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Dürre zwingt Luzerner Bauern zu vorzeitigem Alpabzug

Alpliegenschaften, die wenig Regen und viel Sonne abbekommen, geht das Wasser aus. Fünf Luzerner Älpler wollen ihre Rinder deshalb früher als geplant ins Tal führen. Aber auch im Tal ist zu trocken. Und wenn die Älpler früher ins Tal ziehen, erhalten sie weniger finanzielle Unterstützung durch den Bund.
Simon Mathis
Auf der Chnubelalp bei Finsterwald im Entlebuch hat sich das Gras wegen der Trockenheit bereits verfärbt. (Bild: PD)

Auf der Chnubelalp bei Finsterwald im Entlebuch hat sich das Gras wegen der Trockenheit bereits verfärbt. (Bild: PD)

«Wenn es ein bisschen dunkler wird, schaue ich schon sehnsüchtig nach oben», sagt Landwirt Gregor Hofstetter. Die Hoffnung auf Regen teilen zurzeit viele. Für Hofstetter ist eine Änderung der Wetterlage besonders dringend. Denn auf der Chnubelalp im Entlebuch, die er bewirtschaftet, wird das Wasser knapp. Das Reservoir auf seiner Alpwirtschaft in der Nähe von Finsterwald gebe nur noch einen halben Liter Wasser pro Minute her.

«Jeden zweiten Tag müssen wir 1000 Liter Wasser zuführen», sagt Hofstetter. «Das ist ein riesiger Aufwand.» Transportiert werde das Wasser mit einem Traktor von einer benachbarten Alp. Dort führe die Quelle noch genug Wasser. «Eine derartige Trockenheit haben hier sicher noch nicht viele Älpler erlebt», sagt Hofstetter.

Hamsterkäufe und vermehrte Schlachtungen

Die Trockenheit lässt auch das Gras verdorren. «An vielen Orten verfärbt es sich rot», berichtet Hofstetter. Wenn es an eigenem Heu fehlt, müssen Landwirte andernorts Futter für den Winter zukaufen. Offenbar würden gewisse Bauern schon jetzt «Hamsterkäufe» tätigen. Das könne im Winter zu einer Futterknappheit führen. Geknickt ist Hofstetter trotz allem nicht: «Es ist zwar gerade eine stressige Zeit, aber irgendwie geht es immer.»

Auf der Chnubelalp übersommern 18 Milchkühe und 20 Jungrinder. «Sie haben die Hitze zwar auch nicht gern, aber grundsätzlich geht es ihnen gut», sagt Hofstetter. «Milch werden die Kühe etwas weniger geben, da sie länger laufen müssen, um zu trinken.» Die Dürre zwingt Hofstetter, früher ins Tal zu ziehen – sicher mit den Milchkühen. Ausserdem könne es sein, dass ein, zwei Kühe mehr geschlachtet werden als üblich.

Nicht nur Gregor Hofstetter muss umdisponieren. «Bis jetzt haben fünf betroffene Älpler mit uns Kontakt aufgenommen, die einen Teil der Tiere verfrüht von den Sömmerungsbetrieben nehmen werden», sagt Franz Stadelmann, Fachbereichsleiter Natürliche Ressourcen beim Kanton Luzern. Im Kanton Luzern gibt es 243 Alpen. Auf ihnen leben 13 700 Rinder, 1400 Schafe sowie einige Ziegen, Lamas und Pferde.

Höfen im Tal geht es auch nicht besser

«Seit Anfang August herrscht auf den Luzerner Alpen eine extreme Dürre», sagt Pius Schmid, der den Alpwirtschaftlichen Verein des Kantons Luzern präsidiert. Besonders betroffen seien sonnseitig gelegene Betriebe – und solche, bei denen es selten regnet. Trockenheit betreffe allerdings auch Höfe im Tal. «Dort unten sieht es teilweise wesentlich schlimmer aus, als etwa im Gebiet rund um Sörenberg», stellt Schmid fest.

Mit anderen Worten: Ein früher Alpabzug löst das langfristige Problem nicht. Denn Futter ist auch im Tal Mangelware. «Im Moment laufen die Tiere auf den Alpen nicht Gefahr, zu verhungern oder zu verdursten», so Schmid. «Allerdings wissen wir nicht, wie sich die Situation in den nächsten Wochen entwickelt.» Klar ist, was helfen würde: Dauerregen. «Dann kann sich vielleicht auch das Gras erholen», hofft Pius Schmid.

Die finanziellen Auswirkungen der Dürre liessen sich jetzt noch nicht abschätzen, so Schmid. Die so genannten Sömmerungsbeiträge seien weniger problematisch. Solange ein Älpler lange genug auf dem Betrieb ist, entrichtet der Bund die Beiträge wie gewohnt. Und selbst wenn er früher ins Tal zieht, kann er sich auf höhere Gewalt berufen. In einem solchen Fall verhindere die gesetzliche Verordnung allzu strenge Kürzungen. Einbussen könnte es bei den Taggeldern geben, die Tierbesitzer an die Älpler entrichten. Diese werden nämlich pro Tag ausgezahlt. Schmid: «Wenn ein Älpler früher abzieht, wird er deutlich weniger Einkünfte haben.»

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