Luzerner Chilbi-Fans müssen mit diesen zwei Mini-Anlässen über die Runden kommen

Wegen Corona sind fast alle Chilbis im Kanton abgesagt: Ausnahmen gibt es ab Samstag beim «Schweizerhof» in Luzern und vom 16. bis 18. Oktober in Kriens.

Roman Hodel
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Flinke Hände bauen hinter dem Hotel Schweizerhof derzeit die grosse, fünfspurige Rutschbahn namens Niagara...

Bild: Pius Amrein (Luzern, 29. September 2020)

...und zwei Karussells auf. Die drei Bahnen werden zusammen mit einigen Foodständen ab nächstem Samstag die «Schweizerhof»-Chilbi bilden. Die kleine Alternative zur abgesagten Määs dauert bis am 18. Oktober (wir berichteten). «Finanziell ist dies ein Tropfen auf den heissen Stein, aber wir haben endlich wieder etwas zu tun», sagt Mitorganisatorin und Schaustellerin Lisa Zanolla.

Noch lieber hätte sie eine kleine Chilbi auf dem Europaplatz durchgeführt, doch ihr Konzept fand beim Stadtrat wegen der engen Platzverhältnisse kein Gehör (wir berichteten). Dieser zeigt sich zwar offen für einen Lunapark auf der Allmend – analog zur Luga – doch bislang sind keine Gesuche eingegangen. Das wundert Zanolla nicht:

«Mein Mann organisiert den Luga-Lunapark – der Aufwand und die Kosten fürs Herrichten des Platzes sind enorm.»

So müsse man Strom und Wasser herziehen, Toiletten installieren und zudem extrem Werbung machen. «Im Herbst sind sich die Leute eine Chilbi in der Stadt gewöhnt», sagt sie. Mit anderen Worten: Es würde sich kaum lohnen.

Ähnlich argumentiert Josef Moser. Er ist als Fachvertreter Schausteller Mitglied der Interessengemeinschaft Luzerner Herbstmesse und Märkte und sagt: «Die Schausteller hätten auf der Allmend viele Kosten und wenig Umsatz, schon während der Luga läuft es ja nicht mehr wie früher.» Ganz anders das Inseli und der Europaplatz. «Diese innerstädtische Lage gilt schweizweit als eine der besten», so Moser und ergänzt:

«Darum war unsere Meinung von Anfang klar – entweder ein richtiger Määs-Lunapark oder nichts.»

Letzteres gilt für fast alle Gemeinden im Kanton Luzern. Chilbi 2020? Abgesagt! Eine Ausnahme ist die Stadt Kriens. Sie führt ihre Chilbi vom 16. bis 18. Oktober durch – in einer Mini-Version (wir berichteten). Auf dem Stadtplatz werden in einem mittels Zutrittskontrolle abgeschlossenen Sektor mit Platz für 500 Personen ein Autoscooter, die «Twister»-Bahn – hier eine Aufnahme von der letztjährigen Krienser Chilbi:

Bild: Boris Bürgisser (Kriens, 18. Oktober 2019)

– zudem ein Karussell, eine Confiserie sowie drei Schiess-/Spielbuden aufgebaut. Die Fahrgeschäfte steuert Zanolla bei. «Im Gegensatz zum Luzerner Stadtrat zeigt der Krienser Stadtrat Mut», so Lisa Zanolla.

Von «Mut» spricht auch Stadtrat Roger Erni (FDP) – obwohl er findet:

«Gerade in Luzern sind die Coronazahlen tief. Warum sind wir die Einzigen, die sich getrauen?»

Die Zutrittskontrolle zur Chilbi werde gleich funktionieren wie jene zu den Becken in der Krienser Badi: Praktikanten zählen die Besucher mittels eines Kärtlisystems. «Zudem wird der Warteraum aus Platzgründen bis in den Bellpark reichen und auf dem Areal gilt Maskenpflicht.» Laut Erni habe man primär Familien im Visier. «Diese werden auch die nötige Geduld aufbringen, sollten sie länger anstehen müssen.» Denn weil es sich um die einzige Chilbi weit und breit handelt, rechnet er mit mehr Besuchern aus der Region als üblich.

Ebenfalls anders als üblich: Es wird keinen Festbetrieb geben. «Wir hatten zwar eine Festwirtschaft im Pilatussaal geprüft, schliesslich sind ab 1. Oktober Anlässe mit über 1000 Personen wieder erlaubt», so Erni. «Doch wir haben uns aus Gründen der Vernunft und der Situation dagegen entschieden.» Wer etwas trinken oder essen wolle, könne in die umliegenden Beizen ausweichen.

Wädenswil macht gute Erfahrungen mit Mini-Chilbi

Als Vorbild für Kriens dient die Chilbi in Wädenswil. Am Zürichsee fand Ende August während zehn Tagen ebenfalls eine abgespeckte Version des Anlasses statt: «Das durchwegs positive Fazit der Organisatoren hat uns motiviert, selber eine Mini-Chilbi durchzuführen», sagt Roger Erni.

Die Wädenswiler Chilbi ist laut Platzmeister Manuel Keller die grösste am Zürichsee, verteilt auf fünf Plätzen. Diesmal beschränkte sich der vom Verkehrsverein durchgeführte Anlass allerdings auf einen Platz und bestand nur aus einem Riesenrad, einem Karussell und ein paar Ständen.

Bild: PD

«Trotzdem kamen die Besucher zahlreich, ohne dass es je zu viele aufs Mal waren», so Keller.

Bild: PD

Auf Zutrittskontrollen habe man verzichtet, da die benachbarten Restaurants und die Schiffstation zugänglich sein mussten. Aufgrund der guten Erfahrungen würde Keller die Mini-Version das nächste Mal gar ein bisschen grösser machen:

«Doch wir alle hoffen schwer, dass 2021 wieder eine normale Chilbi stattfinden wird.»
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