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Energie-Potenzial des Urnersees wird ausgelotet

Das Seewasser könnte zum Heizen oder zum Kühlen von Wohnbauten und Industrie genützt werden. Die Regierung weist in ihrer Antwort auf ein Postulat aber auch auf viele weitere Möglichkeiten hin, den CO2-Ausstoss zu senken. Als Beispiele führt sie Erdsonden- und Grundwasserwärmepumpen an.
Markus Zwyssig
Das Wärmepotenzial aus dem Urnersee beträgt fast 600 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr. (Bild: Pius Amrein, 14. Oktober 2017)

Das Wärmepotenzial aus dem Urnersee beträgt fast 600 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr. (Bild: Pius Amrein, 14. Oktober 2017)

Die Regierung sieht das grosse Potenzial, das in der Nutzung des Urnersees für Wärme- und Kältezwecke liegt. Den Bau eines Energie- und Fernwärmenetzes vom Urnersee ins Reusstal hinauf, bezeichnet sie jedoch als kostenintensiv. «Welche Gebiete betriebswirtschaftlich sinnvoll erschlossen werden könnten, lässt sich erst sagen, wenn ein Unternehmen ein Projekt ausarbeitet», schreibt die Regierung in der Antwort auf ein Postulat von Christoph Schillig (Grüne, Flüelen).

Uri ist Mitglied der Aufsichtskommission Vierwaldstättersee (AKV), in der Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schwyz und Uri zusammenarbeiten. Die thermische Nutzung des Sees mit ihren Möglichkeiten und Herausforderungen wurde in der AKV eingehend studiert. Daher liessen sich gemäss der Regierung Schilligs Fragen ohne zusätzlichen Bericht beantworten. So seien in der Machbarkeitsstudie «Potenzial zur Wärme- und Kälteenergienutzung aus dem Vierwaldstättersee» der AKV vom Dezember 2014 fundierte Berechnungen gemacht worden.

Das Wärmepotenzial aus dem Urnersee beträgt fast 600 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr. Zum Vergleich: Der Bedarf für Raumwärme und Warmwasser der Wohnbauten im ganzen Kanton beträgt ungefähr 380 GWh. Das Wärmepotenzial des Urnersees könnte somit theoretisch den Bedarf aller Haushaltungen in Uri mehr als abdecken – dies sowohl für Wohn- wie auch Gewerbebauten.

Sisikon, Bauen und Flüelen: 1,4 Mio. Liter Heizöl sparen

Die drei Gemeinden Sisikon, Bauen und Flüelen haben das nahe gelegenste Abnehmerpotenzial. Diese weisen zusammen einen Energiebedarf von rund 25 GWh aus. Als etwas weiter entfernte Gebiete mit erhöhtem Erschliessungs- und Betriebsaufwand kommen auch Seedorf und der nördliche Teil von Altdorf in Frage. Das Potenzial für die Kältenutzung beträgt rund 230 GWh. Es ist rund ein Drittel kleiner als das Potenzial für die Wärmenutzung. Grundsätzlich wurden die Potenziale so bemessen, dass sich eine Erwärmung oder Abkühlung des Sees durch die Nutzung in vorgegebenen Grenzen bewegt und die geltenden Bestimmungen zum Schutz und Erhalt des Vierwaldstättersees eingehalten werden.

Würden heute alle Ölheizungen in den Gemeinden Bauen, Sisikon und Flüelen ersetzt, beträgt das Potenzial zur CO2-Einsparung etwa 4400 Tonnen pro Jahr. Umgerechnet auf den Ölverbrauch wären dies rund 1,4 Millionen Liter Heizöl, das nicht mehr benötigt würde.

CO2 senken: Regierung sieht viele Möglichkeiten

Es besteht Handlungsbedarf: Der Kanton Uri strebt gemäss Gesamtenergiestrategie eine 2000-Watt-Gesellschaft mit klimaneutraler Energiegewinnung an. Bereits 2020 soll der Energieverbrauch auf 4000 Watt gesenkt werden. Die Regierung gibt zu bedenken, dass im Kanton Uri heute viele weitere Möglichkeiten bestehen, den CO2-Ausstoss von Heizungs- oder Kühlanlagen effizient zu senken. Als Beispiele führt er Erdsonden- und Grundwasserwärmepumpen an.

