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Wegen Zeitdruck? Pflegefachfrau im Staffelnhof spritzt dem falschen Mann Insulin

Im Zentrum Staffelnhof in Littau wurde einem Bewohner letzte Woche versehentlich Insulin gespritzt. Der Betroffene musste ins Spital eingeliefert werden. Verbesserungspotenzial.
Thomas Heer
Das Betagtenzentrum Staffelnhof. Fotografiert 08. Juni 2018 in Luzern. Boris Bürgisser / freier FotografAltersheim

Das Betagtenzentrum Staffelnhof. Fotografiert 08. Juni 2018 in Luzern.

Boris Bürgisser / freier Fotograf
Altersheim

Zum Vorfall im Betagtenzentrum Staffelnhof, der zu gravierenden gesundheitlichen Folgen hätte führen können, nimmt Beat Demarmels, Geschäftsführer der Viva Luzern AG, Stellung. Der Staffelnhof gehört, wie etwa auch das Alters- und Pflegeheim Eichhof, zur Viva Luzern AG. Demarmels bestätigt in einer schriftlichen Erklärung Folgendes: In der letzten Woche an einem Morgen um zirka 7.46 Uhr habe eine temporär angestellte Pflegefachfrau einen Bewohner verwechselt. In der Folge habe die Angestellte dem Mann versehentlich ein langsam wirkendes synthetisches Insulin gespritzt. Die Mitarbeiterin, so Demarmels weiter, habe die Verwechslung selber bemerkt und vorschriftsgemäss sofort die Vorgesetzten informiert. Zeitnah seien Angehörige über den Vorfall in Kenntnis gesetzt worden.

Der Betroffene wurde zur vorsorglichen Überwachung ins Spital eingewiesen. Er sei gleichentags, so Demarmels, um zirka 15.30 Uhr wieder in den Staffelnhof zurückgekehrt. Die befristet angestellte Mitarbeiterin habe sich laut Viva-Geschäftsführer einen Tag später nochmals gemeldet, sich entschuldigt und ihre Kündigung eingereicht. Der Arbeitsvertrag wurde am selben Tag aufgelöst.

Geschäftsleitung ist «sehr bestürzt»

Vorgestern dann verschickten ­Demarmels und Staffelnhof-Betriebsleiter Ueli Wenger einen Brief an die Angehörigen der Bewohnerinnen und Bewohner des Zentrums. Bezug nehmend auf die laufenden Recherchen und den Bericht der «Zentralschweiz am Sonntag» vor einer Woche, heisst es darin: «Dieser Artikel und die andauernde Medienpräsenz, insbesondere die damit verbundenen Umstände für unsere Mitarbeitenden und unsere Bewohnerinnen und Bewohner sowie ihre Angehörigen, bestürzt die Geschäftsleitung sehr.» Die Herausforderungen in mehreren Bereichen seien bekannt. «Wir sind deshalb sehr bemüht, eine offene Fehlerkultur zu leben und wo nötig Entlastung zu schaffen.»

Angetönt wird damit ein Artikel unserer Zeitung, der die Viva Luzern AG bereits vor sieben Tagen thematisierte. Der Titel lautete «Für das Duschen blieb keine Zeit mehr». Zitiert wurde darin aus einem internen Papier, in welchem unter anderen die damalige Leiterin Pflege vor den Auswirkungen des kurzzeitigen Personalstopps warnte. Rund einen Tag vor der Publikation des Artikels hatte Viva Luzern ein Schreiben an Mitglieder des Grossen Stadtrates geschickt. Die Viva-Verantwortliche für Kommunikation und Marketing übte sich in Schadensbegrenzung und schrieb: «Im Auftrag von Beat Demarmels informiere ich Sie, dass am Sonntag ein sehr unschöner Artikel über den Eichhof geplant ist. Es werden Halbwahrheiten in wirre Zusammenhänge gestellt. Wir unternehmen alles, um den Schaden möglichst einzugrenzen.» Damit bezog sie sich wohlgemerkt auf einen Artikel, den ihr Vorgesetzter vor der Veröffentlichung gegengelesen hatte. Beat Demarmels hat sich zwischenzeitlich beim Journalisten entschuldigt, dass er die Mitteilung an die Politiker vor dem Versand nicht selber noch gelesen habe.

Im Artikel vom 5. August, der die knappen personellen Ressourcen und deren Auswirkungen auf die Bewohner und die Angestellten im Eichhof thematisierte, sagte Beat Demarmels: «Die Versorgung im Eichhof ist gesichert. Die Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner war nie gefährdet.» Nun aber zeigte sich, zwar nicht im Eichhof, sondern in einem anderen Viva-Betrieb, dass die Gesundheit der Betreuten nicht immer gesichert ist. Eine Mitarbeiterin des Staffelnhofs sagt zum Insulin-Vorfall: «Dieses Ereignis führe ich auf den Stress zurück, der bei uns aufgrund von teils zu wenig Personal auftreten kann.» Die Staffelnhof-Angestellte bestätigt zudem, was auch aus Eichhof-Mitarbeiterkreisen zu vernehmen ist: Je nach Personalsituation sei es mitunter nicht möglich, die Patienten so zu versorgen, wie es sich eigentlich gehört. Die Staffelnhof-Angestellte kommt auch auf Themen zu sprechen, die im Beitrag vom letzten Sonntag aufgeführt waren: Für ausreichende Körperpflege wie beispielsweise das Duschen oder die Nagelpflege bleibe zuweilen keine Zeit. Dies dementiert Beat Demarmels, und er teilt mit: «Die Pflegequalität ist gut und entspricht den Vorgaben.»

Gewerkschaft stellt spürbare Unzufriedenheit fest

Urban Sager, Präsident der Gewerkschaft VPOD Sektion Luzern und damit Viva-Sozialpartner, stellt fest: «Die Unzufriedenheit der Angestellten ist spürbar.» In einem Leserbrief, der am Donnerstag in der «Luzerner Zeitung» abgedruckt wurde, schrieb Sager: «Im Betagtenheim Eichhof haben sich die Arbeitsbedingungen für das Personal und die Zustände für die Bewohnerinnen und Bewohner seit der Auslagerung deutlich verschlechtert.» Zur Erinnerung: Seit 2015 hat die Stadt Luzern den Alters- und Pflegebereich in die gemeinnützige Aktiengesellschaft Viva Luzern ausgelagert.

Im eingangs erwähnten Brief an die Staffelnhof-Bewohnerinnen bestreitet Beat Demarmels auch dies. «In Bezug auf den Personalschlüssel wurde seit der Umwandlung in die Aktiengesellschaft nichts geändert.» Das System des sogenannt «dynamischen Stellenplans» sei nach wie vor dasselbe. Punktuelle Engpässe seien bekannt, weshalb alles unternommen werde, Personal zu rekrutieren. «Dies gestaltet sich aufgrund des ausgetrockneten Stellenmarktes als schwierig.» Zur temporären Überbrückung und zur Abdeckung von Spitzen gebe es neu eine Kooperation mit dem Pflegepool Lunis des Luzerner Kantonsspitals.

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