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Luzerner Theater: Architekten-Bund favorisiert klar einen Neubau

Soll das sanierungsbedürftige Luzerner Theater abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden? Oder soll man es stehen lassen? Die Frage bleibt offen. Der Bund Schweizer Architekten befürwortet klar einen Abriss.
Hugo Bischof
Die Zukunft des Luzerner Theatergebäudes bleibt weiterhin ungewiss. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 21. September 2018)

Die Zukunft des Luzerner Theatergebäudes bleibt weiterhin ungewiss. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 21. September 2018)

Soll das heutige, sanierungsbedürftige Luzerner Theater abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden? Oder soll man es stehen lassen und um einen Erweiterungsbau ergänzen? Das ist weiterhin eine offene Frage. Jetzt ist der Bund Schweizer Architekten (BSA) vorgeprescht und befürwortet ganz klar die Abriss- und Neubau-Variante.

«Mit einem Neubau eröffnen sich grössere stadträumliche Spielräume», so der Vorstand des BSA Zentralschweiz. «Es wird möglich sein, einen Theaterplatz zu realisieren, der wirklich Teil eines öffentlichen Raumes ist.» Bei der Variante Erweiterung «würde das oberirdische Volumen so gross, dass ein öffentlicher Aussenraum verschwindet».

Theater würde «zum Anbau degradiert»

Die Qualität des heutigen Theaterbaus liege «primär in seiner volumetrischen Präsenz», betonen die BSA-Architekten. Er trete gegenüber der Fassadenflucht der Bahnhofstrasse deutlich hervor und erziele seine Wirkung durch die «Übereckansicht», gebildet durch die ursprüngliche Eingangsfassade zur Reuss und den in den 1960er-Jahren zugefügten Anbau. «Diese Wirkung und (...) die stadträumliche Identität gehen bei einem zwangsläufig dominanten Anbau über alle Stockwerke verloren.» Der einst als Solitär gedachte klassizistische Theaterbau würde «zum Anbau degradiert».

Ein Neubau hingegen könne «auf die spezifischen Eigenheiten und Qualitäten des Ortes eingehen», so die BSA-Architekten: «Er wird zu einem neuen identitätsstiftenden Baustein in der Stadt werden.» Zudem könne man in einer neuen und freien Struktur besser auf die Frage «Welches Theater wollen wir?» eingehen. Das konkrete Erscheinungsbild eines Neubaus werde sich im Rahmen eines Projektwettbewerbs zeigen, sagt Norbert Truffer, Obmann des BSA Zentralschweiz. Die Architekten müssten besonders auf den städtebaulichen Kontext achten – «die Beziehung zum Aussenraum, zum Stadtkörper, zur Jesuitenkirche, zum Wasser, zum neuen Boulevard Bahnhofstrasse». Der Neubau müsste zudem «eine möglichst freie Interpretation der inneren Struktur um eine zukunftsträchtige Entwicklung ‹Was ist Theater?› zulassen».

Eine Testplanung der Stadt ergab im September 2018: Am Theaterplatz ist sowohl ein Neubau als auch ein Erweiterungsbau möglich. Ein Streitpunkt ist die Nähe zur Jesuitenkirche. Truffer sagt:

«Die Jesuitenkirche ist genauso wie ein Stadttheater ein Element der Stadt.»

Sie funktioniere in ihrer Wirkung vor allem über die Eingangsportalfassade: «Diese kann sich auch bei einem Neubau weiter behaupten.»

Auch Theaterleitung bevorzugt Neubau

Der BSA nimmt in städtebaulichen Fragen oft eine Vorreiter-Rolle ein; das war etwa der Fall bei der ZHB-Renovation (siehe Kasten). Auch beim Luzerner Theater verdichten sich nun die Anzeichen, dass sich die Neubau-Variante durchsetzen wird. Das ist auch im Sinn von Birgit Aufterbeck-Sieber. Die Präsidentin des Stiftungsrats Luzerner Theater betont: «Wir betrachten vor allem die betrieblichen Abläufe und wie wir diese effizient gestalten, um die Betriebskosten im Griff zu halten. Dabei erkennen wir derzeit nur in einem Neubau Möglichkeiten. Die Verdoppelung des bestehenden Baukörpers mit einem Erweiterungsbau würde uns eigentlich nur unsere Probleme verdoppeln.»

In Teilen der Bevölkerung stösst die Haltung des BSA aber oft auf Unverständnis. Einerseits plädiert er nun für den Abriss des von vielen geschätzten Theaters. Gleichzeitig bekämpft er zusammen mit anderen Verbänden den geplanten Abriss des 1933 errichteten Gewerbegebäudes an der Tribschenstrasse, das einem Anbau des angrenzenden CSS-Gebäudes weichen soll. «Das sind nicht vergleichbare Aufgaben», sagt dazu Norbert Truffer. Das Gewerbegebäude verkörpere in seiner ursprünglichen Form «die Grundsätze des Neuen Bauens in besonderer Qualität und ist deshalb ein ausserordentlich schutzwürdiges Baudokument».

Auch Rainer Heublein vom Innerschweizer Heimatschutz sagt: «Das Luzerner Theater hat nicht den gleichen kulturhistorischen Wert.» Nicht zuletzt wegen mehrerer Umbauten.

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