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CVP will in Luzern auf Individual-Touristen setzen - statt auf Masse

Welchen Tourismus soll die Stadt Luzern in Zukunft haben? Darüber scheiden sich die Geister. Die städtische CVP möchte den Individualtourismus fördern. Um die richtigen Massnahmen hierfür entwickeln zu können, sollen wissenschaftliche Studien zum übermässigen Tourismus ausgewertet werden.
Lucien Rahm
Touristenmassen in der Löwengartenstrasse, in der Nähe des Luzerner Löwendenkmals. (Bild: Corinne Glanzmann (5. Juni 2018)

Touristenmassen in der Löwengartenstrasse, in der Nähe des Luzerner Löwendenkmals. (Bild: Corinne Glanzmann (5. Juni 2018)

Vermummte halten einen Bus voller Touristen an, durchstechen dessen Reifen und besprayen ihn mit einer touristenfeindlichen Parole. Mit dieser Aktion verschafften Aktivisten ihrem Ärger über den Massentourismus in Barcelona vergangenes Jahr Luft. Damit die Abneigung gegenüber Touristen in der Stadt Luzern nicht ein ähnliches Niveau erreicht, möchte die CVP nun Massnahmen diskutieren, die einer solchen Entwicklung entgegenwirken.

In ihrem «Positionspapier Tourismus» nennt sie hierzu diverse Ansätze, die für sie in Frage kommen könnten – unter anderem, um den Gruppentourismus allgemeinverträglich zu gestalten. Dieser werde «nicht überall gerne gesehen», heisst es im Papier. Der Schwanenplatz sei im Sommer in der Hand der Touristen. «Die Reisegruppen werden stark wahrgenommen von der Bevölkerung», sagt CVP-Grossstadtrat Albert Schwarzenbach auf Anfrage – und das eben nicht nur positiv, wie Reaktionen von Bürgern ihm zeigen würden. «Eine Einwohnerin hat mir berichtet, aufgrund der vielen Touristen nicht mehr an den Wochenmarkt zu gehen.» Auf solche kritische Stimmen wolle man proaktiv eingehen, «bevor die Stimmung kippt».

Sehen, was in Barcelona falsch lief

Man wolle die Touristengruppen, welche nur zu Kurzaufenthalten nach Luzern kommen, nicht aus der Stadt verbannen. «Aber man soll sie nicht weiter fördern.» Stattdessen soll auf Individual- oder Erlebnistouristen gesetzt werden. Um die richtigen Massnahmen hierfür entwickeln zu können, sollen wissenschaftliche Studien zum übermässigen Tourismus ausgewertet werden, fordert das Papier. Studien, die sich beispielsweise mit der Tourismusdestination Barcelona befassen. «Auch um zu sehen, was dort zur heute eher negativen Haltung gegenüber den Gruppentouristen geführt hat», sagt Schwarzenbach. In der spanischen Küstenstadt entschied man sich dazu, dem touristischen Andrang unter anderem mittels einer Reduktion der Hotelbetten Einhalt beizukommen. Das Positionspapier sieht in dieser Hinsicht keine Kontingente vor, doch soll das Wachstum im Auge behalten werden.

Nichts wissen von irgendwelchen Beschränkungen will die Stadtluzerner FDP: «Höchstzahlen sind komplett fantasielos», sagt deren Präsident Fabian Reinhard. Man müsse den negativen Auswirkungen des Tourismus mit anderen Lösungen begegnen. Dieser habe grundsätzlich einen «ganz zentralen Stellenwert» für die Stadt – auch der Gruppentourismus, der viel zur Wertschöpfung beitrage. Die Situation am Schwanenplatz sei nicht ideal gelöst. «Aber wer nur an den Schwanenplatz denkt, wird der Bedeutung des Tourismus nicht gerecht», so Reinhard.

Auch die SVP hält wenig von der Idee, die Gruppenreisen nicht weiter zu fördern. «Man sollte die Touristen nicht vergraulen», sagt der Stadtluzerner SVP-Präsident Dieter Haller. Klar sei ein grosses Personenaufkommen damit verbunden, doch dieses könne man in Kauf nehmen. «Ruhe findet man im Eigenthal.» Zustimmung erhält der Vorschlag von Links. SP-Grossstadtrat Daniel Furrer zeigt sich zwar erstaunt, dass er von der CVP kommt. Doch es sei «eine gute Idee, die finanziellen Ressourcen stattdessen zur Förderung der Aufenthaltsdauer zu verwenden.» Denn Gruppentouristen sind oft nur wenige Stunden in Luzern und übernachten andernorts. Korintha Bärtsch, Grünen-Fraktionschefin im Grossen Stadtrat, ist gar «hocherfreut» über das Papier der CVP. «Das ist fast eins zu eins, was wir in unserer Motion fordern.»

Wissen über Fremdkulturen soll gefördert werden

Einzig eine der vorgesehenen Massnahmen hält Bärtsch für unnötig. Gemäss der CVP sollen die Luzerner noch besser über die kulturellen Eigenheiten der fremdländischen Gäste informiert werden, in Zusammenarbeit mit der städtischen Fachstelle Integration. «Nicht die Kulturen der Touristen sind ein Problem, sondern ihre Masse», findet Bärtsch. Für einen «Witz» hält SVP-Präsident Dieter Haller diese Idee. Jeder habe heute die technischen Möglichkeiten, sich selbst über andere Kulturen zu informieren. Daher wäre die Massnahme «rausgeschmissenes Geld». Zustimmung erntet der Vorschlag indessen von der SP: «Das sollte man unbedingt fördern», sagt Grossstadtrat Daniel Furrer. Auch den Einbezug einer Stelle, die das nötige Knowhow hat, begrüsst er.

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