Regionale Kulturförderung spürt Gegenwind

Die Regionale Kulturkonferenz verliert Mitglieder: Nach Udligenswil, Greppen, Adligenswil und Buchrain kehrte im November auch Root dem Kulturfonds den Rücken. «Grossartige Kultur konsumieren wollen alle, dafür bezahlen leider nicht», sagt der Geschäftsführer Cédric Habermacher.

Simon Mathis
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Das Kleintheater Luzern kann die Unterstützung durch die Regionale Kulturkonferenz gebrauchen. Hier die Hauptprobe zum Stück «Fleisch. Ein Melodram». (Bild: Pius Amrein (Luzern, 17. Oktober 2017))

Das Kleintheater Luzern kann die Unterstützung durch die Regionale Kulturkonferenz gebrauchen. Hier die Hauptprobe zum Stück «Fleisch. Ein Melodram». (Bild: Pius Amrein (Luzern, 17. Oktober 2017))

Die Regionale Kulturkonferenz (RKK) verliert Mitglieder: Nach Udligenswil, Greppen, Adligenswil und Buchrain kehrte im November auch Root dem Kulturfonds den Rücken. Als Grund gab der Gemeinderat das «Missverhältnis» zwischen den eingezahlten Geldern und dem Nutzen für die Einwohner an. (Wir berichteten am 13. November 2018.)

Daniel Gasser, Präsident der RKK und Gemeindepräsident von Ebikon (CVP), konterte: «Es ist nicht Auftrag der RKK, kommunale Projekte zu unterstützen.» Dazu habe sie gar nicht die nötigen Mittel.

Die RKK fördert Kultur mit regionaler Ausstrahlung: etwa das Kleintheater, den Südpol oder das Musikzentrum Sedel. Dieses Jahr sprach sie über eine halbe Million Franken Strukturbeiträge. Dass gerade das Kleintheater auf finanzielle Unterstützung angewiesen ist, ist kein Geheimnis. (Wir berichteten am 12. November 2018.) Und Mitgliedgemeinden in der Agglomeration profitierten sehr wohl vom Angebot im Zentrum, so Gasser.

Diverse Gemeinden sehen das offenbar anders. Steckt die Regionale Kulturkonferenz in einer Sinnkrise? Cédric Habermacher, Geschäftsführer der RKK, verneint dies entschieden. Er betont, dass die bisherigen Austritte einiger Mitgliedsgemeinden noch lange nicht das Ende der RKK bedeuten. 

«Das Wasserglas wird zwar ein bisschen leerer. Aber es ist noch immer viel Substanz da. Das Gros der Gemeinden steht weiterhin zur RKK.»

Von 17 zu 12 Mitgliedern

Die Regionale Kulturkonferenz (RKK) ist über dreissig Jahre alt. Gegründet wurde sie 1987 als Zusammenschluss mehrerer Gemeinden. Ihr Hauptziel war es, zur Finanzierung des Luzerner Theaters und des Luzerner Sinfonieorchesters beizutragen.

Mit der Finanzreform 2008 erhielt die RKK eine neue Aufgabe. Sie übernahm vom Kanton das Mandat, regional bedeutende Kulturprojekte zu unterstützen. 2008 hatte die RKK noch 17 Mitgliedgemeinden. Heute sind es dreizehn, nach dem Austritt Roots 2020 noch zwölf.

Auch Hergiswil NW ist in der RKK noch dabei

So zum Beispiel Kriens. «Der Krienser Gemeinderat unterstützt die Konferenz, seit es sie gibt», sagt Judith Luthiger (SP), Bildungs- und Kulturdirektorin der Gemeinde und selbst Mitglied des RKK-Ausschusses. Auch aus Emmen kommen positive Signale. Das verwundert kaum. Denn eine Studie der Hochschule Luzern (HSLU) hat gezeigt, dass die geförderten Projekte vor allem von Bewohnern der Stadt, von Ebikon, Emmen, Horw und Kriens besucht werden.

