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Seerose ist passé: Nun soll ein schwimmender Pavillon die Kulturszene beflügeln

Die Gästival-Seerose soll nicht verschrottet werden: Eine Stiftung versucht, die schwimmende Bühne zu retten. Dank einem Umbau soll sie zu einem neuen Zentralschweizer Kultur-Zentrum werden.
Lena Berger
Die schwimmende Bühne (rechts im Bild) soll sich deutlich besser ins Landschaftsbild am Vierwaldstättersee einfügen. (Bild: Visualisierung: Marques Architekten)

Die schwimmende Bühne (rechts im Bild) soll sich deutlich besser ins Landschaftsbild am Vierwaldstättersee einfügen. (Bild: Visualisierung: Marques Architekten)

Elke Hesse ist eine Frau mit einer Vision. Sie will in der Zentralschweiz einen ­kulturellen Begegnungsort schaffen, der weltweit einzigartig ist. Entstehen soll er wie der sprichwörtliche Phönix aus der Asche – nämlich aus der Seerose, die ­derzeit in Flüelen vor sich hinrostet.

Die schwimmende Plattform ist für das Gästival, die Festlichkeiten zur Feier von 200 Jahren Gastfreundschaft in der Zentralschweiz, gebaut worden. In der Zwischenzeit aber ist sie zum Politikum mutiert, weil bislang kein Kanton am Vierwaldstättersee dem pinken Stahlkoloss einen Standplatz bewilligen wollte.

Die Seerose hat eine neue Besitzerin

Jetzt aber kommt frischer Wind in die Sache. Wenn Hesse über ihre Pläne spricht, ist die Begeisterung fast mit den Händen greifbar. Als Stiftungsrätin des Musikpädagogischen Forschungs-Zentrums der Wiener Sängerknaben (MpF) steht die Wienerin jener Organisation vor, die seit Januar die Seerose besitzt. «Wir haben uns das Ziel gesetzt, die Idee einer schwimmenden kulturellen Plattform zu retten. Die Seerose wird beerdigt und zurückgebaut – damit etwas ganz Neues entstehen kann.» Man habe erkannt, dass die Seerose mit ihren aufklappbaren Blättern aus Stahl überdimensioniert sei. Das habe von Seiten des Landschaftschutzes Kritik provoziert. «Unter dieses Kapitel wollen wir nun einen Schlussstrich ziehen», kündigt die 54-Jährige an.

Konkret ist geplant, die Seerose bis auf den Schwimmkörper zurückzu­bauen. Neu soll ein Pavillon entstehen, der sich in die Landschaft einfügt. Mit dieser Aufgabe betraut ist der Luzerner Architekt Daniele Marques und sein Team. «Die Seerose ist in ihrer heutigen Form schwerfällig. Wir sind aber überzeugt, dass die Idee ein riesiges Potenzial hat – architektonisch und kulturell», sagt Marques. Von der Aufmachung her erinnert sein Entwurf an die Dampfschiffe, die auf dem Vierwaldstättersee unterwegs sind. Die feingliedrige Form orientiert sich aber auch an Pavillons, die man seit dem 19. Jahrhundert – als auch die Grand­hotels am Seeufer entstanden – in Parkanlagen findet. «So fügt er sich nicht nur in die Landschaft, sondern auch in die Historie des Vierwaldstättersees ein.» Und dies im Einklang mit der Ökologie. Letzteres soll durch ein Gutachten sichergestellt werden, das derzeit erstellt wird.

Entstehen soll ein zylinderförmiger Bau mit drei Ebenen. In der untersten werden Garderoben, Toiletten und eine Küche untergebracht. Auf der zweiten Ebene befindet sich der Einstieg, über den man in den Restaurantbereich gelangt. Die Tische sind an einer verglasten Aussenwand platziert, durch welche man aufs Wasser und die Landschaft sehen kann. Darum herum befindet sich ein Terrassenbereich, durch den man über eine Treppe in die oberste Ebene gelangt. Dort entsteht eine runde Arena mit Dach, von der aus die Zuschauer auf den Bühnenbereich hinunter sehen. Dieser ist nach oben hin offen. Der Pavillon kann ganzjährig genutzt werden.

