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Zürcher Experte: «Luzern kann stolz sein auf den Südpol»

Der Rücktritt des gesamten Südpol-Vorstands sorgt schweizweit für Aufsehen. Stadt und Kanton Luzern sollten sich klar zu diesem Produktionszentrum für Kultur bekennen, fordert der Geschäftsführer des Zürcher Kulturbetriebs Gessnerallee.
Hugo Bischof
Ein mit dem Südpol vergleichbarer Kulturbetrieb: Die Gessnerallee in Zürich. (Bild: Wikipedia.org/Roland zh)

Ein mit dem Südpol vergleichbarer Kulturbetrieb: Die Gessnerallee in Zürich. (Bild: Wikipedia.org/Roland zh)

Mitte Juni kam es zum Eklat: Der gesamte Vorstand des Vereins Südpol Luzern gab seinen Rücktritt per 5. Juli bekannt. Luzerns Stadtrat ist «besorgt»; er vermisst eine klare Ausrichtung des Südpols als «Kulturzentrum mit lokaler und regionaler Ausstrahlung» (Ausgabe vom 29. Juni).

Die Vorgänge im Südpol sorgen schweizweit für Aufsehen. «Der desolate Zustand, der durch den Rücktritt des Südpol-Vorstands verursacht wurde, bedeutet einen grossen Image-Schaden für den Betrieb, seine Mitarbeiter und die Künstler», sagt Roger Merguin, künstlerischer Leiter und Geschäftsführer der Gessnerallee Zürich. «Hier muss möglichst schnell die Kommunikationsform geändert werden, um die mehrjährige Aufbauarbeit zu schützen.»

Rücktritt des Vorstands «nicht nachvollziehbar»

«Diese Aufgabe liegt ganz klar bei der Luzerner Kulturpolitik», betont Merguin. «Stadt und Kanton Luzern müssen sich für den Südpol einsetzen, denn Luzern kann stolz sein, dass es einen Ort wie den Südpol gibt, und sollte dringend an dessen Potenzial glauben.» Ende April hatte der künstlerische Leiter des Südpols, Patrick Müller, nach sechsjährigem Wirken seinen Rücktritt per September dieses Jahres bekanntgegeben. Der Vorstand erkannte damals ausdrücklich seine Verdienste an. «Dass der Vorstand des Südpols nach Patrick Müllers Kündigung zurücktritt und sein Misstrauen gegenüber der Geschäftsleitung erst nach sechs Jahren formuliert, ist für mich nicht nachvollziehbar», sagt Roger Merguin. «Diskussionen über strategische Ziele finden statt, aber immer im Interesse des Hauses und um dieses zu unterstützen.»

Merguin ist voll des Lobes für den Südpol: «Dieser ist für uns immer ein wichtiger Partner für Koproduktionen zum einen mit Zürcher, zum anderen mit Luzerner Kunstschaffenden gewesen. Wir nehmen ihn als einen Ort mit Strahlkraft wahr und zudem als einen Ort, der im Rahmen seiner finanziellen wie infrastrukturellen Möglichkeiten ebenso flexibel auf die Bedürfnisse freischaffender Künstler eingeht wie wir.»

«Rückendeckung fehlt»

Dass der Südpol Mühe hat, genügend Publikum zu finden, ist aber auch Merguin nicht entgangen. Das könne mit der örtlichen Situation zu tun haben, meint er: «Die Gessnerallee ist durch ihre zentrale Lage in der Stadt und die Nähe zur Zürcher Hochschule der Künste an der Gessnerallee 11 in einer wesentlich zugänglicheren und damit privilegierteren Position als der Südpol.» In Zürich habe sich zudem in den letzten Jahrzehnten an Orten wie dem Fabriktheater, der Winkelwiese, dem Tanzhaus und weiteren Orten «eine lebhafte und gut vernetze freie Szene entwickelt», sagt Merguin.

Er verweist auch auf Lockerungen in den Förderkriterien im Tanz und im Theater in den letzten Jahren. Diese ermöglichten es internationalen Künstlern, ihre Arbeiten in Zürich zu produzieren: «Das kommt lokalen Kunstschaffenden durch die Einbindung in diese Projekte zugute.» Wichtig seien die «im Vergleich zu anderen Städten der Deutschschweiz hohen Förderbeiträge für freie Tanz- und Theaterschaffende». Damit könne die Gessnerallee «vergleichsweise sehr gute Arbeitsbedingungen bieten».

Die Produktionsbedingungen für die freie Szene in Luzern hingegen seien «herausfordernd», bestätigt Patrick Müller. «Es fehlt eine breite Rückendeckung für die freie Szene, die Mittel sind sehr knapp und die Räume begrenzt.» Müller kann die Kritik an der Ausrichtung des Südpols seitens Stadtrat nicht verstehen: «Wir erfüllen alle Vorgaben der Leistungsvereinbarung mit der Stadt Luzern und liegen sogar über den Kennzahlen. Die Förderung der lokalen und regionalen Kunstszene ist uns sehr wichtig.» Ein Problem des Südpols liege in dessen Entstehungsgeschichte begründet: «Anfänglich wollte niemand dieses Haus, es wirkte für viele wie ein in die Landschaft gepflanzter Fremdkörper.» Was daraus in der Zwischenzeit geworden sei, nämlich ein professionelles Produktionszentrum für Kultur, werde zu wenig wahrgenommen.

Verein wählt einen neuen Vorstand

Bis Ende Jahr muss der Subventionsvertrag inklusive Leistungsvereinbarung mit der Stadt Luzern neu verhandelt werden. «Der Zeitpunkt für den Rücktritt des Vorstands ist deshalb denkbar schlecht gewählt», sagt Urs Bugmann, Präsident der Interessengemeinschaft (IG) Kultur Luzern. Am Donnerstagabend will sich der Verein Südpol Luzern an einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand geben. Bugmann warnt: «Was nicht passieren darf, ist, dass sich wie vor einem Jahr beim Neubad ein neuer Vorstand aus dem Betrieb des Südpols formiert.» Es dürfe keine Vermischung geben: «Der Vorstand ist eine strategische Instanz zur Überwachung des Betriebs.»

Zahlen-Vergleich der Kulturhäuser

Der Südpol Luzern und die Gessnerallee Zürich sind zwei Kulturzentren mit vergleichbarer Ausrichtung. Hier einige ausgewählte Zahlen aus dem Geschäftsbericht 2017 Südpols und der Jahresrechnung 2016/17 Gessnerallee:
Südpol (eröffnet 2008): Jahresaufwand 2,21 Millionen Franken. Jährliche Subvention Stadt Luzern 1 Million Franken (plus 67 550 Franken Regionalkonferenz Kultur RKK). 67 450 Franken Sponsoring und Mitgliederbeiträge. Erträge Kulturbetrieb (103 895 Franken), Gastrobetrieb (792 447 Franken), Vermietungen (217 386 Franken). Direkter Aufwand Kulturbetrieb 437 677 Franken. Personalaufwand 1,2 Millionen Franken.
Gessnerallee (eröffnet 1989): Jahresumsatz 4,45 Millionen Franken. Jährliche Subvention Stadt Zürich 2,31 Millionen Franken (plus 150 000 Franken Kanton). 80 000 Franken Sponsoring, 404 000 Franken Mieteinnahmen (Werkstatt, Restaurant, Reithalle), 408 000 Franken Ticketeinnahmen. Programmaufwand (Künstlerhonorare, Technik, Werbung, usw.) 1,58 Millionen Franken. Personalaufwand 2,06 Millionen Franken. (hb)

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