Kommen kleine Gemeinden zu kurz?

Da liegt der Vorwurf nahe, dass besonders diese grossen Gemeinden rund um Luzern von der RKK profitieren, die anderen aber zu kurz kommen. Luthiger widerspricht: 

«Nicht nur die grossen, sondern auch die kleineren Gemeinden ziehen klar einen Vorteil aus der Mitgliedschaft.»

Die HSLU-Studie von 2014 hält denn auch fest, dass diese Ungleichheit durch die Verteilung der Finanzierung mehr als aufgewogen würde. Die RKK-Mitglieder zahlen einen Pro-Kopf-Beitrag von 5.20 Franken.

Vertreter der RKK haben die austretenden Gemeinden mehrfach «Trittbrettfahrer» genannt. «Grossartige Kultur konsumieren wollen alle, dafür bezahlen leider nicht», sagt der Geschäftsführer Cédric Habermacher.

Der Rooter Gemeinderat weist diesen Vorwurf zurück. «Natürlich haben wir nie erwartet, dass wir all unsere Aufwendungen zurückbekommen», sagt Stefan Hoffmann (CVP), der zuständige Gemeinderat und zurzeit noch Mitglied des RKK-Ausschusses. «Aber wir wünschen uns, dass zumindest ein Teil in unsere eigenen Kulturprojekte fliesst.» Das sei in den letzten Jahren zu selten geschehen, deshalb fühle man sich vernachlässigt. So habe etwa die Theatergesellschaft Root mehrfach Absagen für Operetten erhalten.

Lieber Kulturprojekte im Dorf unterstützen

«Root gehört zwar zur Agglomeration, ist aber doch ländlich», so Hoffmann. «Im Rontal herrscht eine Vereinskultur.» Die kleineren Projekte fänden bei der RKK zu wenig Gehör. Das sei keine Absage an die «grosse» und «hohe» Kultur der Stadt: «Es ist klar, dass man beides braucht.» Allerdings habe Hoffmann festgestellt, dass die kommunale Kultur bei den Rootern wesentlich beliebter sei.

Root spart durch den Austritt 25 000 Franken. Was geschieht damit? «Wir werden zukünftig kulturelle Projekte in Root unterstützen», erläutert Hoffmann. Der Gemeinderat wolle das Geld vor allem dafür aufwenden, «das Dorfleben zu bereichern».

RKK in Gespräch mit LuzernPlus

Dass die Rooter zu wenig Interesse an der Kultur im Zentrum hätten, bestreitet Cédric Habermacher: «Es ist erwiesen, dass die finanziellen Beiträge der einzelnen Gemeinden in etwa dem entsprechen, was ihre Bevölkerung an kulturellen Angeboten konsumiert.» Ausserdem sei weniger entscheidend, «wo Kultur in unserer Region stattfindet, sondern dass sie stattfindet.»

Worin sich alle einig sind: Die RKK muss sich neue Modelle und Strategien überlegen. «Wir reflektieren die Entwicklung selbstkritisch», sagt Habermacher. «Es gilt, gemeinsam mit den Gemeinden zukunftsfähige Modelle einer regionalen Kulturförderung zu entwickeln». Erste Pläne gibt es bereits: Die RKK befindet sich in Gesprächen mit dem Gemeindeverband LuzernPlus über eine engere Zusammenarbeit.

Trotz wiederholter Austritte: Cédric Habermacher will nicht nur die schlechten Nachrichten betont wissen. «Dass die Mitgliedsgemeinden der RKK 5.20 Franken pro Kopf in einen regionalen Kulturfonds einzahlen, ist ein schweizweit einzigartiges Modell», sagt er. Davon profitiere die ganze Region.

Auch Root wird «zum kulturellen Trittbrettfahrer»

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Simon Mathis

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Hugo Bischof