Monarchie
100 Jahre Monaco: Ein Königreich für ein Casino

Monaco ist vielleicht das seltsamste Staatsgebilde der Neuzeit – mit Steueroase, Jachthafen und einem weltberühmten Casino. Vor dem Fürstenpalast liegen die Paparazzi auf der Lauer, das nationale Museum stellt Ferraris aus.

Stefan Brändle, Paris
Drucken
Fürst Rainier III. und Grace Kelly im Jahr ihrer Hochzeit, 1956. KARSH/key

Fürst Rainier III. und Grace Kelly im Jahr ihrer Hochzeit, 1956. KARSH/key

Diese Woche feiern die 32 000 Einwohner auch ein nationales Jubiläum: Im Januar 1911 hatte sich das Fürstentum der Grimaldis zu einer konstitutionellen Monarchie formiert.

Ursprünglich Piraten

Zuvor hatte auf dem «Felsen» am Mittelmeer – die Monegassen nennen ihr Kleinod noch heute «le rocher» – eher Faustrecht geherrscht. Einer der ersten Grimaldis, von Beruf Pirat, hatte die Genueser 1297 (also sechs Jahre nach der Gründung der Eidgenossenschaft) mit einer Mönchskutte getarnt vertrieben.

Während der Französischen Revolution und danach im Freiheitskampf des Italieners Garibaldi rebellierten die Monegassen aber gegen ihre Fürsten und riefen einen Freistaat aus. Unter anderem dank dem Wiener Kongress konnten die Grimaldis die Herrschaft wieder an sich reissen.

Die beiden Nachbarorte Menton und Roquebrune liessen sich aber nicht unterjochen und schlossen sich lieber Frankreich an. Die Grimaldis verloren damit 94 Prozent ihres Herrschaftsgebietes. Um den bloss noch 1000 verbliebenen Untertanen ein Auskommen zu sichern, eröffnete die «Société des Bains de Mer» in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Casino; der Fürst schaffte dafür die Einkommenssteuern ab.

Seit 1911 eine Verfassung

Die Monegassen blieben indes aufmüpfig, weshalb ihnen Albert I. am 5. Januar 1911 endlich eine Landesverfassung gewähren musste. Monaco wurde eine konstitutionelle Monarchie und erhielt ein Parlament. Viel zu sagen hatte es aber nie: Gesetze kann nur der Fürst vorschlagen; gebilligt wurden sie von den 24 Abgeordneten noch immer.

Jahrzehntelang gehörten diese allesamt zur Grimaldi-Partei «Union Nationale et Démocratique» (UND). Erst 2003 trat eine Oppositionspartei namens «Union für Monaco» (UPM) an. Und siehe da, sie gewann auf Anhieb alle 24 Sitze. Damit hatte sich die Revolution an der Wahlurne aber auch schon erschöpft: Heute gilt die UPM als die Partei, die in der Gunst des Fürsten steht.

Auch die 7000 wahlberechtigten Bürger Monacos dulden ohne Murren, dass ihr Staatswesen weder Presse- noch Versammlungsfreiheit kennt, weder Gewaltentrennung noch formelle Gleichstellung der Frau. Der Fürst bewahrt sogar das persönliche Recht, missliebige Gäste per Federstrich des Landes zu verweisen.

Davon betroffen sind meist nur jene 25 000 Einwohner, die nicht das Bürgerrecht geniessen – Hotelboys, Croupiers und Putzfrauen. Dieses Dienstpersonal der «Principauté» hat nicht einmal das Wahlrecht. Bloss Frankreich schaut dem Ministaat via bilateralen Staatsvertrag ein wenig auf die Finger. Die französischen Spitzenbeamten in Monaco kontrollieren aber meist nur, dass Franzosen dort kein Steuerdomizil aufschlagen.

Fürstenhochzeit im Juli

So könnten die Grimaldis eigentlich sorgenlos in die Zukunft blicken – wenn ihr einziger männlicher Spross, Albert II., nicht schon 52 Jahre alt und immer noch kinderlos wäre. Sein Vater, der 2005 verstorbene Fürst Rainier III., liess deshalb die Verfassung ändern: Notfalls können auch die Kinder seiner Töchter Caroline und Stefanie die fürstliche Linie weiterführen. Wie es scheint, war die Vorsichtsmassnahme aber unnötig: Im Juli heiratet Albert II. die um 20 Jahre jüngere Südafrikanerin Charlene Wittstock.