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Stürmische Zeiten für die Firma Hochdorf

Eine Woche vor Veröffentlichung der Jahreszahlen sorgt Milchverarbeiterin Hochdorf fast täglich für Schlagzeilen. Der ebenfalls kritisierte Verwaltungsratspräsident Daniel Suter hält das für keinen Zufall: «Wir vermuten Übernahmepläne.»
Interview: Raphael Bühlmann
Im Gegenwind: Daniel Suter vor dem Firmenhauptsitz. (Bild: Eveline Beerkircher, Hochdorf, 13. März 2019)

Im Gegenwind: Daniel Suter vor dem Firmenhauptsitz. (Bild: Eveline Beerkircher, Hochdorf, 13. März 2019)

Am Freitag forderte der grösste Aktionär von Hochdorf, die ZMP Invest AG, eine Neubesetzung des Verwaltungsrats inklusive einen Wechsel des Präsidiums. Am Montag trat der CEO Thomas Eisenring per sofort zurück, und am Mittwoch schlug eine weitere bedeutende Aktionärsgruppe eigene Kandidaten für das Aufsichtsgremium beim Milchverarbeiter vor. Und das eine Woche vor Veröffentlichung des Jahresergebnisses 2018. Hochdorf-Verwaltungsratspräsident Daniel Suter vermutet hinter dem Vorgehen der ZMP ein geplantes Manöver.

Die Lage bei Hochdorf passt zum stürmischen Wetter.

Daniel Suter: Der Wunsch der ZMP nach personellen Wechseln im Verwaltungsrat war bekannt. Überrascht hat uns, dass man ausgerechnet jetzt den Weg an die Öffentlichkeit gewählt hat. Denn die aktuelle Strategie und der Verwaltungsrat wurden 2018 von der Generalversammlung mit grosser Stimmenmehrheit bestätigt. Dass es lange dauern kann, bis sich ein solch fundamentaler Kurswechsel in den Zahlen niederschlägt, wissen auch die ZMP.

Es gibt andere Gründe?

Es könnte die Frage gestellt werden, ob die ZMP die Kontrolle über Hochdorf anstreben.

Eine geplante Übernahme?

Heute könnten wir das vermuten. Die Forderung nach drei Verwaltungsratsmitgliedern ist eine ­Anmassung. Ein Aktionär mit 14 Prozent Aktienstimmen will mit drei Personen im Verwaltungsrat das Sagen haben? Das kann es nicht sein. Trotzdem hat der Personal- und Vergütungsausschuss mit den vorgeschlagenen Personen Gespräche geführt. Wir sind zum Schluss gekommen, dass die ZMP grundsätzlich gute Personen vorschlagen. Aber lediglich eine davon erfüllt die von uns gestellten Anforderungen. Deshalb unterstützen wir nur die Zuwahl des ehemaligen Emmi-­Finanzchefs Jörg Riboni.

Die ZMP sind Mehrheitsaktionär bei Emmi, die mit Marken höhere Margen erzielt als Hochdorf in seinem Geschäft mit Milchpulver. Wollen die ZMP aus Hochdorf eine zweite Emmi machen?

Die Geschäftsmodelle von Emmi und Hochdorf sind kaum miteinander vergleichbar.

Um näher an den Konsu­menten zu kommen, sicherte sich Hochdorf eine Mehrheit an der Pharmalys Laboratories SA, dem Vermarkter von Babynahrung und Cerealien für rund 200 Millionen Franken. Wie beurteilen Sie die Akquisition heute?

Wir stehen noch immer zu 100 Prozent zu dem Zukauf. Dieser hat wesentlich zur Verbesserung des operativen Ergebnisses beigetragen. Unbestritten ist, dass wir hinter den Erwartungen liegen. In der finanziellen Betrachtung halten wir aber an den intern gesetzten strategischen Ertragszielen fest. Die grossen Investitionen und Akquisitionen gilt es nun zu konsolidieren.

Überrascht hat, dass die Aktionäre die Unternehmensstrategie von Hochdorf kritisieren und zwei Tage später mit Thomas Eisenring der operative Chef den Hut nimmt.

Der Abgang von CEO Thomas Eisenring steht in keinem Zusammenhang mit der Forderung der Aktionäre. Es handelt sich um ein zeitlich unglückliches ­Zusammentreffen.

Ihr CEO verlässt das Unternehmen eine Woche vor der Bilanzmedienkonferenz aus «familiären Gründen»?

Ja. Zudem ist er der Ansicht, dass dem Unternehmen derzeit frische Impulse guttun würden. Der Verwaltungsrat sucht nun einen neuen CEO. Dieser muss über Integrationsfähigkeiten verfügen sowie fundierte, internationale Marketing- und Verkaufserfahrungen im Sinne unserer Vorwärtsstrategie besitzen.

Kolportiert wird, dass der Einfluss von Thomas Eisenring bei Hochdorf gross war. Er selbst bezeichnete sich als «Architekt» der Hochdorf-Strategie. Auch seine Beteiligung an Zifru, einer von Hochdorf übernommenen Firma, oder seine Lohnentwicklung von rund 1 Million Franken im Jahr 2014 auf 1,6 Millionen 2017 sprechen dafür.

Eine Strategie wird immer vom Geschäftsleiter mitgeprägt, denn schliesslich muss er sich für eine erfolgreiche Umsetzung damit identifizieren können. Sein Salär war wesentlich von der Entwicklung des Ergebnisses abhängig. Und betreffend Zifru: Der CEO und das Verwaltungsratsmitglied, welches ebenfalls Aktien an Zifru hielt, traten jeweils in den Ausstand. Das heisst, sie waren von den Verhandlungen vollständig ausgeschlossen und wurden über Beschlüsse und den jeweiligen Verhandlungsstand auch nicht informiert.

Auch Sie als Präsident verdienen rund 50 Prozent mehr als Ihr Vorgänger. Der Aktienkurs hat sich seit Ihrem Amtsantritt aber halbiert. Sie zahlen den Milchbauern – also den ZMP – einen eher tiefen Milchpreis. Deren Ärger scheint nachvollziehbar.

Der Verwaltungsrat hat vor meiner Wahl zum Präsidenten die Saläre verschiedener gleichwertiger Verwaltungsratsgremien verglichen und die Vergütung nach mehreren Jahren der Stagnation an die zunehmende Komplexität des Geschäfts angepasst. Zudem wird über die Vergütung des Verwaltungsrates an der Generalversammlung abgestimmt.

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