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Was Velos die Allgemeinheit kosten

Soll auch der Bund für bessere Velowege zuständig werden? Darüber stimmen die Schweizer demnächst ab. Nun legt der Bund neue Zahlen vor. Velofahrer verursachen jährlich Kosten von 100 Millionen Franken, die sie nicht selbst tragen. Das entspricht 0,6 Rappen pro gefahrenen Kilometer.
Fabian Fellmann
Bei der Veloinfrastruktur soll der Bund künftig eine Koordinationsrolle einnehmen. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Bei der Veloinfrastruktur soll der Bund künftig eine Koordinationsrolle einnehmen. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Auch sie profitieren von der Allgemeinheit: Velofahrer verursachen jährlich Kosten von 100 Millionen Franken, die sie nicht selbst tragen. Das entspricht 0,6 Rappen pro gefahrenen Kilometer. Dies geht aus dem jüngsten Bericht über die externen Effekte des Verkehrs des Bundesamts für Raumentwicklung hervor.

Die Studie versucht in Franken zu beziffern, wie das Herumfahren mit Autos, Lastwagen, Zügen und Velos die Umwelt beeinflusst. Der Ansatz ist umfassend: Er berücksichtigt mehr als ein Dutzend Faktoren, von Lungenkrankheiten, Ernteausfällen und Gebäudeschäden wegen hoher Luftverschmutzung über Lärm bis zu Verwaltungskosten von Versicherungen bei Unfällen. Dabei rutschen die Velofahrer unter dem Strich ins Minus. Schuld sind vor allem die hohen Kosten für Unfälle. Berücksichtigt dabei werden einzig jene Unfälle, welche die Velofahrer selbst verursachen: 525 Millionen Franken an Kosten entstanden deswegen im Jahr 2015, auf dem die Studie beruht. Dabei sind jene der schnellen Elektrovelos mit Tempi über 25 Stundenkilometer noch nicht einmal enthalten. Diese werden den Motorrädern zugerechnet. Ebenfalls nicht berücksichtigt sind die Infrastrukturkosten für Velos. Die neuste Zahl dazu stammt von 2010, als Bund, Kantone und Gemeinden 423 Millionen Franken investierten.

Veloverkehr nimmt stark zu

Die Zahlen sind besser als bei der letzten Berechnung vor vier Jahren. Dazu beigetragen hat, dass vor allem in den Städten mehr Velofahrer unterwegs sind. 2015 machten sie 4 Prozent des Gesamtverkehrs in St. Gallen, 12 Prozent in Luzern und 17 Prozent in der Velohauptstadt Basel aus, ein Wachstum zwischen 1 und 6 Prozentpunkten. Den Befürwortern des Bundesbeschlusses Velo kommen die neuen Zahlen zu den Kosten ungelegen. Der Gegenvorschlag zur Velo-Initiative, die zurückgezogen wurde, kommt im September zur Abstimmung. Bisher sind für die Velo­infrastruktur Kantone und Gemeinden zuständig. Neu soll der Bund eine Koordinations- und Unterstützungsrolle einnehmen, vorerst mit 1,5 Stellen. Das sei dringend nötig, sagt Jürg Haener vom Interessenverband Pro Velo Schweiz: «Der Veloverkehr nimmt viel schneller zu, als die Kantone bisher die Infrastruktur ausbauen.» Darin sei ein Grund für die hohen Unfallkosten zu suchen. «Es geschehen so viele Unfälle, weil die Infrastruktur noch nicht den neuen Gewohnheiten der Leute entspricht», sagt Haener. In Dänemark oder den Niederlanden ereigneten sich weniger Unfälle, weil ein durchgehendes Velowegnetz bestehe.

Sollen Velofahrer für Infrastruktur zahlen?

Der Bundesbeschluss solle die Situation verbessern, indem bei der Strassenplanung frühzeitig an die Zweiradfahrer gedacht werde. «Dann sind die Kosten für Velowege auch geringer, als wenn später bestehende Strassen umgebaut werden müssen», sagt Haener. Pro Velo nimmt auch die Lenker in die Pflicht: «Wir wollen die Velofahrer aber auch besser ausbilden, denn wenn diese im Strassenverkehr mehr Gewicht erhalten, haben sie auch eine grössere Verantwortung», sagt Haener. Jährlich nähmen 10000 Personen an den Velokursen teil. Der Berner SVP-Nationalrat Manfred Bühler findet eine Bundeskompetenz für Velos unnötig. Das werde viel Geld kosten, ohne dass nennenswerter Mehrwert entstehe. «Die richtige Lösung für Velos in den Alpen ist nicht dieselbe wie in Luzern oder in einer Dorflandschaft», sagt Bühler, der nach eigenen Angaben oft Velo fährt. Mit Blick auf die externen Kosten findet er: «Ganz allgemein könnte man die Frage prüfen, ob sich die Velofahrer nicht in irgendeiner Weise an den Kosten des Strassenbaus beteiligen sollten, jedenfalls an jenem Teil, der ihnen zugutekommt.»

Wie die Abstimmung vom 23. September auch ausgeht: Trösten können sich Velofahrer damit, dass sie laut Fachleuten viel Gutes für sich selbst tun. Sie erzeugen gemäss Bundesstudie sozialen Nutzen von 10 Milliarden Franken jährlich: 276 Millionen, indem sie seltener krank sind, und 9,7 Milliarden Franken an «gewonnenen Lebensjahren», weil sie länger leben. Allerdings werden die Zweiräder auch hierbei von den Fussgängern überholt: Diese schaffen jährlich 20 Milliarden Franken an sozialem Nutzen.

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