Migros setzt neu auf Scannen via Smartphone, Spar führt Self-Checkout ein

Während der Coronakrise nutzten Kunden vermehrt Self-Checkout-Systeme. Migros führt nun die neue Funktion «SubitoGo» ein, Spar will ab 2021 Self-Checkout einführen.

Sarah Kunz
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Seit rund zwei Wochen testet die Migros das neue «subitoGo». Damit können Kunden ihre Einkäufe via Smartphone erledigen.

Seit rund zwei Wochen testet die Migros das neue «subitoGo». Damit können Kunden ihre Einkäufe via Smartphone erledigen.

Bild: Keystone/Alexandra Wey

Unkompliziert, schnell und effizient. So soll Einkaufen heute sein. Selbstbedienungskassen werden daher immer beliebter und sind nicht mehr wegzudenken. Die grossen Detailhändler Migros und Coop haben das Bedürfnis schon vor Jahren erkannt und setzen darauf, dass die Kunden möglichst selber Hand anlegen. Bei Coop nennt sich das Passabene, bei Migros heisst es Subito.

Die beiden Systeme funktionieren praktisch gleich: Kunden können die Ware entweder an der sogenannten Self-Check-out-Kasse am Schluss des Einkaufs oder fortlaufend mittels Handscanner einlesen. Danach wird an den Selbstbedienungsterminals bezahlt. Letztere Methode, das sogenannte Selfscanning, setzt eine Kundenkarte des jeweiligen Detailhändlers voraus. Laut Angaben der Firmen sind heute etwa die Hälfte aller Filialen mit solchen Selbstbedienungskassen ausgerüstet.

Kunden können die Ware fortlaufend mittels Handscanner einlesen. Hier ein Gerät von Coop.

Kunden können die Ware fortlaufend mittels Handscanner einlesen. Hier ein Gerät von Coop.

Oliver Menge

Bis anhin war Coop seiner Konkurrentin einen Schritt voraus. Mit der Passabene-App können Kunden ihr Smartphone seit Ende 2019 als Handscanner benutzen. So können sie ihre Einkäufe direkt über die App tätigen, ohne dass noch ein zusätzliches Gerät benötigt wird. Einzig die Bezahlung erfolgt dann – wie beim Selfscanning üblich – über die Kasse. Die Rückmeldungen seien durchaus positiv: «Das System ist sehr beliebt», sagt ein Sprecher.

Migros geht einen Schritt weiter

Jetzt zieht damit auch die Migros nach – und geht noch weiter: Seit rund zwei Wochen testet sie das System SubitoGo. Damit können Kunden die gewünschten Produkte mit ihrem Smartphone selber scannen und im Anschluss auch gleich via Kreditkarte oder Twint bezahlen, ohne dass der Gang zur Kasse nötig wäre. Der neue Service ist in der Migros-App integriert, wodurch auch Coupons und Bons eingelöst werden können. Auch Garantiescheine stehen dadurch digital in der App zur Verfügung.

Die neue Funktion ist derzeit nur in je zwei Filialen in Bern und in Zürich verfügbar, wie eine Migros-Sprecherin sagt. Genauer: in den Berner Filialen Eigerplatz und Zähringer beziehungsweise Kreuzplatz und Limmatplatz in Zürich. Dies, weil sich das System derzeit noch im Testbetrieb befindet.

Erste Rückmeldungen fielen bereits positiv aus, sagt die Sprecherin. Ein Ersatz für die gängigen Bezahlsysteme soll SubitoGo trotzdem nicht sein – eher eine Ergänzung. Selbst wenn die Funktion flächendeckend eingeführt werde, würden die bedienten Kassen sowie die Subito-Terminals weiter bestehen bleiben.

Mehr als die Hälfte der Kunden zahlt bargeldlos

Während der Coronakrise hat die Nachfrage nach einem raschen und unpersönlichen Bezahlvorgang stark zugenommen. Demnach bestätigen mehrere Detailhändler, dass ihre Kunden nun vermehrt bargeldlos bezahlen. Bei Coop bezahlen etwa die Hälfte aller Kunden nur noch mit Kreditkarten, Debitkarten oder mit dem Mobiltelefon.

Selbstbedienungskassen soweit das Auge erreicht: Migros-Filiale in Solothurn.

Selbstbedienungskassen soweit das Auge erreicht: Migros-Filiale in Solothurn.

Hanspeter Bärtschi / SZ

Zudem hätten etwa Migros-­Kunden die Selbstbedienungskassen öfter benutzt als noch vor der Pandemie. Die Einführung der neuen Funktion SubitoGo hängt laut der Migros-Sprecherin aber nicht ­direkt mit der ­Coronakrise zusammen, da die Entwicklung der Funktion ­bereits viel früher begonnen habe. Aber: «Die Thematik ist durch Corona besonders aktuell.»

Auch bei kleineren Detailhändlern ein Thema

Selbst bei den kleineren Detailhändlern werden Selbstbedienungskassen vermehrt zum Thema. So stattet Lidl nach erfolgreichen Tests im vergangenen Herbst derzeit mehrere Filialen mit Selbstbedienungskassen aus. Wie ein Sprecher mitteilt, seien die Kassen nach ersten Erkenntnissen vor allem dort beliebt, wo schnelle und kleine Einkäufe getätigt werden.

Spar will ab 2021 mit dem Self-Check-out starten. Genaue Daten oder Filialen seien derzeit aber noch unbekannt. Spar wolle seinen Kunden damit ein noch besseres Einkaufserlebnis bieten, sagt ein Sprecher.

Auf herkömmliche Kassen setzen derzeit noch Aldi, Volg und Denner. Denner habe vergleichsweise kleine Läden mit kurzen Wartezeiten an den Kassen, sagt ein Sprecher. Aldi und Volg geben an, die aktuellen Entwicklungen im Detailhandel weiterzuverfolgen. Konkret sei aber momentan keine Umstellung in Planung.

Die Mitarbeiter Klagen über die Belastung

Während die Selbstbedienungskassen immer mehr Einzug halten, sorgen sie gleichzeitig für Unmut bei den Gewerkschaften und Angestellten. Für das Verkaufspersonal sei dieser Trend nicht entlastend, sondern führe zu mehr Stress. Zu diesem Schluss kam eine Studie der Universität Bern im Jahr 2018, die von der Gewerkschaft Unia in Auftrag gegeben wurde.

Die befragten Mitarbeiter klagten über die Belastung, der sie während ihrer Arbeit bei den neuen Kassen ausgesetzt sind. So verursache das lange Stehen Rückenschmerzen. Während der Spitzenzeiten sei es teilweise unmöglich, etwas zu trinken oder die Toiletten aufzusuchen.

Zudem besteht die Sorge, dass mit der wachsenden Zahl an Selbstbedienungskassen laufend Arbeitsplätze abgebaut werden. Die Detailhändler bestreiten dies jedoch.

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