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Nutzung des Potenzials des Urnersees sind vorhanden. Grundlagen sind in erster Linie das Gewässernutzungsgesetz des Kantons Uri sowie das Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer. Die Bewilligungsschritte, die seit vielen Jahren für die Erdwärme- und Grundwassernutzung angewandt werden, sind auch für die Seewassernutzung passend und wurden bereits angewandt. Leitbehörde für das Konzessionsverfahren für die Nutzung des Urnersees ist die Baudirektion. Das Amt für Umweltschutz nimmt die Aufgaben im Bereich Gewässerschutz wahr und ist für die Gewässerschutzbewilligung zuständig.

Auch mit Blick auf die technischen Aspekte und planerischen Vorgaben steht Uri gut da: In konzeptioneller Hinsicht wurde 2017 das «Wärmepumpenkonzept» durch das «Wärmenutzungskonzept des Kantons Uri» abgelöst. Es bildet die Grundlage für die thermische Nutzung des Untergrunds sowie der Gewässer des Kantons Uri. Auch die Potenziale und die Nutzungsmöglichkeit des Urnersees sind darin enthalten.

Abnehmerpotenzial in Seenähe ist zu wenig ausgeprägt

Die Regierung befürwortet die Förderung der thermischen Nutzung des Seewassers. Die Möglichkeit, Förderbeiträge zu sprechen, ist über das Förderprogramm Energie Uri gegeben. Es wurden in der Vergangenheit bereits Entnahmen und Rückgaben für die Brauchwassernutzung im Urnersee zugelassen. Umgesetzt wurden im Kanton Uri bislang aber keine thermischen Nutzungen von Seewasser aus dem Urnersee. Dies hat gemäss Regierung zwei Hauptursachen: Erstens ist das Abnehmerpotenzial in Seenähe im Kanton Uri zu wenig ausgeprägt vorhanden. Zweitens sind heute in Uri gute Alternativen mit erneuerbaren Energien vorhanden, die energetisch ebenbürtig oder sogar besser und wirtschaftlich attraktiver sind als die Seewassernutzung – in vielen Fällen ist dies die Grundwasser- oder Erdwärmenutzung.

Regierung will die Nutzung des Seewassers fördern

Die Regierung ist grundsätzlich bereit, sich im Rahmen der im Jahr 2020 anstehenden Überprüfung der Gesamtenergiestrategie mit der Seewassernutzung zu befassen, die aktuelle Entwicklung der Technik miteinzubeziehen und diese in geeigneter Form zu fördern. Das Potenzial der Seewassernutzung wird in der Session des Landrats am Mittwoch zum Thema. Die Regierung empfiehlt, das Postulat zur Seewassernutzung von Christoph Schillig im Sinne der Erläuterungen teilweise zu überweisen und es materiell abzuschreiben.

Weitere Vorstösse könnten folgen

Christoph Schillig findet auf Anfrage unserer Zeitung die Einstellung der Regierung zur Nutzung des Seewassers grundsätzlich positiv. Er würde sich aber ein stärkeres Engagement wünschen. «Das Potenzial zum Heizen und zum Kühlen ist sehr gross. Es wäre schade, wenn das nicht genutzt würde», hält Schillig fest. Er überlegt sich daher bereits, einen weiteren Vorstoss zu lancieren. Für ihn gibt es noch offene Fragen insbesondere auch bezüglich des Warmwassers, das im Neat-Tunnel oder bei der zweiten Röhre anfällt. Überzeugt ist er auch davon, dass man beim Abwasser ebenfalls die Wärme nutzen könnte. «Wir dürfen uns nicht nur auf die Wasserkraft konzentrieren, sondern müssen auch andere Quellen erneuerbarer Energie nutzen», gibt Schillig zu bedenken.

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