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Neue Erkenntnisse zum Flugunglück in Hergiswil: Zweites Flugzeug könnte Absturz-Rätsel lösen

Die Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust versucht herauszufinden, wie es zum tragischen Flugzeugabsturz mit vier Todesopfern in Hergiswil kommen konnte. Bereits zeichnen sich erste Erkenntnisse ab. Laut Untersuchungsleiter Florian Reitz befand sich ein anderes Flugzeug in der Nähe. Dessen Flugdaten würden wichtige Aufschlüsse über das Flugunglück geben.
Philipp Unterschütz
Das am Samstag abgestürzte Flugzeug. (Bild: Robert Hess)

Das am Samstag abgestürzte Flugzeug. (Bild: Robert Hess)

Sofort, nachdem am vergangenen Samstagvormittag um 10.36 Uhr der Alarm bei der Sust eingegangen war, flogen Untersuchungsleiter Florian Reitz und sein Team von Payerne aus mit einem Helikopter zur Unfallstelle oberhalb von Hergiswil. Es sei ein schlimmer Anblick gewesen. «Ich habe selten ein derart ausgebranntes Flugzeug gesehen», sagt der Experte. «Aufgrund des Kraters wissen wir, dass der Aufschlag senkrecht mit hoher Energie erfolgt ist. Die Insassen waren sofort tot.»

Als Erstes habe man am Unfallort einen Brandschutz erstellt, um die Arbeitssicherheit für die weiteren Aktivitäten des Teams zu gewährleisten. Dann habe man sich zuerst mit dem Aufzeichnungsgerät befasst. «Von der Besitzerin des Flugzeugs wussten wir, dass es mit zwei Flarm-Kollisionswarngeräten ausgestattet war.» Man habe aber schnell erkannt, dass aufgrund der hohen Temperaturen durch den Brand, die sogar die Instrumente zu Metallklumpen haben schmelzen lassen, keine Chance bestand, die SD-Karten, die als Speichermedien dienten, zu bergen.

Trotz des schrecklichen Aufschlags und des nachfolgenden Brandes, der die Aufklärung des Unfalls für die Sust-Experten massiv erschwert, ist Florian Reitz zuversichtlich, die Unfallursache herauszufinden. Bis in einem Jahr soll der Schlussbericht der Sust publiziert werden.

Hinweise, dass der Flieger etwas touchiert hat

Florian Reitz ist Untersuchungsleiter bei der Sust. (Bild: PD)

Florian Reitz ist Untersuchungsleiter bei der Sust. (Bild: PD)

Zur Zuversicht trägt trotz der Zerstörung das Flarm bei. Das Kollisionswarngerät in der Grösse einer Zigarettenschachtel umfasst im Wesentlichen einen GPS-Empfänger und ein digitales Sende-/Empfangsmodul, welches mit anderen Flarms kommuniziert. So tauscht sich das Gerät aus mit Geräten in anderen Flugzeugen im Nahbereich von einigen Kilometern. Es sendet nicht nur die eigene Position, sondern auch den voraussichtlichen Flugweg. Das Flarm in einem anderen Flugzeug macht das Gleiche: Es liefert den Abstand der Flugzeuge und informiert, ob die beiden berechneten Flugwege auf Kollisionskurs sind. «Es befand sich tatsächlich ein anderes Flugzeug in der Nähe, so dass wir bereits über diese Daten verfügen. Sie geben wichtige Aufschlüsse über den genauen Flugweg in den letzten Sekunden», erklärt der Untersuchungsleiter.

«Es befand sich ein anderes Flugzeug in der Nähe. Diese Daten geben wichtige Aufschlüsse über den genauen Flugweg in den letzten Sekunden.»

Florian Reitz, Untersuchungsleiter

Weitere Hinweise sollen auch die zahlreichen Augenzeugenberichte geben, die man erhalten habe. Aufgrund dieser Aussagen gebe es Hinweise, dass das Flugzeug vor dem Absturz etwas touchiert haben könnte. «Das können wir aber noch nicht bestätigen. Wir untersuchen auch, ob es bei den Bäumen auf der Krete Spuren gibt.» Es sei sehr wichtig, herauszufinden, wie und wo eine solche Berührung stattgefunden haben könnte. «Das Touchieren von Bäumen mit dem Fahrwerk hätte natürlich nicht die gleichen Auswirkungen wie eine mit dem Flügel.»

Hat der Pilot noch einen Funkspruch abgesetzt?

Eine der wichtigsten Prüfungen sei die der Motorengeräusche. «Damit finden wir heraus, ob der Motor richtig lief, oder ob er einen Leistungsabfall hatte», erklärt Florian Reitz. Die Hintergrundgeräusche eines Funkspruchs, den der Pilot vor dem Überfliegen der Krete am Lopper an den Flugplatz Alpnach abgesetzt haben soll, würden dafür einer Spektralanalyse unterzogen. «Im jetzigen Moment können wir noch nicht sagen, ob es sich dabei um einen Notruf gehandelt hat oder nicht.»

Das sind die Aufgaben der Sust

Immer, wenn es in der Schweiz zu Unfällen kommt, an denen Flugzeuge, Bahnen oder Schiffe beteiligt sind, kommt die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) – eine Behörde des Bundes – zum Zug. So auch im Fall des tragischen Flugzeugabsturzes in Hergiswil, bei dem am vergangenen Samstag der Chefpilot der Pilatus Flugzeugwerke mit seiner Familie tödlich verunglückte. Die Sust hat den Auftrag, die Unfälle zu untersuchen. Dabei geht es ausschliesslich darum, Erkenntnisse zu gewinnen, mit denen künftige Unfälle und Gefahrensituationen vermieden werden können und die Sicherheit verbessert wird. Hingegen sollen die Ergebnisse nicht der Klärung von Schuld- und Haftungsfragen dienen. (unp)

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