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Ein Viertel mehr verurteilte Tierquäler im Kanton Luzern

2017 gab es schweizweit weniger Verfahren gegen Tierhalter. Ganz anders sieht es in Luzern aus: Die Behörden behandeln laufend mehr Fälle. Letztes Jahr wurden 131 Täter verurteilt – das sind 25 mehr als im Vorjahr. In keinem anderen Kanton ist diese Zahl so stark gestiegen.Tierschützer loben das Engagement im Kanton.
Simon Mathis
Hunde sind schweizweit die häufigsten Opfer von Vernachlässigungen und Quälereien. (Symbolbild: Getty)

Hunde sind schweizweit die häufigsten Opfer von Vernachlässigungen und Quälereien. (Symbolbild: Getty)

Die Zahl der verfolgten Tierschutzdelikte in der Schweiz ist nach Jahren der Zunahme erstmals wieder geschrumpft. Letztes Jahr hat es hierzulande insgesamt über 1400 Verurteilungen gegen Tierschutzgesetz gegeben, wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) mitteilt.

Tierschutzdelikte

Anzahl Verurteilungen in der Zentralschweiz
Kanton 2013 2014 2015 2016 2017
Luzern 73 61 100 106 131
Schwyz 16 29 24 41 32
Obwalden 13 16 9 15 21
Uri 9 9 12 8 15
Zug 14 8 11 16 11
Nidwalden 8 6 15 9 8
Schweiz 1314 1497 1716 2161 1436

Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang von knapp 30 Prozent. Grund ist eine Gesetzesänderung: Seit Anfang 2017 sind Personen nicht mehr dazu verpflichtet zu beweisen, dass sie dazu befähigt sind, einen Hund zu halten. Deshalb gibt es nun deutlich weniger Fälle, die Hunde betreffen.

Trotzdem: Der Hund ist nach wie vor das Tier, um das sich die meisten Tierschutzfälle drehen. Neben Hunden sind besonders Hauskatzen betroffen, aber auch Nutztiere wie Rinder werden oft Opfer von Quälereien.

Nur Bern und Zürich vor Luzern

Die Verurteilungen sind rückläufig – mit einer auffälligen Ausnahme: im Kanton Luzern. Letztes Jahr wurden 131 Täter verurteilt – das sind 25 mehr als im Vorjahr. In keinem anderen Kanton ist diese Zahl so stark gestiegen. Mehr Verurteilungen als in Luzern gab es nur in Bern (271) und Zürich (218). Wie die Luzerner Polizei auf Anfrage bestätigt, werden Tierschutzfälle immer zahlreicher. In den letzten fünf Jahren hat sich die Anzahl Fälle mehr als verdoppelt. 2013 waren es noch 73, letztes Jahr ging die Polizei 106 Fällen nach.

«Die Zahlen deuten darauf hin, dass sich die zuständigen Stellen intensiver mit Tierschutzverstössen auseinandersetzen, als in den Vorjahren», erklärt Bianca Körner, rechtswissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Stiftung für das Tier im Recht. «Das ist aus unserer Sicht erfreulich.» Martin Brügger, stellvertretender Luzerner Kantonstierarzt, ergänzt: «Die Sensibilisierung der Bevölkerung für das Tierwohl nimmt zu. Deshalb werden auch vermehrt Vergehen gemeldet oder bei der Polizei zur Anzeige gebracht.»

Tierschutz liegt auch im Interesse der Landwirte

In Luzern gebe es vergleichsweise viele Tiere, ergänzt Josef Blum, Präsident des Tierschutzvereins Luzern. «Tierschutzfälle wirken sich auf den Fleischkonsum negativ aus und so ist selbst die Branche an konsequenten Kontrollen interessiert», so Blum. Diese Kontrollen führt der Veterinärdienst durch. Auch die Meldungen von Dritten verfolge man zielstrebig. Blum geht von einer tiefen Dunkelziffer aus. Denn: «Bei den Nutztieren sind die Kontrollen relativ engmaschig und bei den Haustieren funktioniert die Kontrolle durch die Nachbarschaft recht gut.»

Häufig sei es so, dass Tierhalter schlicht überfordert sind und ihre Tiere entsprechend vernachlässigen. «Es ist deshalb wichtig, hinzuschauen», mahnt Blum. Er appelliert besonders an Landwirte, die tierschutzwidrige Umstände feststellen. Sie sollten sich lieber zu früh als zu spät melden. Erste Anlaufstelle für Meldungen ist der Veterinärdienst des Kantons. Er arbeitet eng mit der Luzerner Polizei zusammen, die dafür speziell ausgebildete Polizisten beim Veterinärdienst hat.

