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Luzerner Spitäler rechnen mit zusätzlichen Betten – trotz Ambulant-Strategie

Aufgrund der Devise «ambulant vor stationär» sollten im Spital Betten abgebaut werden, sagen Experten. Luzerner Kliniken verfolgen allerdings ganz andere Pläne. Sie rechnen mit 50 neuen Betten. Gründe dafür seien das Bevölkerungswachstum, die demografische Alterung und die medizinisch-technische Entwicklung.
Evelyne Fischer
Blick in ein Krankenzimmer des Spitals Wolhusen. (Bild: Symbolbild: Corinne Glanzmann (27. April 2017))

Blick in ein Krankenzimmer des Spitals Wolhusen. (Bild: Symbolbild: Corinne Glanzmann (27. April 2017))

«Die entscheidende Frage ist: Was passiert mit den leeren Betten?» An einem Podium in Luzern machte Josef E. Brandenberg, Präsident des Verbandes der chirurgisch und invasiv tätigen Ärztinnen und Ärzte, klar: Die von Luzerns Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP) angepeilte Entwicklung «ambulant vor stationär» erfordert Anpassungen bei der Spitalinfrastruktur. Weniger Betten, mehr Warte- und Überwachungszonen. Nötig seien ambulante «Produktionsstrassen».

Auch Christian Schär, Präsident des Verbands der Zürcher Krankenhäuser, sagte letzte Woche im «Tages-Anzeiger»: «Wenn ambulant vor stationär als Megatrend nun zu greifen beginnt, müssen die meisten Spitäler Betten abbauen. Parallel dazu müssen sie ambulante Strukturen weiter ausbauen.» Er schätzt, dass man in der Schweiz «die stationären Kapazitäten um 20 bis 30 Prozent» reduzieren müsse.

Doch: Diese Auffassung teilt man in Luzern weder im Kantonsspital (Luks) noch in der Hirslanden Klinik St. Anna. Letztere zählt 200 Betten mit einer «sehr hohen durchschnittlichen Auslastung», sagt Direktor Martin Nufer. Das Luks hat an den Standorten Luzern, Sursee und Wolhusen 856 Betten. «Ein Abbau ist aktuell nicht geplant», sagt Andreas Meyerhans, Leiter der Unternehmenskommunikation. «Die Auslastung ist gut.»

Kantonsweit gibt es aktuell über 1000 Spitalbetten

Statt eines Abbaues ist ein Ausbau der Spitalbetten in naher Zukunft viel wahrscheinlicher: «Masterarbeiten der Universität Luzern rechnen für den Kanton bis 2030 mit einer Zunahme der Bettenzahl von fünf Prozent», sagt Meyerhans. Die Werte würden mit einer Studie der Credit Suisse übereinstimmen. Die Gründe dafür: das Bevölkerungswachstum, die demografische Alterung und die medizinisch-technische Entwicklung.

Bei kantonsweit über 1000 Spitalbetten käme dies einem Ausbau von gut 50 Betten gleich. Zur Einordnung: Der geplante Spitalneubau in der Region Sursee – für Gesamtinvestitionen am Standort sind im Finanzplan 2025 bis 2028 pauschal 250 Millionen Franken eingestellt – soll zwischen 160 und 170 Betten umfassen. 42 mehr als heute. Gleichzeitig wird in Wolhusen mit dem 110-Millionen-Neubau die Zahl der Betten von aktuell 110 auf 76 reduziert, 20 davon sind Reha-Betten.

«Die Zahl der eingesparten Übernachtungen gemäss erster Erfahrungen relativ gering.»

Mit einem wachsenden Bettenbedarf rechnet auch die Klinik St. Anna: «Die Verlagerung in den ambulanten Bereich betrifft einfache Operationen, nach denen höchstens kurze Spital-Liegezeiten erforderlich waren. Entsprechend ist die Zahl der eingesparten Übernachtungen gemäss erster Erfahrungen relativ gering», sagt Direktor Martin Nufer. «Die notwendige Bettenzahl wird viel stärker von den saisonalen Spitzen bestimmt. Etwa, wie lange Grippezeit vorherrscht und wie viele Menschen davon betroffen sind. In Spitzenzeiten müssen wir bereits heute auf alle möglichen Zusatzbetten zurückgreifen.» Wie Meyerhans vom Luks weist auch Nufer auf die steigende Zahl der multimorbiden Patienten hin – Personen also, die an mehreren Krankheiten gleichzeitig leiden: «Dies führt künftig eher zu mehr stationären Behandlungen.»

