Grossprojekt Eggberge: Vision einer nachhaltigen Gesellschaft

Grossprojekt Eggberge
Grossprojekt Eggberge: Vision einer nachhaltigen Gesellschaft

Bild: Anian Heierli (Eggberge, 11. August 2021)

Im Weiler Eggberge entsteht ein Seminarzentrum mit 37 Betten gebaut aus Mondholz. Im Gespräch auf der Baustelle erzählen die Unternehmer hinter dem Grossprojekt von ihrer Vision.

Anian Heierli
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Das Fazit ist ernüchternd: Bis 2030 droht eine Erderwärmung um 1,5 Grad – das ist zehn Jahre früher als bisher prognostiziert. Diese Warnung wurde Anfang Woche im neuesten Bericht des Weltklimarats IPCC veröffentlicht. Spätestens jetzt ist klar: Damit es nicht so weit kommt, braucht es schnell ein Umdenken. Die Gesellschaft muss nachhaltiger werden.

Ein solches Umdenken soll bald auf dem urnerischen Weiler Eggberge 1450 Meter oberhalb von Altdorf und Flüelen stattfinden. Auf dieser Sonnenterrasse entsteht ein ambitiöses Grossprojekt in Sachen Nachhaltigkeit. Gebaut wird zurzeit das Seminarzentrum Berglodge 37 rund um die Themen Gesundheit, Vitalität, Ökologie und nachhaltiges Unternehmertum (wir berichteten).

Im Sommer 22 wird die Eröffnung gefeiert

In der Berglodge 37 hat es künftig 15 Einzel- und 10 Doppelzimmer. Zudem gibt es eine Bergsuite, zwei Kursräume, eine Lounge und eine Bergstube. Hinter der Idee stehen Unternehmer Martin Reichle und seine Frau Ruth Koch. Aktuell sind die drei Häuser des Seminarzentrums im Aufbau. Die Eröffnung ist auf den 15. Juni 2022 geplant.

Für Ruth Koch und Martin Reichle ist die Berglodge 37 ein Herzensprojekt.

Für Ruth Koch und Martin Reichle ist die Berglodge 37 ein Herzensprojekt.

Bild: Anian Heierli (Eggberge, 11. August 2021)

Ein Besuch der Baustelle verdeutlicht, wie zentral das Thema Nachhaltigkeit schon jetzt gehandhabt wird: Die Gebäude der Anlage werden mit einheimischem Fichtenholz erstellt. Dabei handelt es sich um vorgefertigte Elemente, die vor Ort zusammengesetzt werden. «Rund 45 Prozent des verwendeten Holzes wurde sogar auf den Eggbergen selbst geschlagen», sagt Reichle. Dabei hatte er das nötige Glück. Die Bestellung wurde just vor der momentanen Holzknappheit getätigt. Ansonsten hätte sich das Projekt wohl um Monate verzögert.

Beim Baumaterial handelt es sich aber nicht um «normales» Holz. Zum Einsatz kommt Mondholz. Das heisst, die Waldarbeiter schlugen die Bäume innert drei bis vier Tagen nach Vollmond. Diesem Holz werden besondere Eigenschaften in Bezug auf Stabilität, Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit zugesprochen. Klingt esoterisch, ist es aber nicht: Ernst Zürcher, Professor für Holzwissenschaften an der Berner Fachhochschule und Lehrbeauftragter der ETH Zürich, zeigte in einer Studie, dass Hölzer je nach Mondphase statistisch signifikante Unterschiede bezüglich Wasserverlust, Dichte und Schwindverhalten aufweisen.

Der grosse Seminarraum bietet vor allem etwas: eine atemberaubende Sicht auf die Urner Bergkulisse.

Der grosse Seminarraum bietet vor allem etwas: eine atemberaubende Sicht auf die Urner Bergkulisse.

Bild: Anian Heierli (Eggberge, 11. August 2021)

Nachhaltig ist aber nicht nur der Rohstoff, sondern auch die geplante Heiztechnik mittels Erdsonde. Für Reichle, ursprünglich gelernter Elektromonteur und heute -Ingenieur, macht diese Technologie am Standort Eggberge den grössten Sinn. Zudem soll beim Betrieb des Zentrums der Strom in gewissen Zimmern nachts abgestellt werden. Nachhaltig soll auch die Küche werden. Einzig vegetarische Menus werden serviert. «Vegetarisch, nicht vegan», sagt Ruth Koch dazu. Es werde auch Käse von lokalen Bauern geben. Ohnehin wird auf einheimische Lebensmittel gesetzt. Reichle ergänzt: «Ich habe nichts gegen Fleisch und esse selbst sehr gerne ein gutes Stück Urner Lamm oder einen Fisch aus dem Urnersee.» Nachhaltige Lebensmittelproduktion bedinge aber einen bewussten Umgang mit Fleisch. Denn dieses verursache bei der Produktion deutlich mehr C02-Ausstoss. Zur Erklärung: Laut Greenpeace werden im globalen Schnitt pro Kilo Rindfleisch rund 13,3 Kilo C02 freigesetzt.

In politische Debatten will man sich aber nicht einmischen. Vielmehr will man zeigen, wie nachhaltiges Leben geht. Das gilt für alle Lebensbereiche. Fabienne Dahinden, die künftige Programmleiterin der Berglodge 37, wird für die Planung der Seminare zuständig sein. Sie erklärt: «Diese werden in drei Hauptgebiete unterteilt. Gesunder Mensch, gesunde Natur und gesundes, nachhaltiges Unternehmertum.» Mit anderen Worten: Ein vitales Leben wird hier genauso diskutiert wie Zusammenhänge in der Natur. Auf den Eggbergen sollen Experten verschiedener Sparten miteinander in den Dialog kommen.

«Jeder Teilnehmer soll etwas mitnehmen»

Fabienne Dahinden ist für die Planung der Seminare zuständig. Nachhaltigkeit ist dabei das zentrale Leitthema.

Fabienne Dahinden ist für die Planung der Seminare zuständig. Nachhaltigkeit ist dabei das zentrale Leitthema.

Bild: Anian Heierli (Eggberge, 11. August 2021)

Insofern grenzen sich die Initianten also von einem «gewöhnlichen» Business-Seminarhotel ab. «Uns ist es wichtig, dass jeder Teilnehmer von den Eggbergen etwas für sich mitnimmt», sagt Ruth Koch. Das gelte für Unternehmen, Paare oder Einzelpersonen. Sie nennt das «Take-away». Die gebürtige Bündnerin hat sich in die Urner Berge verliebt. Schnell wird klar, das Unternehmerpaar steckt viel Herzblut in die Berglodge 37. Die Gegend kennen sie bestens. Seit Jahren besitzen sie hier ein Ferienhaus. «Die Aussicht ist einmalig», sagt Reichle. «Und es wird hier kein Massen-, sondern eben ein nachhaltiger Tourismus gelebt.»

Bleibt also noch die Frage, weshalb der Name Berglodge 37? «Das ist Zufall», so Reichle. «Wir merkten beim Planen, dass wir Platz für 37 Betten haben.» Dennoch wurde die 37 zum Programm: Die Mindestaufenthaltsdauer beträgt 37 Stunden, sprich zwei Nächte. Zudem sollen jährlich während 37 Wochen Seminare angeboten werden.

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