Militärmacht
Zwei Millionen chinesische Soldaten sind «kampfbereit»: Was hat Xi Jingping mit ihnen vor?

Der chinesische Präsident schwört seine Truppen auf eine konfrontative Zeit ein – und rüstet mächtig auf.

Fabian Kretschmer aus Peking
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Diszipliniert und bislang glücklicherweise zurückhaltend: Chinas Truppen sollen aufgerüstet werden.

Diszipliniert und bislang glücklicherweise zurückhaltend: Chinas Truppen sollen aufgerüstet werden.

Bild: Wu Hong/EPA (Peking, 1. Oktober 2019)

Nur noch «Patrioten» für Amtsposten in Hongkong, sechs Prozent Wirtschaftswachstum fürs kommende Jahr und massive Investitionen in Forschungsprogramme: Chinas Nationaler Volkskongress hat die politische Richtung für die nahe Zukunft vorgegeben. Für besonderes Aufsehen sorgten die martialischen Töne von Staatspräsident Xi Jinping. Der 67-Jährige rief die knapp zweieinhalb Millionen Soldaten der Volksbefreiungsarmee zu «Kampfbereitschaft» auf. «Die aktuelle Situation unseres Landes ist instabil und unsicher», sagte Xi. Die Verteidigungsausgaben sollen 2021 um fast sieben Prozent wachsen.

Nach aussen inszenierte sich die Volksbefreiungsarmee bislang als reine Verteidigungsarmee. Chinas verfügt über nur eine Militärbasis im Ausland: Der Stützpunkt in Dschibuti soll vor allem den Schiffsverkehr am Horn von Afrika sichern. Geoff Raby, einstiger Botschafter Australiens in Peking, erklärt, dass China bis jetzt vor allem mit seinen inneren Konflikten in Tibet, Xinjiang und Hongkong beschäftigt war und keine Ambitionen an militärischen Interventonen im Ausland hegte. Doch die Rhetorik unter Xi Jinping sei deutlich bedrohlicher geworden.

China hat etliche Konfliktherde vor der eigenen Haustür:

Seit Jahrzehnten streiten sich Indien und die Volksrepublik um den Verlauf ihrer Landesgrenze. 2020 eskalierte der Disput. Bei einem Kampf sind 20 indische und 4 chinesische Soldaten ums Leben gekommen.

Auch Taiwan, das China als abtrünnige Provinz einstuft, bekommt die militärische Macht Chinas zu spüren. Zuletzt sind im Januar etliche Bomber, Kampfjets und ein U-Boot-Abwehrflugzeug in den von Taiwan kontrollierten Luftraum eingedrungen. Laut offizieller Linie möchte China bis 2049 Taiwan «wiedervereinen» – notfalls mit militärischem Zwang.

Im Südchinesischen Meer sprechen Experten von einer «schleichenden Annexion». China hat dort mehrere künstliche Inseln aufgeschüttet, um seine Gebietsansprüche mit durchzusetzen.

Am drastischsten lässt sich die globale Verschiebung der Militärmacht bei der chinesischen Marine beobachten. In weniger als zwei Dekaden hat sich die Streitkraft der Marine mehr als verdreifacht und ist zur weltweit grössten aufgestiegen.

Gleichzeitig hat die Volksbefreiungsarmee 300'000 Soldaten in Frührente geschickt, um Kosten einzusparen. Stattdessen setzt das Militär auf technologische Erneuerung: Statt auf Soldaten setzt man auf künstliche Intelligenz und unbemannte Waffensysteme.