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Luzerner Senioren bevorzugen Steuerparadiese am See

Rund um das Seebecken des Vierwaldstättersees wohnen besonders viele Rentner – also dort, wo die Steuerbelastung sehr tief ist. Es gibt allerdings auch zwei Luzerner Tiefsteuergemeinden mit einem hohen Anteil an jüngeren Personen: Schenkon und Eich.
Lukas Nussbaumer
Die Gemeinde Weggis hat im Kanton Luzern den höchsten Anteil an Senioren. (Bild: Pius Amrein, 24. Mair 2016)

Die Gemeinde Weggis hat im Kanton Luzern den höchsten Anteil an Senioren. (Bild: Pius Amrein, 24. Mair 2016)

Weggis, Meggen, Horw und Vitznau haben drei Gemeinsamkeiten: sehr tiefe Steuerfüsse, Seeanstoss und überdurchschnittlich viele Einwohner im Rentenalter. Der Anteil an über 65-Jährigen liegt in diesen vier Gemeinden deutlich über dem kantonalen Mittel von 17,4 Prozent. Das zeigen jüngst von Lustat Statistik Luzern veröffentlichte Zahlen zur Verteilung der Bevölkerung (siehe Grafik).

Laut Khanh Hung Duong, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Lustat, sind die Gemeinden am Vierwaldstättersee «für begüterte Personen besonders attraktiv». Neben der tiefen Steuerbelastung und der schönen Wohnlage sei dafür auch die Versorgungsinfrastruktur verantwortlich. Also beispielsweise altersgerechte Wohnformen, Verkehrsverbindungen, ärztliche Versorgung und Naherholungsgebiete.

«Die Gemeinden am Vierwaldstättersee sind für begüterte Personen besonders attraktiv.»

Khan Hung Duong,



Lustat Statistik Luzern

Der Gemeindepräsident von Meggen bestätigt diese Einschätzungen. In der steuergünstigsten Gemeinde des Kantons würden sich mehrere Parameter, die für ältere Menschen bedeutend seien, überlagern, analysiert Urs Brücker. Und nennt die einmalige Lage mit Blick auf den See und die Berge, das trotz Stadtnähe ländlich gebliebene Dorfbild, welches weniger Hektik verspreche als in anderen stadtähnlichen Gemeinden wie Kriens, Ebikon oder Emmen, die gute Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder die Nähe zum Kulturangebot der Stadt Luzern.

Strategie von Schenkon ging voll auf

Ein tiefer Steuerfuss bedeutet jedoch nicht automatisch einen hohen Anteil an älteren Menschen. Das beweisen Schenkon und Eich, die in der Steuerrangliste die Plätze 2 (Schenkon) und 5 (Eich) belegen. So boomte das in den 1970er und 1980er Jahren klassische Bauerndorf Schenkon schon dann, als die Steuerbelastung noch hoch war – dank der Strategie, primär junge Familien anzulocken, wie Gemeindepräsident Patrick Ineichen sagt. Die massive Bevölkerungszunahme von 63,4 Prozent in den letzten 25 Jahren werde sich jedoch nicht im gleichen Mass fortsetzen. «Das grosse Wachstum liegt hinter uns. Wir haben fast keine Baulandreserven mehr.» Ziel sei eine Steigerung der Einwohnerzahl um jährlich 1 Prozent. Einfach zu erreichen sein wird das nicht. Ineichen: «An Bauland zu kommen, ist ein grosses Problem.»

Gar einen Bevölkerungsrückgang verzeichnen muss der Eicher Gemeindepräsident Adrian Bachmann. Dies, nachdem die Einwohnerzahl zwischen 1992 und 2017 um satte 59,8 Prozent zugenommen hat. Grund für die jetzt gegenteilige Entwicklung ist der gleiche wie in Schenkon: Es gibt «praktisch keine Landreserven mehr». Viele Familien würden Eich verlassen, da sie keinen passenden Wohnraum fänden, so Bachmann. Die Gemeinde versuche jedoch, mit den Wohnprojekten Spillmatte und Seepark Gegensteuer zu geben.

Adligenswil: Von der jüngsten zur sehr alten Gemeinde

Der zunehmenden Alterung entgegenwirken will auch Adligenswil, das in Bezug auf die Altersdurchmischung die bemerkenswerteste Entwicklung aller 83 Luzerner Kommunen hinter sich hat. 1992 nämlich war der Anteil der über 65-Jährigen mit 3,9 Prozent so tief wie in keiner anderen Gemeinde. Heute zählen die Menschen im gleichen Dorf zu den ältesten im Kanton. Gemeindepräsidentin Ursi Burkart-Merz führt das auf die starke Bevölkerungszunahme in den 1980er und 1990er Jahren und die Tatsache zurück, dass die Kinder der damaligen Neuzuzüger nicht in Adligenswil geblieben seien, da der freie Wohnraum «eher knapp und nicht ganz günstig» sei. Burkart bezeichnet die Alterung denn auch als «eine Herausforderung». Schliesslich sei ein gesunder Bevölkerungsmix wichtig für das Dorfleben. Und: «Auch auf die Steuereinnahmen kann sich die Überalterung negativ auswirken, weil es weniger Erwerbstätige gibt.»

«Auch auf die Steuereinnahmen kann sich die Überalterung negativ auswirken, weil es weniger Erwerbstätige gibt».

Ursi Burkart-Merz,



Gemeindepräsidentin Adligenswil

Einfach so hinnehmen will der Gemeinderat diese Entwicklung aber nicht. So entsteht in der Dorfmitte ein neues Alters- und Gesundheitszentrum mit 46 Alterswohnungen, die Ende Jahr bezugsbereit sind. Durch den Umzug von betagten Menschen ins Zentrum schaffe man Platz für junge Paare und Familien, sagt Burkart. Ausserdem habe Adligenswil zusätzliches Land eingezont, wodurch das Potenzial zur Schaffung von Wohnraum für rund 300 Personen bestehe.

Mit Blick auf die Regionen des Kantons Luzern steht Adligenswil stellvertretend für die Agglomerationskerngemeinden: Sie und die Stadt Luzern weisen einen hohen Anteil an über 65-Jährigen auf. Ganz im Gegensatz zum Agglomerationsgürtel mit Gemeinden wie Malters, Neuenkirch, Rain oder Inwil, wo vergleichsweise wenig Rentnerinnen und Rentner leben. Das hängt laut Khanh Hung Duong von Lustat mit der Geburtenhäufigkeit und dem Wanderungsverhalten zusammen. Demnach verzeichnen die Agglogürtelgemeinden anders als der Agglokern einen deutlichen Geburtenüberschuss. Und zudem trage die Abwanderung von jungen Familien ins Umland zur Verjüngung des Gürtels und zur Alterung der Kerngemeinden bei.

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