Kulturlegi Zentralschweiz: Kleine Karte mit grosser Wirkung feiert ein Jubiläum

Seit 10 Jahren gibt es in unserer Region die Kulturlegi. Sie macht Angebote von Kultur, Bildung oder Sport für Leute an der Armutsgrenze erschwinglich.

Roseline Troxler
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Ein beliebtes Angebot in der Zentralschweiz: die Kulturlegi der Caritas. (Symbolbild: PD)

Ein beliebtes Angebot in der Zentralschweiz: die Kulturlegi der Caritas. (Symbolbild: PD)

«Die rote Karte motiviert mich aus meinem Zimmer zu gehen und eine kulturelle Veranstaltung zu besuchen», schreibt Sandra in einem Brief an das Team der Kulturlegi Zentralschweiz. «Die Kulturlegi ist eine echte Bereicherung für unsere Familie und bringt viel Lebensqualität in unseren Alltag», meint eine alleinerziehende Mutter mit vier Kindern. Und zwei Jugendliche, welche ein Sportcamp besuchten, schreiben: «Danke, Kulturlegi, für das tolle Lager, wir hatten viel Spass.»

Entstanden ist die Kulturlegi der Caritas im Kanton Zürich, in den sechs Zentralschweiz Kantonen gibt es sie seit zehn Jahren. Sie ermöglicht etwa Rabatte für Museen und Konzerte, für ausgewählte Restaurants oder verschiedene Kurse. Die Kulturlegi ist eine Ausweiskarte für Personen mit knappem Budget. Schweizweit lassen sich mit der Karte zirka 2500 Angebote vergünstigt nutzen. In der Zentralschweiz gibt es derzeit rund 380 Angebote.

6628 Luzerner nutzen die Karte

Die vielen Rückmeldungen motivieren Ursula Meyer, Leiterin Kulturlegi Zentralschweiz: «Wir erhalten sehr oft positives Feedback. Es ist schön, dass die Angebote genutzt werden und die Nutzenden etwas Gutes erleben können, ohne ihr Budget stark zu belasten.»

In der Zentralschweiz besitzen rund 8024 Personen die Kulturlegi – die Mehrheit der Nutzer lebt mit 6628 Personen im Kanton Luzern. «Die Zahl ist in den letzten Jahren gestiegen», sagt Meyer. Im Kanton Uri ist die Legi noch wenig verbreitet und auch in anderen Zentralschweizer Kantonen sieht Ursula Meyer noch Potenzial.

Vor allem Junge nutzen die Kulturlegi

Die Kulturlegi ermöglicht Personen, welche an der Armutsgrenze leben, Angebote vergünstigt zu nutzen. Berechtigt sind Kinder und Erwachsene, welche nachweislich am oder unter dem Existenzminimum leben. Dies sind Personen, welche Sozialhilfe, Stipendien oder Ergänzungsleistungen erhalten oder Personen ohne Unterstützungsleistungen, deren Einkommen nachweislich am Existenzminimum liegt. Die rote Ausweiskarte ist kostenlos. Die Anspruchsberechtigung wird jährlich überprüft.

Laut Ursula Meyer wächst die Zahl älterer Nutzer, ist aber dennoch tiefer als die der jüngeren Generationen: «Ältere Menschen kennen das Angebot noch zu wenig oder das Vorweisen der Ausweiskarte kann mit Scham verbunden sein.» Die Kulturlegi setzt deshalb dieses Jahr den Fokus auf die Zielgruppe der über 55-Jährigen, um diese noch stärker anzusprechen. Im Jahr zuvor lag der Schwerpunkt bei Alleinerziehenden und Mehrkinderfamilien. «Gleichgeblieben ist für die Caritas in den letzten Jahren das Ziel, die Teilhabe in der Gesellschaft zu fördern», so Meyer.

Angebotsbreite hat sich vergrössert

Erweitert hat sich in den letzten Jahren nicht nur der Kreis der Nutzer, auch bei den Angeboten hat sich vieles getan. «Begonnen hat es mit Angeboten aus den Bereichen Kultur, Sport und Bildung, inzwischen gibt es auch Vergünstigungen für Gastronomiebetriebe. Zudem berechtigt die Karte zum Einkauf in den Caritas-Märkten», sagt Ursula Meyer.

Die Caritas Luzern kommt in der Zentralschweiz für die Administration auf, sprich die Koordination der Angebote und das Prüfen der Gesuche für eine Kulturlegi. Die Vergünstigungen finanzieren hingegen die Institutionen, welche die Angebote zur Verfügung stellen. «Viele Angebotspartner kommen von sich aus auf uns zu», erzählt Ursula Meyer. Rund die Hälfte der Angebote akquiriert sie allerdings selber. «Es ist schön, dass unsere Partner sich sozial engagieren und die Nutzung ihrer Angebote auch finanziell Benachteiligten ermöglichen möchten.»

Die Kulturlegi wird von den Zentralschweizer Kantonen Luzern, Nid- und Obwalden, Schwyz und Zug finanziell unterstützt. Auch die Städte Luzern und Zug sowie einige Gemeinden beteiligen sich. Hinzu kommen Gelder aus Stiftungen und weitere Spenden. Das Jahresbudget für die Kulturlegi Zentralschweiz liegt bei zwischen 160 000 und 180 000 Franken.

Ziel: Angebote im Bereich Mobilität

Auch im Jubiläumsjahr bleibt die Kulturlegi nicht stehen. Gemeinsam mit den anderen regionalen Caritas-Organisationen ist Meyer daran, die Bekanntheit der Kulturlegi noch zu steigern und die Angebote zu erweitern. Priorität hat der Bereich Mobilität. «Er ist teuer und wir erhalten von Nutzern der Kulturlegi immer wieder Anfragen hierzu.» Denn oft könnten Menschen an der Armutsgrenze zwar kulturelle Angebote günstig nutzen, aber den Weg dorthin kaum bezahlen.

Hinweis: Am 12. Juni findet im Maihof Luzern die öffentliche Vereinsversammlung der Caritas mit einem Podium zur Kulturlegi statt. Weitere Infos: www.caritas-luzern.ch und www.kulturlegi.ch/zentralschweiz.