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Luzerner Regierung erhöht Druck auf zu kleine Oberstufen

Der Kanton Luzern will die Bussen für schlecht ausgelastete Oberstufen erhöhen. Zudem fordert die Regierung von den Schulen den Wechsel auf das integrierte Sek-Modell – um Kosten zu sparen. Dafür braucht sie aber Geduld.
Evelyne Fischer
Luzerner Sekundarschüler in einer Mathematikstunde. (Symbolbild: Boris Bürgisser)

Luzerner Sekundarschüler in einer Mathematikstunde. (Symbolbild: Boris Bürgisser)

Bei der Wahl des Wohnorts vieler Familien ist dies ein zentrales Kriterium: das Schulangebot. Im Idealfall ist vom Kindergarten bis zur Sek die ganze Palette vorhanden. Doch gerade die Oberstufe kann – je nach Entwicklung der Schülerzahlen – die Finanzen von Kanton und Gemeinden zünftig belasten. Denn: Ein Sek-Klassenzug beläuft sich im Schnitt auf 350'000 Franken. Zum Vergleich: Eine Klasse auf der Primar kostet rund 280'000 Franken, ein Kindergarten 220'000 Franken.

Im Interesse des Steuerzahlers sollten die Klassen – insbesondere auf der Oberstufe – daher möglichst gut gefüllt sein. Doch das war in den letzten Jahren immer weniger der Fall, wie die Berichte der Schulaufsicht zeigen: Im Schuljahr 2018/19 bewilligte die kantonale Dienststelle Volksschulbildung 60 Gesuche zur Führung von Sek-Klassen mit Unterbestand. Die jeweiligen Klassen umfassten folglich weniger als 15 (Niveaus A und B) respektive 12 Schüler (Niveau C). In Prozenten ausgedrückt betraf dies 11,1 Prozent aller Sek-Klassen:

Im Schuljahr 2017/18 waren es 50 Klassen mit Unterbestand. Wie viele es im neuen Schuljahr sind, lässt sich laut Dienststellenleiter Charles Vincent «erst gegen Ende September» sagen.

Geforderte Modellwechsel werden zögerlich umgesetzt

Es verwundert wenig, versucht die Regierung Einfluss auf die Klassengrössen zu nehmen. Seit die Reduktion der Sekundarschulkreise 2017 gescheitert ist, forciert sie Modellwechsel auf der Oberstufe (siehe Kasten am Ende des Textes). In einer entsprechenden Mitteilung hielt die Regierung vor zwei Jahren fest: «Buttisholz erhält für das Schuljahr 2017/18 eine ausserordentliche Bewilligung zur Führung einer Klasse mit den Niveaus B/C und muss auf das Schuljahr 2018/19 vom kooperativen Modell auf das integrierte Modell wechseln. Wolhusen muss auf das Schuljahr 2020/21 vom kooperativen Modell auf das integrierte Modell wechseln. Neuenkirch muss das Sekundarschulmodell überprüfen.»

Nun zeigt sich: Auch dieser Plan lässt sich nicht so schnell umsetzen: Einzig Wolhusen will wie vorgeschrieben ab dem Schuljahr 2020/21 aufs integrierte Modell umstellen. Buttisholz hingegen wird voraussichtlich bis zum Schuljahr 2021/22 im bisherigen Modell weiterfahren. Neuenkirch hat beschlossen, auf das Schuljahr 2022/23 auf das kooperative Modell zu wechseln.

Der Kanton muss in Sachen Modellwechsel offensichtlich viel Geduld aufbringen. Vincent stellt dies nicht in Abrede, sagt aber auch: Das Warten lohne sich in der Regel.

«Wenn die zuständigen kommunalen Gremien hinter dem Entscheid stehen, erhöht dies die Akzeptanz und die Qualität der Umsetzung.»

Zudem spreche nichts dagegen, Milde walten zu lassen, wenn wie im Fall von Buttisholz für die Klassenbildung im kooperativen Modell noch genügend Schüler vorhanden seien.

Integriertes Modell wird am häufigsten angewandt

Im neuen Schuljahr werden im Kanton 8 Sekundarschulen nach dem getrennten Modell geführt, 15 nach dem kooperativen und 22 nach dem integrierten. In einigen Gemeinden kommt es zu Veränderungen: Die Schulen Ebikon und Root setzen neu auf das kooperative Modell, bislang vertrauten sie auf das getrennte Modell. Vom kooperativen ins integrierte Modell wechseln die Schulen Eschenbach, Escholzmatt-Marbach und Weggis. «Einen Wechsel vom getrennten ins kooperative Modell beschlossen haben auch die Schulen Hitzkirch und Triengen», sagt Vincent. Beide vollziehen die Änderung auf das Schuljahr 2020/21.

