Geldprobleme
Luzerner Schuldenberatung erwartet wegen Corona mehr Anfragen

In den letzten Jahren hat die Fachstelle für Schuldenfragen Luzern immer mehr Klienten betreut. 2020 blieb es zwar ruhig. Die Leiterin gibt aber keine Entwarnung.

Alexander von Däniken
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Online-Einkäufe, Kreditkarten, Twint: Potenzielle Schuldenfallen hat es letztes Jahr wegen der Pandemie viele gegeben. Dazu kamen mögliche Lohneinbussen wegen Kurzarbeit oder Jobverlust. Dennoch hat die Fachstelle für Schuldenfragen Luzern ein vergleichsweise ruhiges Jahr erlebt, wie Stellenleiterin Barbara Bracher sagt. Rund 250 Klienten hat die Fachstelle 2020 beraten. Das sind leicht weniger Anfragen als im Vorjahr und bedeutet auch eine Zäsur: In den letzten Jahren hat die Fachstelle nämlich einen stetigen Zuwachs an Beratungen registriert:

Brachers Hypothese zum Einbruch im letzten Jahr: «Massnahmen wie der Betreibungsstopp haben wohl zu einer Verzögerung geführt. Ausserdem könnten wegen der Situation einige Gläubiger etwas kulanter gewesen sein.» Erfahrungsgemäss melden sich überschuldete Personen oft sehr spät zur Beratung an, erst wenn eigene Lösungsversuche scheitern:

Die Fachstelle rechnet in den kommenden Jahren dafür mit einer umso höheren Nachfrage, wenn die Wirkung von Verzögerungsmassnahmen nachlässt. Bei finanziellen Einbussen infolge der Coronapandemie ist es wichtig zu klären, ob Entschädigungen geltend gemacht werden können (siehe Tipps). Verschiedene Organisationen können überbrückende Nothilfe leisten, unter anderem solche, die Gelder der Glückskette zur Verteilung an Menschen erhalten, welche durch die Coronapandemie in eine Notlage geraten.

Frühzeitige Beratung schützt vor hohem Schuldenberg

Generell melden sich die Klienten spät, meist erst nach durchschnittlich sechs bis zehn Jahren bei der Fachstelle. Dann hat der Schuldenberg oft schon die kritische Grenze von 30'000 Franken überschritten und die Schuldenspirale mit Zinsen und Verzugsgebühren dreht sich schneller. Barbara Bracher rät darum:

«Lassen Sie sich frühzeitig beraten.»

Das Beratungsgespräch bei der Fachstelle für Schuldenfragen ist kostenlos. Die Stelle wird durch Beiträge vom Zweckverband für institutionelle Sozialhilfe und Gesundheitsförderung, von Kanton, Gemeinden, Organisationen, Kirchen, Stiftungen, Spendern und Mitgliedern finanziert.

Durch Corona in finanzieller Schieflage?

(avd) Die Fachstelle Schuldenberatung Luzern hat folgende Tipps zusammengestellt:

  • Nehmen Sie keinen Kredit auf und bestellen Sie nichts auf Raten
  • Vorsicht bei Kreditkartenbezügen und Kontoüberzügen – die Verzugszinsen betragen meist 12 Prozent
  • Setzen Sie Ihre knappen finanziellen Mittel konsequent für den aktuellen Lebensbedarf ein: Lebensmittel, Miete, Strom, Krankenkassenprämie, Gesundheitskosten etc.
  • Klären Sie ab, welche Rechte Sie als Arbeitnehmende haben
  • Klären Sie ab, ob Ihnen Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe zusteht
  • Reichen Sie die Steuererklärung trotz Corona ein oder verlängern Sie kostenlos die Eingabefrist
  • Erstellen Sie ein Budget, um einen Überblick über Einnahmen und Ausgaben zu erhalten und vereinbaren Sie auf dieser Grundlage realistische Ratenzahlungen mit den Gläubigern
  • Nehmen Sie Unterstützung in Anspruch. Wir stehen Ihnen zur Seite, auch in der aktuellen Ausnahmesituation

Die eingangs erwähnten potenziellen Schuldenfallen beobachtet Stellenleiterin Barbara Bracher kritisch: «Schon seit einigen Jahren stellen wir fest, dass es wegen Kreditkarten und Online-Angeboten oft normal erscheint, ein Minus auf dem Konto zu haben.» Da letztes Jahr das Bargeld aufgrund der Covid-Massnahmen noch stärker an Bedeutung verloren hat, steige auch das Risiko, das Bewusstsein für einzelne Ausgaben zu verlieren.

Zwar verzeichnen die Ratsuchenden der Fachstelle am häufigsten offene Forderungen gegenüber dem Staat mit Steuerforderungen und der Krankenkasse für Prämien. Doch auch Schulden durch Konsumkredite und Darlehen bei Privaten sind häufig. Die Gründe für eine Verschuldung haben sich in den letzten Jahren hingegen kaum geändert: Arbeitslosigkeit, Trennung oder Scheidung, Krankheit oder Unfall.

Damit einher gehen laut Bracher oft geringere Einkommensverhältnisse. Sofern nicht auf Erspartes zurückgegriffen werden kann und Veränderungen für Budgetverbesserungen nicht zeitig initiiert werden können, besteht in solchen Situationen die Gefahr einer Verschuldung. Die Fachstelle rät davon ab, finanzielle Engpässe mittels Kreditaufnahmen zu überbrücken. In Zeiten der Coronapandemie und bei Lohnausfällen zeigt sich, dass Kreditverpflichtungen dann erschwert zurückbezahlt werden können. Die Fachstelle hat hier schon Klienten aus Verträgen herausgeholt, weil Kredite grundsätzlich nur mit Personen abgeschlossen werden dürfen, die es sich leisten können.