Dennoch hat und wird die Verlagerung in den ambulanten Bereich an der Spitalinfrastruktur Spuren hinterlassen: «Zu Gunsten der Effizienz sind beim geplanten Neubau in Wolhusen beispielsweise ambulante und stationäre Behandlungen klar voneinander getrennt», sagt Andreas Meyerhans vom Luks. Ausschliesslich für ambulante Eingriffe sei 2017 das Haus für ambulante Medizin am Luks in Luzern in Betrieb genommen worden. Und die 2016 neu eröffnete Augenklinik sei so konzipiert, «dass die standardisierten Behandlungsprozesse räumlich optimal vollzogen werden können», sagt Meyerhans. «Zugleich wurde der Tatsache Rechnung getragen, dass dort mittlerweile über 90 Prozent der Eingriffe ambulant erfolgen.»

Infrastruktur ist bei ambulanten Eingriffen zu teuer

Auch der wirtschaftliche Druck macht eine Anpassung der Infrastruktur nötig, wie Martin Nufer, Direktor der Klinik St. Anna, sagt: «Ambulante Tarife sind aktuell unterfinanziert, auch aufgrund der Infrastrukturkosten.» Die Klinikeinrichtung sei nicht auf ambulante Behandlungen, sondern auf die hoch spezialisierte Chirurgie ausgerichtet. «Im Bahnhof Luzern investieren wir daher derzeit in eine neue Operationsinfrastruktur für ambulante Eingriffe.» Von einer Produktionsstrasse, wie es Josef E. Brandenberg nannte, will Nufer trotzdem nicht sprechen. «Jeder Patient muss individuell beurteilt und behandelt werden.»

Für Hanspeter Vogler, Leiter des Fachbereichs Gesundheitswesen beim kantonalen Gesundheitsdepartement, tönt der Begriff «Produktionsstrasse» ebenfalls «provokativ nach Industriebetrieb». Der Patient müsse immer als Persönlichkeit wahrgenommen werden. Aber: «Wie bei einem Industriebetrieb müssen die Prozesse gut aufeinander abgestimmt sein. Das ist nicht nur ein wirtschaftlicher Faktor, sondern auch im Interesse der Patienten.» Vogler rechnet ebenfalls nicht mit verschwindenden Spitalbetten und verweist auf den Planungsbericht, der 2015 dem Kantonsrat vorgelegt wurde: Gestützt auf Prognosen des schweizerischen Gesundheitsobservatoriums Obsan dürfte die Zahl der Pflegetage in Luzern bis 2023 um 10 Prozent steigen. «Wenn wir also momentan keine neuen Betten schaffen, kommt dies unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung und der Zunahme der Multimorbidität eigentlich einem Bettenabbau gleich.»

Operation am Eintrittstag ist bei Spitälern umstritten

Mit der Devise «ambulant vor stationär» will der Kanton Luzern jährlich bis zu drei Millionen Franken einsparen. Daneben setzt er auf rigide Rechnungskontrolle: Ist der Spitaleintritt unnötigerweise bereits am Vortag des Eingriffs erfolgt, verweigert der Kanton die finanzielle Beteiligung. Laut Hanspeter Vogler, Leiter des Fachbereichs Gesundheitswesen beim Gesundheitsdepartement, gibt es im Schnitt jährlich 1000 unnötige vorzeitige Eintritte. «Dies kostet uns 0,5 Millionen Franken.» Gerechnet hatte er ursprünglich mit dem Doppelten. «Das zeigt: Die Kontrolle wirkt präventiv.»

Äusserst skeptisch gegenüber dem Modell der «Same Day Surgery» (Eintrittsvisite am Tag der Operation) ist Josef E. Brandenberg, Präsident des Verbandes der chirurgisch und invasiv tätigen Ärztinnen und Ärzte. Oft erscheine der Patient nicht mit nüchternem Magen zur Operation oder habe Medikamente eingenommen respektive versehentlich ausgesetzt. Zudem werde das Timing für den Eingriff aufwendiger.

Spitaldirektor spricht von Interessenkonflikt

Martin Nufer, Direktor der Hirslanden Klinik St. Anna, pflichtet Brandenberg bei: «Bei Eintritten am Tag der Operation können Behandlungsprozesse oft nicht optimal aufgegleist werden. Dies führt zu Mehrkosten zu Lasten der Klinik.» Zu Eintritten am Vorabend «ohne Zusatznutzen für den Patienten» komme es nur «gelegentlich», sagt Nufer. Hier zeige sich ein Interessenskonflikt: «Bei jährlich sinkenden Erträgen für die gleiche Behandlung sind Spitäler auf reibungslos funktionierende Prozesse angewiesen. Fallen aufgrund verbesserter Abläufe Kosten für den Kanton an, hat dieser aber keine Freude.» Beim Luzerner Kantonsspital setze man seit längerem auf Spitaleintritte am Tag der Operation, sagt Andreas Meyerhans, Leiter der Unternehmenskommunikation. «Im Sinne einer optimalen Dienstleistung für unsere Patienten wird die Aufenthaltsdauer so knapp wie möglich gehalten.» Die Sicherheit gehe aber immer vor. (fi)

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