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Anschlagserie in Sri Lanka: Acht Explosionen, Mindestens 207 Tote und Hunderte verletzt

Bei einer Serie von Anschlägen auf Hotels und christliche Kirchen sind am Ostersonntag in Sri Lanka rund 207 Menschen getötet worden. Unter den Opfern waren nach Polizeiangaben auch 35 Ausländer.

Was wir wissen:

  • Was: Eine Reihe von Anschlägen auf christliche Kirchen und Hotels erschüttert am Ostersonntag Sri Lanka
  • Wo: Hauptstadt Colombo und Umgebung, sowie Batticaloa im Osten
  • Opfer: gegen 207 Tote und Hunderte Verletzte - dem EDA sind keine Schweizer Opfer bekannt
  • Wer: Bislang hat sich niemand zu den Anschlägen bekannt. In Verdacht ist eine radikal-islamische Gruppe mit Namen NTJ
  • Verteidigungsministerium verhängt Ausgangssperre

(sda/stg/jk/mef/lex) Am Vormittag erschütterten zunächst mehrere Explosionen binnen kurzer Zeit drei Luxushotels und drei christliche Kirchen, in denen gerade der Ostergottesdienst gefeiert wurde. Am Nachmittag gingen die Anschläge weiter: Sie trafen zwei Vororte der Hauptstadt Colombo.

Der stellvertretende Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene sprach von einem «terroristischen Vorfall» und machte «extremistische Gruppen» für die Bluttaten verantwortlich. Die Verantwortlichen seien identifiziert.

Als Reaktion verhängte die srilankische Polizei eine sofortige Ausgangssperre. Sie solle bis auf weiteres gelten. Die Nutzung von Online-Netzwerken wurde einstweilen untersagt. Regierungschef Ranil Wickremesinghe sprach von «feigen Angriffen».

Die Explosionen entfalteten eine zerstörerische Wucht. Mindestens 64 Menschen wurden laut dem Polizeivertreter am Vormittag bei Detonationen in drei Luxushotels und der historischen St.-Antonius-Kirche in Colombo getötet. Dort wurde gerade die Ostermesse gefeiert.

Mindestens 67 weitere starben in der St.-Sebastians-Kirche des nahe von Colombo gelegenen Orts Negombo. 25 weitere wurden in einer Kirche in Batticaloa im Osten des Landes getötet. Auch hier gingen die Sprengsätze während der Osterfeierlichkeiten hoch.

Am Nachmittag wurden dann mindestens zwei weitere Menschen bei einer siebten Explosion in einem Hotel in einem Vorort Colombos getötet. Eine achte Explosion ereignete sich kurz darauf in einem anderen Vorort: Dort riss ein Selbstmordattentäter nach Polizeiangaben drei Polizisten mit in den Tod.

Wohl keine Schweizer Opfer

Bei den koordinierten Explosionen wurden ausserdem mehr als 500 Menschen verletzt, wie Sprecher von sieben örtlichen Spitälern der Nachrichtenagentur DPA sagten. Unter den Todesopfern sind nach Angaben der Tourismusbehörde 32 Ausländer aus acht Staaten. Dazu gehörten Bürger Indiens, der USA, Grossbritanniens, Portugals, Chinas, der Niederlande, Belgiens und der Türkei.

Schweizer Bürger sind nach bisherigen Kenntnisstand nicht unter den Opfern, wie das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) auf Anfrage mitteilte. Man stehe in Kontakt mit lokalen Behörden und werde laufend informiert. Der südasiatische Inselstaat ist ein beliebtes Touristenziel.

