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Angehende Lehrer müssen im Kanton Luzern mit weniger Erfahrung ins Schulzimmer

Der Kanton Luzern kürzt den Beitrag an die Pädagogische Hochschule um fast eine Million Franken. Diese spart nun unter anderem bei der praktischen Ausbildung.
Yasmin Kunz
Die Pädagogische Hochschule Luzern streicht angehenden Lehrern eine Praktikumswoche. (Bild: Boris Bürgisser)

Die Pädagogische Hochschule Luzern streicht angehenden Lehrern eine Praktikumswoche. (Bild: Boris Bürgisser)

Zu Studienbeginn eine schlechte Nachricht für die angehenden Lehrerpersonen der Pädagogischen Hochschule (PH) Luzern: Die Institution muss ihr Ausbildungsangebot reduzieren. Grund dafür sind insbesondere die gekürzten Beiträge des Kantons Luzern. Als Träger der PH zahlt dieser im laufenden Jahr noch 4,4 Millionen Franken. Ein Jahr zuvor waren es 5,3 und im Jahr 2014 gar 8,1 Millionen. Damit nicht genug: Auch die Vereinbarung über die Fachhochschulen kürzt die Pro-Kopf-Beiträge: Anstatt wie bis anhin 25 500 erhält die PH noch 24 000 Franken pro Student.

«Diese Kürzungen sind schmerzlich», sagt Hans-Rudolf Schärer, Rektor der Pädagogischen Hochschule Luzern. Aufgrund der tieferen Beiträge habe die PH im vergangenen Jahr erstmals ein Defizit von rund zwei Millionen Franken geschrieben.

Eine Woche weniger im Schulzimmer

Nun heisst es also Sparen bei der Ausbildung von Lehrpersonen. Kein leichtes Unterfangen, wie Schärer sagt. «Wir wollten vor allem keine Abstriche in den Kernbereichen machen.» Heisst etwa: keinerlei Streichung der Studiengänge und der Fächer, die an der Pädagogischen Hochschule unterrichtet werden. Die Verantwortlichen streichen eine Woche der praktischen Ausbildung. Ein Beispiel: Hatte eine Studentin des Studiengangs Kindergarten- und Unterstufe bis anhin 20 Wochen Praktikum während der ganzen Ausbildung, werden es im Schuljahr 2019/2020 noch 19 Wochen sein. Diese Massnahme ist gemäss Schärer auf dieses eine Studienjahr beschränkt.

Stellt sich die Frage, ob damit die Qualität der Ausbildung leidet. Schärer: «Die Kürzungen, die wir vornehmen mussten, werden die Qualität tangieren. Wir werden aber weiterhin eine qualitative hochstehende Ausbildung anbieten können.»

Er gibt aber zu bedenken, dass das Image leiden könnte: «Die Hochschule hat über die Kantonsgrenzen hinweg einen guten Ruf. Diesen darf man mit Sparmassnahmen nicht gefährden.» Mit der Kürzung der Praktikumszeit erhalten auch manche Praxislehrer ein kleineres Honorar als bis anhin, weil sie weniger Aufwand zur Betreuung der Studenten haben. «Wie wir die Reduktion der Praxiswoche im Konkreten umsetzen, ist noch nicht abschliessend definiert. Wir werden demnächst das Gespräch mit den Betroffenen suchen», sagt der Rektor der Pädagogischen Hochschule.

Zahl der Seminarteilnehmer wird erhöht

Nicht nur die Praxiszeit wird reduziert: Zusätzlich wird für die Studienjahre 2019/20 und 2020/21 das Impulsstudium um eine Woche gekürzt. Das ist ein ergänzendes Studium, wobei die angehenden Lehrpersonen ihr Fachwissen in einem spezifischen, selbst gewählten, Bereich vertiefen. Eine weitere Sparmassnahme wird die Erhöhung der Seminarteilnehmerzahl von 27 auf maximal 28 sein. Ausserdem würden auch in der Verwaltung Einsparungen vorgenommen, sagt Schärer. Der PH-Rektor schätzt, dass man mit den Massnahmen rund eine Million Franken spart. Weitere Kürzungen seien aktuell nicht geplant.

Die Sparmassnahmen kommen bei SP-Kantonsrat Michael Ledergerber nicht gut an. «Das ist ein erneuter Abbau zu Lasten der Bildung», sagt der Stadtluzerner Politiker. Welche Auswirkungen die Sparmassnahmen haben werden, könne er nicht abschätzen. «Ich befürchte jedoch, dass das Image der PH Luzern darunter leiden könnte.» Zudem sei nicht auszuschliessen, dass weitere Abbaupläne folgen. «Die PH muss ihre hohe Qualität auch weiterhin gewährleisten können. Und das kann sie nur, wenn die entsprechenden Mittel zur Verfügung stehen», sagt Ledergerber, der Mitglied der Planungs- und Finanzkommission des Kantons Luzern ist.

«Der Praxisbezug ist für den Start in den Schulalltag einer Lehrperson von grosser Bedeutung.»

Alex Messerli, Präsident Lehrerverband

Ins gleiche Horn bläst Alex Messerli, Präsident des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbands. Auch wenn man derlei Kürzungen erahnt habe, sei man nun «enttäuscht, frustriert und zunehmend auch ratlos». Bedenklich findet Messerli insbesondere den Abbau der praktischen Ausbildung. «Der Praxisbezug ist für den Start in den Schulalltag einer Lehrperson von grosser Bedeutung.»

Die PH leiste diesbezüglich hervorragende Arbeit, sagt der Präsident des Lehrerinnen- und Lehrerverbands, der selbst einmal Student an der Pädagogischen Hochschule Luzern war. «Diese Kürzungen zeigen erneut, dass die Regierung Spareffekte höher bewertetet als die Bildungsqualität.»

2020: Wieder mehr als 5 Millionen für die PH

Trotz finanzieller Einschränkungen: Rektor Hans-Rudolf Schärer hofft auf Besserung, weil einerseits die Zahl der Studierenden dank «dem weiterhin attraktiven Studienangebot und der guten Berufschancen» weiter zunehmen dürfte. Und andererseits, weil er darauf baut, dass die Kürzungen des Kantons ein Ende haben. Gemäss Aufgaben- und Finanzplan soll die Pädagogische Hochschule im Jahr 2020 vom Kanton Luzern 5,1 Millionen Franken erhalten.

Bildungsdirektor Reto Wyss (CVP) sagt: «Ich halte an diesem Betrag fest und bin zuversichtlich, diesen im Jahr 2020 sprechen zu können.» Die Abstriche, welche wegen der Finanzlage des Kantons sämtliche Hochschulen machen müssten, bedaure er. Dass das Image der PH darunter leiden wird, glaubt er indes nicht. «Die Hochschule hat sich in den vergangenen Jahren gut etabliert und wird immer beliebter.» Wyss hält jedoch fest: «Kürzungen haben Grenzen. Wir müssen Sorge tragen zur guten Qualität dieser Institution.»

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