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Dieser Maibaum an der Luga hat einen Migrations-Hintergrund

Zum 40-Jahr-Jubiläum greift die Luga auf ihr ursprüngliches Sujet zurück – den Maibaum. Gleich zwei Exemplare ragen auf der Allmend in die Höhe. Diese Maibäume wollen bezwungen werden. Je höher man es schafft, desto mehr Luga-Eintritte winken als Belohnung.
Roman Hodel
Der grössere der beiden Maibäume wird vor der Halle 2 aufgestellt. (Bilder: Boris Bürgisser, Luzern 23. April 2019)

Der grössere der beiden Maibäume wird vor der Halle 2 aufgestellt. (Bilder: Boris Bürgisser, Luzern 23. April 2019)

Die Luga und der Maibaum, die waren mal eins. Ab der ersten Ausgabe der Zentralschweizer Frühlingsmesse im Jahr 1980 prangte das Frühlings- und Fruchtbarkeitssymbol auf jedem Plakat. Und echte Exemplare standen werbewirksam an den Eingängen, ja sogar in der Stadt – in luftiger Höhe festlich geschmückt mit dem obligaten Kranz plus blau-weissen Bändern. Nach 20 Jahren war dann aber Schluss. Zack! Der Maibaum musste einem Kuhkopf Platz machen.

Erst jetzt, pünktlich zum 40-Jahr-Jubiläum, ist der Maibaum wieder da – auf Plakaten und ebenso in echt. Letzteres sogar im Doppelpack. Und zwar vor der Halle 2, beim Aufgang aus der unterirdischen Zentralbahn-Station. Die Masse sind imposant: Der grössere Baum ist elf Meter hoch, 750 Kilogramm schwer und der Kranz an der Spitze weist einen Durchmesser von drei Metern auf. Der kleinere misst acht Meter, wiegt 600 Kilogramm, der Kranzdurchmesser ist zwei Meter.

Das Wichtigste aber: Diese Maibäume wollen bezwungen werden. Sprich: Man kann hinaufklettern, ohne Steigeisen versteht sich. Je höher man es schafft, desto mehr Luga-Eintritte winken als Belohnung. Allerdings: Gerade beim grösseren Baum dürfte dieses Vorhaben nicht ganz einfach sein – der Stamm ist glatt. «Vor allem wenn es regnet, wird das Klettern hier zur Challenge», sagt Hannes Lustenberger. Er muss es wissen: Der Baumpflegespezialist FA ist ein geübter (Baum-)Kletterer, arbeitet bei der Firma Murer Baumpflege und sorgt während der ganzen Luga hier für die Sicherheit.

Konkret müssen alle Teilnehmer einen Klettergurt anziehen. Zudem sichern Lustenberger und sein Team jede Person mit einem dynamischen Kletterseil. Er sagt:

«Wer keine Kraft mehr hat, kann jederzeit loslassen – da kann überhaupt nichts passieren.»

Zumal es mit dem kleineren Maibaum ja noch die einfachere Variante gibt. Dieser Stamm verfügt über zahlreiche Aststummel, die das Hinaufklettern erleichtern – gedacht ist er primär für die kleineren Luga-Besucher.

Noch vor zehn Tagen standen die beiden Maibäume, respektive deren Stämme, in Form von Weisstannen in einem Wald in Staffelbach im Aargauer Suhrental. «Aber unweit der Grenze zum Kanton Luzern», betont Andres Koller, Inhaber der gleichnamigen Sagerei in Attelwil, mit einem Schmunzeln. Dort hatten sie die letzten 35 bis 40 Jahre verbracht. Weisstannen wählte man deshalb, weil ihre Äste dicker sind als jene der Rottannen und weil das Angebot momentan gross ist.

Nach dem Fällen wurden in der Koller Sagerei AG beim grösseren Baum alle Äste entfernt, beim kleineren die Stummel belassen. Danach wanderten die Stämme für vier Stunden in einen Dampfkessel, zwecks Aufweichen der Rinde. Denn im Anschluss wurden sie mittels Hochdruckreiniger entrindet, dann getrocknet und am Ende gewaschen. Letzteres, um nach dem Trocknen herausgetretenes Harz zu entfernen.

Am vergangenen Dienstag um 7.30 Uhr lieferte Andres Koller die Bäume an. Mit im Gepäck: Die beiden Kränze, die drei Mitarbeiterinnen der Trienger Gärtnerei Fischer zuvor aus Weisstannen, Föhren und Buchs gebunden hatten. Vor dem Aufstellen dekorierten flinke Hände die Maibäume noch mit blau-weissen Bändern sowie den Tiersymbolen im Origami-Look:

Danach hob der Lastwagen-Kran die Maibäume in je einen Abwasserschacht. Dort fixierten Mitarbeiter der Koller Sagerei AG die Stämme mit Holzkeilen und verschraubten diese:

Koller versichert: «Die Verankerung hält selbst starken Winden stand.» Das gilt hingegen nicht für die baumelnden Tiersymbole...

...sie mussten am Donnerstag vorsichtshalber abmontiert werden. Grundsätzlich aber sind die Bäume wetterfest. Zumindest den Kränzen käme etwas Regen sogar gelegen, wie eine Mitarbeiterin der involvierten Gärtnerei sagt: «Sonst wird das Grün rasch Gelb.»

Hinweis: Klettern kann man täglich von 10 bis 12 Uhr, 13 bis 15 Uhr und 15.30 bis 17.30 Uhr. Das grosse Finale findet am Sonntag, 5. Mai um 13 Uhr statt.


Das Fruchtbarkeitssymbol

Der Maibaum ist ein Symbol des Frühlings und steht für Fruchtbarkeit sowie Standhaftigkeit. Der ursprünglich heidnische Brauch hat vor allem in Teilen Deutschlands –insbesondere Bayern und Baden-Württemberg – sowie in Österreich eine grosse Tradition. Aufgestellt wird der Baum auf dem Dorfplatz üblicherweise in der Nacht auf den 1. Mai, wobei das Fest in einem Maitanz übergeht. Zum Brauch gehört vielerorts auch das Hinaufklettern. In der Schweiz sind Maibäume weniger verbreitet, am ehesten in den Kantonen Baselland, Solothurn und Bern. Im Kanton Luzern muss man sie suchen. Bis vor ein paar Jahren stellte beispielsweise der Quartierverein Benziwil in Emmenbrücke jeweils ein Exemplar auf der Piazza auf. In der Regel bleiben die Bäume einen Monat lang stehen – sofern sie bis dann nicht von Vandalen gefällt worden sind.

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