Verwüstung und Zerstörung: Vor der Kirche Batticalova in Colombo herrscht Chaos nach der Explosion. (Bild: Keystone)Verwüstung und Zerstörung: Vor der Kirche Batticalova in Colombo herrscht Chaos nach der Explosion. (Bild: Keystone)
Eine Explosion ereignete sich auch im Hotel Shangri-la. Polizisten und Forensiker sichern nach dem Attentat Spuren. (Bild: Keystone)Eine Explosion ereignete sich auch im Hotel Shangri-la. Polizisten und Forensiker sichern nach dem Attentat Spuren. (Bild: Keystone)
Mehrere Kirchen in Sri Lanka wurden von Explosionen erschüttert. (Bilder: Keystone)Mehrere Kirchen in Sri Lanka wurden von Explosionen erschüttert. (Bilder: Keystone)
Sicherheitskräfte bewachen die Sankt-Anthony-Kirche in Colombo.Sicherheitskräfte bewachen die Sankt-Anthony-Kirche in Colombo.
Über 100 Menschen kamen bei der Anschlagsserie ums Leben.Über 100 Menschen kamen bei der Anschlagsserie ums Leben.
Männer helfen einer älteren Frau in der Nähe von einem der Explosionsorte in der Hauptstadt Colombo.Männer helfen einer älteren Frau in der Nähe von einem der Explosionsorte in der Hauptstadt Colombo.
Mehrere Kirchen in Sri Lanka wurden von den Explosionen erschüttert.Mehrere Kirchen in Sri Lanka wurden von den Explosionen erschüttert.
Das Innere der Sankt-Anthony-Kirche wurde durch den Anschlag zerstört. Das Innere der Sankt-Anthony-Kirche wurde durch den Anschlag zerstört.
Und auch vor der Kirche liegt einiges in Trümmern. Und auch vor der Kirche liegt einiges in Trümmern.
Neben Polizisten und dem Militär sind auch etliche Feuerwehrleute im Einsatz. Neben Polizisten und dem Militär sind auch etliche Feuerwehrleute im Einsatz.
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Tote und Verletzte nach Anschlagserie in Sri Lanka

An den Tatorten boten sich grausame Bilder. Nach einem Besuch an drei Anschlagsorten erklärte Wirtschaftsminister Harsha de Silva: «Ich habe überall Leichenteile verstreut gesehen.» Es habe «viele Opfer einschliesslich Ausländern» gegeben.

Regierungschef Wickremesinghe appellierte über Twitter an die Bevölkerung, «geeint und stark» zu bleiben. Die Regierung unternehme alles, um die Lage in den Griff zu bekommen. Präsident Maithripala Sirisena rief ebenfalls zur Ruhe auf. Die Regierung berief eine Krisensitzung ein.

Eines der Hotels, das Cinnamon Grand Hotel, liegt in der Nähe der Residenz des Regierungschefs. Dort wurde nach Angaben eines Hotelmitarbeiters ein Mensch bei einer Detonation im Restaurant getötet. Betroffen waren zudem des Shangri La und das Kingsbury Hotel.

«Abscheuliche Taten»

Führende Politiker aus aller Welt verurteilten die Anschläge. Bundespräsident Ueli Maurer schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: «Im Namen des Bundesrats verurteile ich die schweren Angriffe auf religiöse Feiern in Colombo. Den Angehörigen der Opfer und den Behörden Sri Lankas spreche ich mein tief empfundenes Mitgefühl aus.»

Nationalratspräsidentin Marina Carobbio und Ständeratspräsident Jean-René Fournier erfuhren «mit Trauer und Bestürzung» von den Anschlägen in Sri Lanka, wie die Parlamentsdienste via Twitter mitteilten. Carobbio und Fournier verurteilten Intoleranz und religiösen Hass.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel schrieb in einem Kondolenztelegramm: «Es ist schockierend, dass Menschen, die sich versammelt hatten, um gemeinsam das Osterfest zu begehen, ein bewusstes Ziel dieser hinterhältigen Angriffe waren.» Sie fügte hinzu: «Religiöser Hass und Intoleranz, die sich heute auf so schreckliche Weise manifestiert haben, dürfen nicht siegen.»

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf Twitter, es handle sich um «abscheuliche Taten». Der russische Präsident Wladimir Putin sprach von einem «grausamen und zynischen Verbrechen». Israels Staatspräsident Reuven Rivlin äusserte sich ähnlich. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan schrieb: «Das ist ein Angriff auf die gesamte Menschheit.»

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez twitterte: Der Tod «Dutzender Menschen, die Ostern feierten, bringt uns zum Weinen». Die britische Premierministerin Theresa May forderte: «Wir müssen zusammenhalten und sicherstellen, dass niemand seinen Glauben in Furcht praktizieren muss.»

Papst Franziskus gedachte in der Ostermesse der Opfer der Anschläge. Vor zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom sprach er von einem «dramatischen Ereignis» und sprach den Opfern seine «innige Nähe aus».

Reisehinweise aktualisiert

Das EDA aktualisierte nach der Anschlagserie seine Reisehinweise für Sri Lanka: Es bestünden «weiterhin latente politische Spannungen, und es muss im ganzen Land mit Demonstrationen und Ausschreitungen gerechnet werden. Informieren Sie sich vor und während der Reise in den Medien und bei Ihrer Reiseleitung über die Entwicklung der Lage. Vermeiden Sie politische Diskussionen, auch auf den sozialen Medien. Meiden Sie Kundgebungen jeder Art und befolgen Sie die Anweisungen der lokalen Behörden.»

Informationen zur Anschlagserie im Ticker zum Nachlesen:

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