Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Gesucht an den Luzerner Schulen: Männliche Lehrer

Ein Blick auf das Stellenportal des Kantons zeigt: Es gibt an den Luzerner Schulen für das kommende Schuljahr noch mehrere Dutzend offene Stellen. Bei vielen handelt es sich um kleine Pensen. Adrian Weibel, ausgebildeter Primarlehrer, sagt dazu: «Es werden zwar noch viele Lehrer gesucht, doch die offenen Stellen haben viel zu geringe Pensen, um etwa für Familienväter attraktiv zu sein.»
Roseline Troxler
Männliche Lehrer sind in der Unterzahl. (Symbolbild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

Männliche Lehrer sind in der Unterzahl. (Symbolbild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein Blick auf das Stellenportal des Kantons zeigt: Es gibt an den Luzerner Schulen für das kommende Schuljahr noch mehrere Dutzend offene Stellen. Bei vielen handelt es sich um kleine Pensen, etwa für Fachlehrpersonen oder Integrative Förderung.

Die offenen Stellen sind auch Adrian Weibel bekannt. Er ist ausgebildeter Primarlehrer und Informatiker und hat während mehrerer Jahre in der Privatwirtschaft gearbeitet. Nun möchte er auf die Primarstufe zurückkehren. Doch so einfach sei dies nicht. «Es werden zwar noch viele Lehrer gesucht, doch die offenen Stellen haben viel zu geringe Pensen, um etwa für Familienväter attraktiv zu sein», führt er aus. Mit einem 50-Prozent-Pensum sei es nicht möglich, eine Familie zu ernähren und viele Männer würden lieber zu grösseren Pensen arbeiten. Weibel ortet hier den Grund dafür, dass sich nicht mehr Männer für den Lehrerberuf entscheiden. Der Lehrer sagt:

«Das unausgeglichene Geschlechterverhältnis ist ein hausgemachtes Problem, das vor allem auf der Primarstufe besteht.»

Weibel legt Wert auf die Feststellung, dass er nichts gegen weibliche Lehrpersonen habe, aber eine bessere Durchmischung der Geschlechter begrüsse, zumal Knaben auch männliche Klassenlehrer bräuchten. «Das Interesse der Männer, als Lehrer zu arbeiten, ist durchaus vorhanden, aber die Arbeitsbedingungen sind stark auf Frauen ausgerichtet worden. Mit jeder Frau, welche ihr Pensum reduziert, gibt es im Kanton mehr zersplitterte Stellen.»

«Tendenziell wird es eine weitere Zunahme geben»

Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung, sagt auf Anfrage: «Natürlich wäre ein höherer Lehreranteil in der Primarschule wünschenswert. Realistisch gesehen, ist dieser in den nächsten Jahren aber kaum erreichbar.» Der Frauenanteil hat sich auf der Primarstufe stetig erhöht und liegt bei gut 80 Prozent. Im Kindergarten waren letztes Schuljahr 99 Prozent der Lehrpersonen weiblich. Mit steigender Schulstufe nahm der Frauenanteil ab (Sekundarstufe: 60 Prozent). «Tendenziell wird es eine weitere Zunahme von Lehrerinnen geben. Denn es wurden mehr Lehrer pensioniert und bei den Diplomierten der Pädagogischen Hochschule ist die Zahl der Lehrerinnen auf der Stufe Primar weiterhin viel grösser als jene der männlichen Absolventen.»

In der Tat: Der Frauenanteil an der Pädagogischen Hochschule (PH) Luzern liegt seit Jahren bei rund 75 Prozent. Kathrin Krammer, Prorektorin Ausbildung, betont: «Der Anteil der Frauen an den Pädagogischen Hochschulen ist hoch. Für Qualität des Unterrichts und Lernerfolg ist aber nicht das Geschlecht der Lehrperson, sondern sind deren Kompetenzen ausschlaggebend.» Es gebe keine empirischen Belege dafür, dass ein höherer Frauenanteil Vor- oder Nachteile für Schülerinnen oder Schüler habe. Dennoch sagt sie:

«Es ist wünschenswert, dass die Teams der Lehrpersonen durchmischt sind.»

So stünden Kindern und Jugendlichen verschiedene Bezugspersonen und Identifikationsfiguren zur Verfügung. Die PH Luzern will unabhängig vom Geschlecht attraktiv sein, traf aber dennoch Massnahmen, um mehr Männer anzusprechen. Sie beteiligt sich am Nationalen Zukunftstag für Knaben. Diese können so einen Nachmittag als Lehrer in einer Schule erleben. Auch Studienangebote für Quereinsteiger und die Sekundarstufe 2 seien geschaffen worden. Dort liege der Männeranteil etwas höher.

Im letzten Schuljahr waren fast 50 Prozent der Anstellungsverhältnisse Kleinpensen (unter 50 Prozent), ein Fünftel Vollzeitstellen (mindestens 90 Prozent). Sind die ausgeschriebenen Pensen das Problem? «Ich sehe in diesem Punkt nicht wirklich einen Handlungsbedarf», sagt Vincent. Dass nur kleine Pensen ausgeschrieben seien, treffe möglicherweise auf die letzten Wochen zu. Von Ende Januar bis Juni hingegen seien auf allen Stufen zahlreiche Stellen für Klassenlehrpersonen mit grossen Pensen ausgeschrieben gewesen. «Das zeigt unsere monatliche Auswertung deutlich. Die Schulleitungen sind in der Regel froh, wenn sie die Klassenlehrerstellen in grossen Pensen besetzen können.» Am Schluss würden in der Regel noch kleinere Teilzeitstellen vergeben.

Die Klassenlehrerstellen waren laut dem Dienststellenleiter dieses Jahr bereits mehrheitlich vor Mitte Juni besetzt. Schwierigkeiten gebe es bei den Stellen für Heilpädagogik und Logopädie. «Beide Probleme sind aber in erster Linie mit der Ausbildung zu begründen und nicht kantonsspezifisch», führt Charles Vincent aus.

Möglichkeit für Teilzeit auch für Männer attraktiv

Zur Frage, ob der tiefe Männeranteil eine Folge des Pensenangebots sei, sagt Kathrin Krammer von der PH Luzern: «Der Anteil der Teilzeitanstellungen bei Absolvierenden von Pädagogischen Hochschulen ist höher als bei anderen Hochschulen. Gerade die Möglichkeit für Teilzeitarbeit macht den Lehrberuf für Personen attraktiv, welche Beruf und Familie vereinbaren wollen. Es ist zu hoffen, dass der Anteil der Männer zunimmt, denen dieser Aspekt ebenfalls wichtig ist.»

Auch die Politik beschäftigt der Frauenanteil in der Schule. Melanie Setz Isenegger (SP, Emmenbrücke) und die Grüne Kantonsrätin Noëlle Bucher (Luzern) haben jüngst eine entsprechende Anfrage eingereicht.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.