Vom Volumen her ist der Pavillon massiv kleiner als die Seerose. Während Letztere rund 12 Meter aus dem Wasser ragte, wird der Neubau lediglich 4,5 Meter über der Wasserlinie liegen. Trotzdem eröffnet diese Gestaltung eine Vielzahl von zusätzlichen Nutzungsmöglichkeiten. Das Konzept sieht denn auch vor, dass nicht nur Konzerte und Theater stattfinden sollen. «Neben des kulturellen Angebots, das durch einen Intendant oder eine Intendantin sichergestellt werden soll, wollen wir auch kulinarischen Events Raum bieten – vielleicht mit einem Essen unter Sternen», sagt Elke Hesse. Denkbar ist auch ein Weihnachtsmarkt oder ein Frühlingsmarkt, an dem lokale Produzenten ihre Spezialitäten präsentieren. «Wir glauben, das hat touristisches Potenzial.» Der Pavillon könnte zudem als Ergänzungsspielstätte für etablierte Events wie Freilichttheater oder das Lucerne Festival genutzt werden. «Wir hoffen, dass der Pavillon zu einem Magnet für neue Ideen aus dem Kulturbereich wird, der eine Impulswirkung auf das kulturelle Schaffen in der Zentralschweiz haben wird.» Ziel ist es, einen aktiven Kulturbetrieb an mindestens drei Standorten – in der Reihenfolge Beckenried (NW), Flüelen (UR) und Vitznau (LU) – zu ermöglichen, und so Zentralschweizer Kunst und Kulturschaffenden eine Bühne zu bieten. Um den Betrieb professionell sicherstellen zu können, soll eine neue Aktiengesellschaft gegründet werden. Diese wird – so der Plan – durch einen Beirat unterstützt, in welchem Vertreter von Gemeinden, Kantonen und der Kulturszene Einsitz nehmen.

Alles steht und fällt mit der Bewilligung

Vorerst gilt es allerdings, die Bewilligungen zu bekommen. Die Stiftung hat letzte Woche an den Kanton Nidwalden ein Gesuch um eine temporäre Standplatzbewilligung in Beckenried gestellt. Die Seerose soll dort für die Dauer von maximal zehn Monaten bei der Wabag Kies AG vor Anker gehen und umgebaut werden. «Wir hoffen, dass die Behörden eine sinnvolle Weiternutzung der Seerose ermöglichen», so Elke Hesse. Sie sagt dies auch im Hinblick darauf, dass eine nachhaltige Nutzung ursprünglich auch von den Kantonen gefordert worden war. «Wird die Seerose verschrottet, wird eine Investition vernichtet, die mit öffentlichen Beiträgen von rund zwei Millionen Franken mitfinanziert worden ist. Können wir das Projekt hingegen umsetzen, entsteht eine neue kulturelle Plattform, die den Steuerzahler nichts kosten wird.»

Die MpF-Stiftung wird vom österreichischen Investor und Musikliebhaber Peter Pühringer finanziert, der schon in den Bau der Seerose einen namhaften Betrag investiert hat. Nach dem Gästival ging sie in den Besitz des Vereins MuTh (Musik und Theater) über, welcher der Seerose neues Leben einhauchen sollte. «Es zeigte sich jedoch, dass dieser nicht in der Lage war, rechtzeitig Konzepte zu entwickeln und die nötigen Bewilligungen einzuholen. Deshalb hat die Pühringer Gruppe den Verein von allen Aufgaben entbunden und die Verantwortung für die Seerose selber in die Hand genommen», erklärt Hesse. Wie viel der Umbau kosten wird, ist noch nicht bekannt. Klar ist aber, dass die Stiftung nach eigenen Angaben ein Eigenkapital von mehr als 24 Millionen Franken hat. «Sie verfügt also über die finanziellen Mittel für den Umbau und auch den späteren kulturellen Betrieb», sagt Hesse. Sie selber verfügt zudem über die nötige Führungserfahrung. Unter ihrer Leitung ist 2013 das jüngste Musikhaus Wiens, der Konzertsaal der Wiener Sängerknaben im Augarten, gebaut worden.

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