Wo im Kanton Luzern die Stromsparer und die Stromsünder leben

Der Kanton Luzern hält den Gemeinden den Energiespiegel vor. Am meisten Strom verbrauchen die Einwohner von Flühli. Auffällig tief sind die Werte in Werthenstein und Luthern. 

Lukas Nussbaumer
Hören
Drucken
Teilen

Kaum ein Hersteller von mit Strom betriebenen Geräten verzichtet in der Werbung auf die Betonung der hohen Energieeffizienz und des geringen Verbrauchs. Und doch nimmt der Stromverbrauch pro Einwohner nicht ab, sondern steigt – wenn auch nur leicht. Das zeigt die jüngste Auswertung von Daten der kantonalen Stromversorger, welche die Dienststelle Umwelt und Energie des Kantons Luzern vorgenommen hat. Die CKW ist mit einem Anteil von über 70 Prozent die mit Abstand grösste Stromlieferantin der zehn Stromversorger im Kanton Luzern.

Die zum Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement gehörende Dienststelle hat den sogenannten «Energiespiegel für Gemeinden» 2015 initiiert. Der Spiegel gibt eine Übersicht über die wichtigsten Energiekennzahlen aller Gemeinden und informiert unter anderem über den derzeitigen Stand des Energiekonsums und der Energieproduktion (siehe Kasten am Ende des Beitrags).

Mit Einbezug von Grossverbrauchern wäre der Verbrauch gesunken

Doch was sind die Gründe für den gestiegenen Stromverbrauch pro Einwohner, gemessen in kWh/a, also in Kilowattstunden pro Jahr? Marco Lustenberger, Energie-Fachspezialist der Dienststelle, hat eine Erklärung dafür. «Da in den Berechnungen im Energiespiegel die Grossverbraucher mit einem Verbrauch von über 100 Megawattstunden pro Jahr für den Pro-Kopf-Konsum ausgeschlossen werden, ist eine leichte Zunahme erkennbar.» Berücksichtige man auch den Verbrauch der Grossen, so resultiere eine Reduktion um zirka 350 KWh pro Kopf zwischen 2015 und 2019. Letztlich hat der Stromverbrauch im Kanton Luzern zwischen 2015 und 2019 pro Einwohner – berechnet aus dem Verbrauch von Haushalten und Gewerbe ohne Grossverbraucher – um 70 Kilowattstunden zugenommen (siehe Grafik).

Diese leichte Zunahme entspricht etwa 70 Waschgängen im 60-Grad-Modus, einem während rund 700 Stunden laufenden Fernseher oder dem Strombedarf für das Kochen von knapp 5000 Tassen Kaffee.

Flühli schlägt nach oben aus

Wer die Zahlenreihen für die 83 Luzerner Gemeinden (die Anfang Jahr zusammengeschlossenen Kommunen Altishofen und Ebersecken erscheinen künftig unter Altishofen) analysiert, stellt grosse Unterschiede fest. Die grössten Stromsünder leben demnach in Flühli, wo der schon 2015 vergleichsweise sehr hohe Verbrauch seither noch einmal gestiegen ist. Ein Grund könnte der Tourismus sein, aber auch ein Fehler in der Übermittlung der Daten.

So lässt sich sagen, dass der Stromverbrauch in ländlichen Gemeinden tendenziell höher ist als in städtischen. Auch dafür hat Marco Lustenberger eine Erklärung:

«Ein städtisches Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen braucht im Normalfall weniger Strom als sechs Einfamilienhäuser auf dem Land.»

Das zeigt sich in der Statistik eindrücklich: Neben der Stadt Luzern liegt der Stromverbrauch auch in den grossen Agglo-Gemeinden Kriens und Horw unter dem kantonalen Mittel. Für Emmen werden keine Daten ausgewiesen, da dort der Anteil der grossen Strombezüger wie dem Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach am Gesamtverbrauch bei über 80Prozent liegt. Aus dem gleichen Grund fehlen im jüngsten Energiespiegel Vergleichswerte in weiteren sechs Gemeinden.

Trotz klarem Trend lässt sich der Grundsatz «tiefer Stromverbrauch in Stadt und Agglo, hoher auf dem Land» nicht pauschalisieren. Denn oft sind Stromfresser wie Rechenzentren in städtischen Gebieten anzutreffen.

Glühbirnen sind regelrechte Stromfresser.

Glühbirnen sind regelrechte Stromfresser.  

Bild: Getty

Ausreisser nach unten sind Werthenstein und Luthern

Während Flühli und weitere Entlebucher Gemeinden viel Strom verbrauchen, sind die Werte in Werthenstein und Luthern auffällig tief. Warum, wird die Dienststelle Umwelt und Energie überprüfen. Insgesamt ist der Stromverbrauch in 38 Gemeinden gesunken und in 29 gestiegen. In nur 10 Gemeinden – darunter aber grosse wie Luzern, Kriens und Horw – liegt der Verbrauch unter oder beim kantonalen Durchschnittswert.

40 der 83 Gemeinden tragen das Label «Energiestadt». Energiestädte setzen sich für eine effiziente Nutzung von Energie, den Klimaschutz und für erneuerbare Energien sowie umweltverträgliche Mobilität ein. Ob ein Zusammenhang zwischen dem Label und einem sinkenden Stromverbrauch besteht, wurde im «Energiespiegel» nicht analysiert. Sicher ist: In 18 Luzerner «Energiestädten» ist der Stromverbrauch in den vergangenen vier Jahren gesunken, in 14 ist er gestiegen, und in 7 fehlen aufgrund von Grossverbrauchern Vergleichswerte. Adligenswil weist 2019 und 2015 den gleichen Verbrauch aus.

Im Klimabericht werden exaktere Daten publiziert

Luzerner


Ziel des «Energiespiegels» ist eine möglichst genaue Abbildung der Daten pro Gemeinde. Die Werte stammen von den Stromversorgern und aus dem von den Gemeinden bewirtschafteten Gebäude- und Wohnungsregister. Je nach Datenqualität können die im Energiespiegel veröffentlichten Zahlen Fehler aufweisen. Da Energiedaten in Zukunft immer wichtiger werden, hat der Kanton Luzern im Herbst den Aufbau eines kantonalen Energieinformationssystem lanciert.
Analysen daraus wird die Regierung dann in ihren Planungsbericht über die kantonale Klima- und Energiepolitik integrieren. Dieser wird dem Kantonsrat spätestens 2021 vorgelegt. (nus)

Detaillierte Daten pro Gemeinde gibts unter: www.uwe.lu.ch