ist der Weg lang, besuchen eher weniger Schüler die Kanti.» Ausserdem sei auffallend, dass in Gemeinden mit tieferem Steuerfuss – also in finanziell besser aufgestellten Gemeinden – eher mehr Schüler in die Kanti wechseln. Dazu sagt Vincent: «Wir stellen fest, dass wohlhabendere Eltern oft mehr Wert darauf legen, dass der Nachwuchs die Kanti oder das Niveau A besucht.» Oft handle es sich dabei auch um eher bildungsnähere Familien.

Einzelne Gemeinden in der Region Luzern und in der Gegend rund um den Sempachersee haben laut dem Dienststellenleiter den höchsten Wert bei der Übertrittsquote ans Gymnasium und ins Niveau A. So wechseln zum Beispiel in der Gemeinde Sempach 29 Prozent der Sechstklässler nach den Sommerferien in die Kanti. Laut Schulverwalter Guido Durrer (FDP) ist die Zahl seit mehreren Jahren «stabil hoch». Die Stadt würde die Entwicklung genau beobachten. Etwas weniger hoch ist die Zahl in Meggen mit knapp 21 Prozent – das ist im Verhältnis zu den Vorjahren tief. Kommendes Schuljahr werden dagegen 41 Prozent der Megger 1.-Sek-Schüler im Niveau A unterrichtet. Gemeinderätin Carmen Holdener (CVP) sagt auf Anfrage: «Das kommende Schuljahr ist das erste Jahr, in welchem die Niveau-A-Schüler auf der 1. Sek den grössten Anteil ausmachen.»

Einen möglichen Grund für den hohen Anteil an Kanti-Übertritten in den letzten Jahren vermutet Holdener darin, dass «der gymnasiale Bildungsweg in der Gesellschaft immer noch einen sehr hohen Stellenwert geniesst». Möglicherweise liege es aber auch am grossen Angebot an Berufen und dem Alter der Schüler bei der Berufswahl. «Die Kanti bietet in diesem Fall eine gute Option, sich mit der persönlichen Entwicklung und der Berufswahl länger Zeit zu lassen.» Andererseits ist die Lehre bei einem konkreten Berufswunsch sehr attraktiv und zusammen mit der Berufsmatura als gleichwertig anzusehen. Bei dieser Variante habe man sozusagen den Fünfer und das Weggli, nämlich eine abgeschlossene Berufslehre und die Möglichkeit, noch studieren zu können.

In Entlebuch wechselt kein Schüler in die Kanti

Ganz anders sehen die Zahlen in der Gemeinde Entlebuch aus. Nach den Sommerferien tritt kein Schüler von der sechsten Klasse in die Kanti ein. 45 Prozent werden allerdings neu das Niveau A belegen. «Viele unserer guten A-Schüler ziehen es vor, eine Berufsausbildung zu machen und gleichzeitig oder anschliessend die Berufsmatura abzuschliessen», erklärt Gemeinderätin Vreny Müller-Brun (CVP). Ausserdem gibt es Schüler, welche nach der zweiten Sekundarklasse ans Kurzzeitgymnasium Schüpfheim wechseln. Das Langzeitgymnasium hingegen sei die Ausnahme. «Die Schülerzahlen sind bei unseren Austauschgesprächen immer wieder ein Thema», sagt Müller.

Kanton beobachtet die Zahlen der Übertritte genau

Die Übertritte werden von der Dienststelle Volksschulbildung genau beobachtet: «Wenn eine Gemeinde beim Niveau A und der Kanti eine Übertrittsquote von 70 Prozent hat, stellen wir Rückfragen.» Im aktuellen Jahr hat Charles Vincent bei fünf bis sechs Gemeinden interveniert. «Wir suchen das Gespräch auch im umgekehrten Fall, wenn gar kein Schüler oder nur sehr wenige die Kanti und das Niveau A besuchen.»

Möglich sei dann, dass es sich um eine schwache Klasse handle oder die Lehrperson einen zu strengen Massstab anwende. «Mit dem Gespräch wollen wir für die Problematik sensibilisieren.» Es gebe aber kaum Möglichkeiten, einzugreifen. «Wir kennen keine Quotenregelung», unterstreicht Vincent.

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