Trisa-Zahnbürsten sind in der Coronakrise «versorgungsrelevant»

Zahnbürstenhersteller Trisa stellt in Triengen mehr als eine Million Zahnbürsten her – pro Tag. Viele Händler füllten im März ihre Lager auf. Alles in allem habe die Krise das Unternehmen nur mild getroffen.

Rainer Rickenbach
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Trisa-Mitarbeiterinnen sortieren Zahnbürsten nach Farben.

Trisa-Mitarbeiterinnen sortieren Zahnbürsten nach Farben.

Gaetan Bally/Keystone (Triengen, 16. November 2012)

Trisa stellt in Triengen mehr als eine Million Zahnbürsten her – pro Tag. Einen grossen Teil davon vermarkten verschiedene Partner in über 60 Ländern weltweit unter ihrer eigenen Marke. In den ersten zwei Monaten dieses Jahres verlief der Absatz wie erwartet.

Trisa-Chef Adrian Pfenniger.

Trisa-Chef Adrian Pfenniger.

Bild: Nadia Schärli 

«Im März jedoch stieg die Nachfrage stark an. Mit Blick auf die Coronapandemie und die einhergehenden Einschränkungen im Alltagsleben füllten viele Händler ihre Lager auf. Im April spielten sich die Bestellungen dann unter dem üblichen Niveau ab, da die Lager voll waren», erläutert Trisa-Geschäftsleiter Adrian Pfenniger. Alles in allem habe die Krise das Unternehmen nur mild getroffen.

Ritterschlag des Bundesamtes

Die Trienger haben nun Gewissheit, dass ihre Zahnbürstenproduktion beim Bund als «versorgungsrelevant» gilt. Diese Einstufung nahm das zuständige Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung vor. Für die mehr als tausend Mitarbeitenden bedeutete der Ritterschlag des Bundes, dass die Produktion trotz der Pandemie ohne Einschränkungen weiterläuft. Pfenniger: «Wir haben sehr schnell reagiert. Die Umstellungen waren in wenigen Tagen realisiert. Eine Taskforce ist ständig im Einsatz und organisiert den Betrieb in dieser ungewöhnlichen Zeit.» Da Hygiene in der Produktion von Mundpflege-Produkten schon vorher wichtig war, brauchte es nicht viele zusätzliche Massnahmen in diesem Bereich. Nötig wurden hingegen Trennwände und ein paar Änderungen der Arbeitsplätze, um die Sicherheitsabstände von zwei Metern sicherzustellen.

Die Produktion ist also gewährleistet. Wie sich das Geschäftsjahr weiter entwickelt, ist indes schwer abzuschätzen. «Die ganz oder halb geschlossenen Warenhäuser und Einkaufszentren setzen dem Zahnbürstenverkauf schon zu», sagt Pfenniger. Die Einschränkungen haben denn auch das Kaufverhalten der Kunden beeinflusst: In China zum Beispiel spielten sich mehr als 30 Prozent des Verkaufsumsatzes über die Online-Kanäle der Trisa-Partner ab und die Verkaufszahlen stiegen um mehr als 20 Prozent. «In Europa und Amerika sind wir davon noch weit entfernt.»

Am meisten Respekt hat er vor einer zweiten Viruswelle, nachdem jetzt alles auf ein Ende der ersten hindeutet. Pfenniger: «Eine zweite Welle würde den Konsumgütermarkt noch stärker in Bedrängnis bringen.» So oder so dürfte die sich abzeichnende Rezession mit hohen Arbeitslosenzahlen die Konsumfreude in weiten Teilen der Welt trüben. Trisa exportiert rund 96 Prozent der Zahnbürsten ins Ausland, in der Gesamtgruppe liegt der Exportanteil bei gut 61 Prozent. Wichtigste Märkte sind Westeuropa und Nord- sowie Zentralamerika. Als im Volumen noch gering, aber mit beeindruckenden Wachstumsperspektiven gelten die Absatzgebiete Ferner Osten und der Mittlere Osten. Trotzdem stehen bei Trisa auch heute keine Produktionsstandorte im Ausland zur Diskussion. Der Trend gehe ohnehin in die andere Richtung, ist Adrian Pfenniger überzeugt. «Die Globalisierung befindet sich im Umbruch. Die Herstellung von systemrelevanten Produkten wird mittelfristig wieder vermehrt vor Ort zurückkehren.»

Holz-Zahnbürsten verkaufen sich gut

Die Forscher und Entwickler bei Trisa befassen sich schon seit einiger Zeit damit, Zahnbürsten aus ressourcenschonenden Materialien herzustellen. Im vergangenen Jahr lancierten die Trienger eine Zahnbürste aus Buchenholz, versehen mit einem Bürstenkopf aus nachwachsenden Rohstoffen. «Das Produkt kam bei den Konsumenten sehr gut an. Die Verkaufszahlen übertrafen die Erwartungen deutlich», sagt Trisa-Geschäftsführer Pfenniger.

Vor wenigen Wochen folgte die nächste Neuheit, sie setzt sich ausschliesslich aus rezyklierten Materialien und nachwachsenden Rohstoffen zusammen. Die neuen Produkte bewegen sich im mittleren sowie oberen Preisbereich und machen einen einstelligen Prozentsatz der verkauften Zahnbürsten aus. In der Produktpipeline befindet sich eine weitere Zahnbürste, die dank einem auswechselbaren Bürstenkopf eine längere Nutzungszeit möglich machen soll. Auch bei den Verpackungen setzen die Produktingenieure aus Triengen den Hebel an.

Es sind die Verkaufspartner, die auf die Entwicklung neuartiger Produkte drängen. Sie brauchen bei Trisa indes keine Überzeugungsarbeit zu leisten. Pfenniger: «Innovation und Nachhaltigkeit sind bei uns keine Leerformeln. Sie sind eng mit der Firmengeschichte verbunden.» Er spielt damit auf die in den 1960er-Jahren eingeführte und bis heute praktizierte Mitarbeiterbeteiligung oder die hohen Investitionen in umweltgerechte Energiekonzepte in den Werken an.

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