Für einen Modellwechsel können unter anderem pädagogische und bildungspolitische Gründe den Ausschlag geben. «Oft kann eine Gemeinde so auch weiterhin eine eigene Sekundarschule anbieten, wodurch sich längere Schulwege verhindern lassen.» Das getrennte Modell sei – zumindest zahlenmässig – «eher ein Auslaufmodell», sagt Vincent. Unter anderem erschwere es die Klassenbildung bei einer kleinen Schülerzahl, auch die Durchlässigkeit sei beschränkt.

Sonderzug der Stadt Luzern: Entscheid fällt im Frühling

Einen Sonderzug in Sachen Sek fährt die Stadt Luzern: Sie hat aufs Schuljahr 2016/17 hin das integrierte Strukturmodell eingeführt – liess als einzige Gemeinde im Kanton aber auch Deutsch und Mathematik in der Stammklasse unterrichten und nicht getrennt in Niveaugruppen. Das bedeutet: In derselben Mathematikstunde sitzen leistungsstarke Schüler des Niveaus A zusammen mit Kollegen der Niveaus B und C. Der Kanton gewährte dafür eine auf drei Jahre befristete Ausnahmebewilligung. «Aktuell ist die Evaluation in Gange», sagt Vincent. «Die Ergebnisse sollten im Frühjahr vorliegen. Dann muss über eine Anpassung des Modells entschieden werden.»

Regierung will Busse für zu kleine Klassen erhöhen

Weil der Kanton seit dem Ja zur Aufgaben- und Finanzreform (AFR) 18 neu 50 statt wie bisher 25 Prozent der Kosten der Volksschule trägt, wird die Regierung auch künftig ihr Augenmerk auf die Klassengrösse richten. Zu den Massnahmen der AFR gehört, dass Gemeinden für Klassen mit bewilligtem Unterbestand ab dem Schuljahr 2020/21 gebüsst werden. Dies soll jährlich zwei Millionen Franken einbringen.

Die Regierung kann die Höhe der Zahlung bis zu maximal 20'000 Franken pro Klasse festlegen. Laut Botschaft vorgesehen waren 7500 Franken für zu kleine Primar-, Kindergarten- und Basisstufenklassen sowie 12'000 Franken für Sekklassen. Inzwischen sind die Beträge differenziert und teils erhöht worden, um die genannte Summe zu erreichen: «Aktuell geplant ist eine Ausgleichszahlung von 7500 Franken für Kindergarten und Basisstufe, 10'000 Franken für Primar- und 12'500 für Sekklassen mit Unterbestand», so Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung. «Diese Beträge sind noch nicht gesetzt, der Regierungsrat muss sie noch definitiv beschliessen.»

Sekundarschulkreise: Reduktion ist vom Tisch
Die Regierung versucht seit jeher, Klassengrössen zu steuern. Im Zuge des Sparpakets KP 17 plante sie, aufs Schuljahr 2017/18 die Sekschulkreise von damals 44 auf 30 zu reduzieren. Doch die Regierung biss damit vielerorts auf Granit. Im Juni 2017 erfolgte der Projektabbruch. Von 45 Gemeinden mit Oberstufen sind heute einzig sechs zu drei Schulkreisen zusammengeschlossen: Hildisrieden/Rain, Nebikon/Schötz und Willisau/Ettiswil. «Der grosse Widerstand betroffener Gemeinden ist ein wichtiger Grund für die Kehrtwende gewesen», so Vincent. «Zudem konnte aufgezeigt werden, dass die verlangten Klasseneinsparungen auch mit dem Wechsel des Strukturmodells erzielt werden können.»

Sek: Das sind die drei Modelle

Auf Sekstufe werden Luzerner Schüler drei Niveaus zugeteilt: A (höhere Anforderungen), B (erweiterte Anforderungen) und C (grundlegende Anforderungen). Luzern kennt auf der Sek drei Strukturmodelle:

Getrenntes Modell: Die Niveaus A, B und C werden in separaten Klassen unterrichtet. Für das Modell sind mindestens 70 Schüler pro Jahrgang nötig.

Kooperatives Modell: Die Niveaus A/B werden gemeinsam und Niveau C in einer separaten Klasse geführt. Die Niveaufächer Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik werden in klassenübergreifenden Niveaugruppen unterrichtet, mindestens 40 Schüler pro Jahrgang.

Integriertes Modell: Alle Schüler werden in einer Klasse unterrichtet. In den Niveaufächern werden die Schüler in klassenübergreifenden Niveaugruppen unterrichtet, mindestens 15 Schüler pro Jahrgang.

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