Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Blutiger Drogenkrieg in Bangladesch

In Bangladesch sind die Behörden zu einem harten Kampf gegen Drogenkriminalität übergegangen, wie es seit 2016 die Philippinen vormachen.
Ulrike Putz, Singapur
Polizisten verhaften angebliche Drogendealer in Dhaka. (Bild: Monirul Alam/EPA (Dhaka, 28. Mai 2018))

Polizisten verhaften angebliche Drogendealer in Dhaka. (Bild: Monirul Alam/EPA (Dhaka, 28. Mai 2018))

108 Tote und über 10000 Verhaftete: Das ist die traurige Bilanz der ersten zwei Wochen einer Anti-Rauschgift-Kampagne in Bangladesch. Am 4. Mai erklärte die Premierministerin des südostasiatischen Landes, Sheikh Hasina Wazed, dass Sicherheitskräfte künftig freie Hand hätten, mit aller Härte gegen Dealer und Konsumenten des als Yaba bekannten Cocktails aus Methamphetamin und Koffein vorzugehen. Der Kampf gegen Drogen müsse mit derselben Unnachgiebigkeit geführt werden wie der gegen die in Bangladesch Fuss fassende Terrormiliz Islamischer Staat, so Sheikh Hasina.

Einsatzkommandos landesweit machen nun Jagd auf angebliche Drogenschmuggler. Glaubt man den offiziellen Verlautbarungen, so spielen sich die Razzien dabei nach immer gleichem Muster ab: Eine Spezialeinheit rückt an, die ertappten Dealer und Drogenabhängigen eröffnen das Feuer, die Polizei schiesst zurück. Zum Schluss sind einige Zivilisten tot, viele weitere verhaftet. Inzwischen mehren sich jedoch die Stimmen, die sagen, dass es bei dem Drogenkrieg, dessen Methoden sich die bangalische Regierung bei den Philippinen abgeschaut zu haben scheint, nicht mit rechten Dingen zugeht. Auf den Philippinen wurden seit dem Amtsantritt von Präsident Rodrigo Duterte 2016 bei einem brutalen Krieg der Sicherheitskräfte gegen Rauschgifthändler geschätzte 20000 Menschen getötet. Viele der Opfer scheinen dabei völlig unschuldig zu sein.

Lage hat sich seit Rohingya-Krise verschärft

Auch im Falle Bangladeschs warnen Menschenrechtler davor, dass staatlich bestellte Todesschwadronen ungehindert und willkürlich töten würden. «Die Sicherheitskräfte haben freie Hand und sind Ankläger, Richter und Vollstrecker in einem», twitterte der prominente Blogger Pinaki Bhattacharya. Human Rights Watch warnte davor, dass Polizei und Armee unkontrolliert agieren würden.

Dass Dhaka seine auf Terrorbekämpfung fokussierte Spezialeinheit Rapid Action Battalion nun auf Dealer und Junkies losgelassen hat, liegt daran, dass Bangladesch tatsächlich mit einem massiven Drogenproblem zu kämpfen hat. Von den etwa 166 Millionen Einwohnern sollen bis zu 7 Millionen zumeist junge Bangalen von Yaba abhängig sein. Innerhalb von nur zehn Jahren ist Bangladesch damit zu einem der grössten Absatzmärkte der vor allem im Norden Burmas hergestellten Droge geworden. Das Rauschgift wird dort im Gliedstaat Wa in kleinen Labors gekocht und dann von Schmugglern über den Grenzfluss Naf nach Bangladesch gebracht, beschreibt das Büro der Vereinten Nationen für Rauschgiftkriminalität die Herkunft des mit Chrystal Meth verwandten Stoffs.

Die Drogenkrise habe sich seit dem vergangenen Sommer akut verschärft, weil viele der über die Grenze nach Bangladesch flüchtenden Angehörigen der muslimischen Minderheit der Rohingya Drogen aus Myanmar mitbrächten, sagt die bangalische Polizei. Seit dem vergangenen August sind etwa 700000 Rohingya gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben worden und über den Grenzfluss Naf in das Nachbarland geflohen. Viele seien auf den Booten von Drogenschmugglern übergesetzt. Den Flüchtlingen würden die Kosten für die Überfahrt erlassen, wenn sie sich bereit erklärten, Pillen mit über die Grenze zu nehmen, so die Polizei.

Neun Millionen Pillen beschlagnahmt

Der Schmuggel und der Vertrieb von Yaba seien eine der wenigen Einnahmequellen für die Flüchtlinge, die in Bangladesch nicht arbeiten dürften, sagt Jamaluddin Ahmed, Chef der Behörde für Rauschmittelkontrolle in Dhaka. Er warnte jedoch davor, die Rohingya pauschal für die Krise verantwortlich zu machen. «Sie sind Opfer der Umstände», so Ahmed, der stattdessen die burmesische Regierung in der Verantwortung sieht. «Bereits im November 2017 haben wir Burma offiziell eine Liste von 45 Drogenlaboren überreicht – aber es ist kaum etwas passiert.»

Die bangalische Polizei hat allein in den vergangenen drei Monaten neun Millionen Yaba-Pillen beschlagnahmt. Trotzdem gelangen immer noch grosse Mengen des Stoffes auf den bangalischen Markt: Die Preise für Yaba seien seit Beginn der Flüchtlingskrise um bis zu 50 Prozent gefallen, sagen die Ermittler.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.