Grossanlässe trotz Corona
Im Kanton Luzern werden nur zwei Pilotveranstaltungen durchgeführt

Im Kanton Luzern wird es diesen Sommer zwei Pilotveranstaltungen geben: im KKL und das Leichtathletik-Meeting auf der Allmend. Alle anderen Gesuche erfüllten entweder die Kriterien nicht oder wurden zurückgezogen. Ein prominentes Beispiel ist das Stadttheater Sursee.

Christian Glaus
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Die Rückkehr in die Normalität im Eventbereich soll über sogenannte Pilotveranstaltungen erfolgen. Diese sollen die Praktikabilität und die Wirksamkeit der Schutzmassnahmen für die vorgesehenen Öffnungen testen. Die Kantone können bis zu fünf solcher Pilotveranstaltungen bewilligen. Im Kanton Luzern bereits ausgewählt sind das Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) sowie Spitzen Leichtathletik Luzern.

Im KKL wird es eine Pilotveranstaltung geben.

Im KKL wird es eine Pilotveranstaltung geben.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 15. Mai 2021)

Weitere Gesuche kamen mit Ablauf der Frist am Montagmittag nicht mehr hinzu, wie David Dürr, Leiter der Dienststelle Gesundheit und Sport, auf Anfrage erklärt. Allerdings ist in Abklärung, ob im KKL weitere Veranstaltungen durchgeführt werden können. Ursprünglich waren zehn Gesuche eingegangen, acht erfüllten entweder die Kriterien nicht oder wurden zurückgezogen. Davon mussten vier abgesagt werden, weil es sich um Veranstaltungen gehandelt hätte, bei denen man nicht sitzt.

Gemäss den Vorgaben des Bundes sind die Pilotveranstaltungen zugänglich für Geimpfte, Getestete und Genesene. Im Innenbereich sind 300 bis 600 Personen erlaubt, im Freien 1000. Die Anlässe müssen im Juni stattfinden. Das geringe Interesse, solche Pilotveranstaltungen durchzuführen, deutet darauf hin, dass die Regeln für die Veranstalter schwer umsetzbar sind. Dürr hat eine Vermutung, weshalb viele potenzielle Veranstalter kein Gesuch gestellt haben: «Die momentan noch offenen Fragen zum Thema Zertifikate dürften eine entscheidende Rolle gespielt haben.» Denn noch gibt es kein einheitliches Zertifikat. Genesene erhalten im Kanton Luzern eine Isolationsbestätigung, Geimpfte eine Impfbestätigung und Getestete ein Testresultat. Diese Dokumente seien momentan ausreichend, damit die Veranstalter den Zutritt kontrollieren können, sagt Dürr.

Der Kanton Luzern hat durch die geringere Zahl an Pilotveranstaltungen nun weniger Möglichkeiten, im Hinblick auf weitere Öffnungen Erfahrungen zu sammeln. Dank der schweizweit einheitlichen Regeln können Bund und Kantone ihre Erkenntnisse immerhin untereinander austauschen.

Stadttheater Sursee kämpft um Bewilligung – und zieht sich zurück

Ein Veranstalter, der sich selber aus dem Rennen genommen hat, ist das Stadttheater Sursee. Und dies, obwohl das Haus mit 450 Plätzen zwei Anläufe genommen hat, um in den kleinen Kreis der Privilegierten aufgenommen zu werden. Das Stück «Die Panne» von Friedrich Dürrenmatt am 18. Juni wäre die Finissage der coronabedingt aussergewöhnlichen Spielsaison 2020/21 gewesen. Derzeit ist der Betrieb im Stadttheater eingestellt, weil sich ein solcher für maximal 100 Personen nicht lohnen würde. Und nun verzichtet das Stadttheater auch darauf, als Pilotveranstaltung zu fungieren. Gaby Meier vom Stadttheater begründet:

«Die Regeln mit dem Einlass nur für Geimpfte, Getestete und Genesene sind zu kompliziert. Das dürfen wir uns und unseren Gästen fast nicht zumuten.»

Die Schwierigkeit sei, dass es noch kein eindeutiges und verbindliches Coronazertifikat gebe. Das könne beim Einlass zu schwierigen Diskussionen führen. Ausserdem sei die Kontrolle der Impfbescheinigungen oder Testresultate aufwendig, gibt Meier zu bedenken: «Es wäre ein gestaffelter Eingang nötig, damit es nicht zu grossen Ansammlungen kommt. Für den Einlass müssten rund anderthalb Stunden einberechnet werden.» Bei einem Stück von anderthalb bis zwei Stunden – so lange dauert «Die Panne» – steht dies in keinem Verhältnis.

Meier betont, das Stadttheater habe sich den Entscheid über den Rückzug des Gesuchs nicht leichtgemacht. «Wir sind uns bewusst, dass wir für Häuser in unserer Grösse einstehen müssen. Doch wenn wir jetzt schon sagen können, dass ein Betrieb unter den aktuellen Vorgaben nicht vorstellbar ist, ist das ein klares Statement.» Mit einem einheitlichen Zertifikat für alle Geimpften, Getesteten und Genesenen liesse sich der Zutritt zu einer Veranstaltung einfacher regeln, ist Gaby Meier überzeugt. «Das stimmt uns für die Zeit ab Herbst zuversichtlich.»

Aufführung von «Die Panne» ist nun definitiv gestrichen

Klar ist mit dem Verzicht, dass «Die Panne» nun definitiv nicht in Sursee aufgeführt wird. Im vergangenen Jahr wurde die Aufführung verschoben, nun ist sie ganz abgesagt. Grund dafür ist, dass einerseits einige Künstler vom Theater und Orchester Biel Solothurn, welches das Stück inszeniert, nicht mehr zur Verfügung stehen. Andererseits sei die neue Saison bereits weitgehend geplant. Gaby Meier ist sich bewusst: «Der Vorverkauf ist gut gelaufen, es wird einige Enttäuschte geben.» Auch das Stadttheater hätte gerne wieder Veranstaltungen durchgeführt. Nach über einem Jahr mit der Pandemie und einer schwierigen Spielsaison 2020/21, welche nun kein reguläres Ende findet, sagt Meier: «Wir freuen uns sehr, wenn wir endlich wieder sagen dürfen: Vorhang auf!»

Spitzen Leichtathletik richtet spezielle Checkpoints ein

Hingegen nimmt Spitzen Leichtathletik Luzern den grossen Aufwand auf sich. Sprecher Stephan Zopfi sieht kein Problem darin, die Dokumente der Gäste auf ihre Gültigkeit zu prüfen. Es sei klar, welche Bedingungen erfüllt sein müssen. Die Veranstalter haben bereits ein Konzept entwickelt, wie die Besucher kontrolliert werden können. «Es wird einen Checkpoint geben, an dem alle ihre Nachweise vorweisen müssen, erst dann dürfen sie die Anlage betreten», so Zopfi. Die Wartezeiten für die Besucher sollen – wenn überhaupt – maximal 15 Minuten betragen.

Die Logistik sei zwar aufwendig. Doch es gebe noch weitere Herausforderungen; etwa die Unterbringung der Athletinnen und Athleten, deren Transport oder die Betreuung vor Ort. Normalerweise verfolgen bis zu 7500 Personen das Meeting, nun sollen es 800 sein. Die Organisatoren hoffen, dass das Defizit im tiefen sechsstelligen Bereich vom Verband und der öffentlichen Hand getragen wird. Trotz der Aufwände und des erwarteten Verlusts freut sich Zopfi auf gute Stimmung im Stadion: «Die Athleten sind froh, wenn sie überhaupt Zuschauer haben.»