Koi-Fische in Sörenberger Weiher ausgesetzt

Koi-Fische dezimieren in einem Weiher in Sörenberg den Froschlaichbestand. Alles halb so schlimm, heisst es bei der zuständigen Dienststelle. Trotzdem versucht man nun, den Teich wieder von den japanischen Fischen zu befreien.

Lukas Nussbaumer
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Der Dorfweiher mit dem Friedensmemorial am Pater-Damasus-Weg in Sörenberg mitten im Herzen der Unesco-Biosphäre Entlebuch ist ein schönes Fleckchen Erde. Selbst wer von einer ausgesprochen idyllischen Szenerie spricht, übertreibt nicht. Doch der Schein trügt.

Im Dorfweiher von Sörenberg mit dem Friedensmemorial leben mehrere standortfremde Koi-Fische.

Im Dorfweiher von Sörenberg mit dem Friedensmemorial leben mehrere standortfremde Koi-Fische.

Bild: Livia Fischer (21. Juli 2020)

Wer dem Treiben im vor mehr als 60 Jahren von Privaten erstellten Weiher länger zusieht, entdeckt unter den einheimischen Forellen auch grössere und farbige Fische. Es handelt sich um Kois, Froschlaichräuber, die in Japan von Adligen seit langem als Statussymbole gehalten werden und die inzwischen auch in der Schweiz verbreitet sind. In den oft besuchten Dorfweiher von Sörenberg sind die bis zu einem Meter langen Karpfenfische allerdings nicht selber geschwommen. Sie wurden ausgesetzt. Ob widerrechtlich, ist bis heute nicht geklärt. Auch warum, ist offen. Wurden sie vielleicht gar bewusst nach Sörenberg gebracht, um die im Tourismusort nicht sonderlich beliebten Frösche zu dezimieren?

«Forellen sind effektivere Laichräuber als Kois»

Sicher ist: Erstmals entdeckt wurden die standortfremden Kois Ende April von einem Einheimischen, der den Weiher regelmässig besucht. Seine Feststellung rapportierte er umgehend an die Dienststelle Landwirtschaft und Wald: «Der Bestand an Froschlaichen und Kaulquappen nimmt dramatisch ab, weil sich die Kois davon ernähren.» Philipp Amrein, Fachbereichsleiter Jagd und Fischerei bei der Dienststelle, stellte bei einem Augenschein vor Ort ebenfalls fest: Im bis zu vier Meter tiefen Weiher befinden sich mehrere Kois.

So sehen Koi-Fische aus.

So sehen Koi-Fische aus.

Symbolbild: Getty

Die Auswirkungen auf den Froschlaichbestand werden vom Fachmann allerdings anders beurteilt als vom einheimischen Beobachter. «Forellen sind die effektiveren Laichräuber als Kois. Sie sind das Problem, denn sie verschlingen auch ganze Frösche», sagt Amrein. Und teilt den angerichteten Schaden «zu etwa 80 Prozent» den Forellen zu.

Der «Fall Koi» muss bis im Frühjahr 2021 gelöst sein

Dennoch: Die Kois gehören nicht in den Sörenberger Dorfweiher. Laut Artikel 6 des Bundesgesetzes über die Fischerei braucht nämlich eine Bewilligung aus Bern, wer «standortfremde Arten, Rassen und Varietäten von Fischen und Krebsen einführen und einsetzen will». Ob diese Bewilligung vorliegt, ist noch unklar. Die Abklärungen seien aufwendig, weil der Weiher einer Erbengemeinschaft gehöre, sagt Amrein.

Zeitnot bestehe allerdings nicht, denn die Frösche würden erst wieder im kommenden Frühjahr laichen. Bis dann jedoch muss der «Fall Koi» von Sörenberg gelöst sein, weil sie je nach Wassertemperatur ab Mai ihren Laich ablegen, aus denen sich die Jungfische entwickeln.

Fischen bringt genauso wenig, wie den Teich zu entleeren

Die Lösung des Falls wird jedoch zur Herausforderung. Konventionell gefischt werden können die fremden Fische nicht, weil sie unzuverlässig anbeissen. Auch eine Abfischung mit dem Elektrofischfanggerät klappt nicht: Die Kois lassen sich einfach auf den Grund des Teichs fallen. Als dritte Variante käme die Entleerung des Weihers in Frage. Doch das hätte wiederum negative Auswirkungen auf die vorhandene Tier- und Pflanzenwelt im Teich.

Kein Thema ist auch ein vierter Weg: den Kois die Möglichkeit geben, den Weiher via Waldemme zu verlassen. Amrein:

«Das würden die Kois nicht überleben, weil sie sich dieses raue Gewässer der Waldemme nicht gewohnt sind.»

Die letzte Option wäre zudem unzulässig: Der Grundeigentümer ist verantwortlich dafür, dass die japanischen Karpfen nicht wegschwimmen.

Vorderhand können sich die fremden Fische im Entlebuch weiter sicher fühlen. Der Auslass des Weihers ist mit einem Rechen versehen, durchzuschwimmen ist für die Kois in dieser Grösse unmöglich. Möglich ist sogar, dass die Kois länger in Sörenberg bleiben: Die Besitzer des Weihers können beim Bund nämlich auch nachträglich eine Bewilligung einholen.