«Die zwei Spezialisten der Veterinärpolizei begleiten den Veterinärdienst etwa bei Kontrollgängen», sagt Kurt Graf, Chef der Polizei-Medienstelle. Darüber hinaus kontrollieren die beiden Veterinärpolizisten Tiertransporte, füllen Strafanzeigen aus und führen Ermittlungen im Bereich Tierschutz durch. Falls notwendig, beschlagnahmen die Veterinärpolizisten in Zusammenarbeit mit dem Veterinärdienst betroffene Tiere.

Rinder aus Ufhusen eingeschläfert

Bitter nötig war das Ende Dezember 2017, als das Veterinäramt bei einer unangemeldeten Kontrolle 31 Rinder aus einem Ufhuser Hof beschlagnahmt hat. Diese Konfiszierung habe laut Josef Blum vom Tierschutzverein gezeigt: «Der Veterinärdienst schreckt nicht davor zurück, durchzugreifen, wenn es notwendig ist.» Mittlerweile ist bekannt: Ein Grossteil der Tiere musste geschlachtet oder eingeschläfert werden, da sie unter massiven Gesundheitsproblemen litten (Artikel vom 20. Juli).

Mit Tierquälerei im engeren Sinne muss sich die Polizei allerdings nur selten befassen. Meistens handle es sich um Übertretungen, nicht um Vergehen, so Medienchef Kurt Graf. Und Übertretungsmöglichkeiten gibt es viele, da es viele Gesetze und Verordnungen gibt. «Um diese zu überblicken, haben wir eben die Spezialisten beim Veterinärdienst», sagt Graf.

Bianca Körner von der Stiftung für das Tier im Recht erklärt: «Über die Jahre hinweg konnten wir feststellen, dass der Vollzug des strafrechtlichen Tierschutzes generell in jenen Kantonen besser funktioniert, in denen speziell dafür geschaffene Strukturen vorhanden sind.» In Zürich und Bern habe die Polizei Spezialabteilungen.

Werte aus Obwalden müssen relativiert werden

Und was ist mit Kantonen, die eine besonders tiefe Anzahl von Strafverfahren aufweisen – zum Beispiel die Zentralschweizer Kantone? «Die Anzahl an gemeldeten Fällen muss differenziert betrachtet werden», sagt Körner. «Zum einen muss die Zahl der gemeldeten Strafverfahren im Verhältnis zur Bevölkerungszahl des Kantons betrachtet werden, zum anderen sind die Strafverfahren ins Verhältnis mit der Anzahl an gehaltenen Tieren im Kanton zu setzen.» Das relativiere vor allem die Werte aus Obwalden.

Und die misshandelten Tiere – was geschieht mit ihnen? «Die Polizei bringt etwa einmal pro Monat ein Tier ins Tierheim an der Ron», sagt Blum vom Tierschutzverein. «Häufig handelt es sich dabei um stark vernachlässigte Kreaturen.» Sie seien verängstigt, müssten eine schlechte Erfahrung überwinden und erst wieder das Vertrauen in die Pflegeperson gewinnen. Die gute Nachricht: «Im besten Fall kann so einem Tier nach wenigen Wochen wieder ein neues Zuhause vermittelt werden.»

Gerichtsfälle sind selten

Die meisten Übertretungen gegen das Tierschutzgesetz handelt im Kanton Luzern die Staatsanwaltschaft ab. Nur ein Bruchteil der Vergehen landet bei den Gerichten. Die Staatsanwaltschaft lieferte auf Anfrage keine konkreten Zahlen. Das Kantonsgericht und die Bezirksgerichte berieten 2015 bis 2017 insgesamt 14 Fälle. Beispiele aus dem Bezirksgericht Hochdorf zeigen, dass ganz unterschiedliche Tiere zu Opfern werden: Hunde, Zwergkaninchen, Vögel, Rennmäuse, Hamster, Kühe und Waschbären. Die Täter im Kanton Luzern waren vorwiegend männlich, nur Hochdorf vermeldet zwei Verfahren gegen Täterinnen. Die Angeklagten kamen meistens mit Bussen und Geldstrafen davon. (sma)

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