Affäre Berlusconi

5000 Euro für Sex mit Berlusconi

Kein Tag ohne Eklat in Italien: Nach den jüngsten Enthüllungen eines Callgirls wird es für den Regierungschef eng.

Dominik Straub, Rom
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5000 Euro für Sex mit Berlusconi

5000 Euro für Sex mit Berlusconi

Kein Tag ohne neuen Eklat in Rom: Erneut hat ein Callgirl ausgepackt und über Silvio Berlusconis Sexleben geplaudert. Die neue Zeugin heisst Nadia Macri, ist 28-jährig und hat braune Haare, dunkle Augen und eine makellose Figur. Das Callgirl berichtete den Staatsanwälten von Palermo, dass sie insgesamt dreimal bei Silvio Berlusconi zu Besuch gewesen sei, zweimal in seiner Villa in Arcore und einmal in Sardinien. Bei zwei Partys habe sie Sex mit dem «presidente» gehabt, und beide Male habe sie 5000 Euro für ihre Dienstleistungen erhalten.

Die Aussagen der jungen Frau waren gestern unter anderem im «Corriere della Sera» nachzulesen. Sie sind reich an Details und vermitteln eine Vorstellung davon, was Berlusconis 17-jährige Bekannte «Ruby» gemeint haben könnte, als sie berichtete, dass es an den Festen des Cavaliere jeweils zu einem «Bunga-Bunga» komme. «In Arcore waren wichtige Leute: Sänger, Unternehmer, Advokaten, Notare», erinnerte sich Nadia Macri. Doch die seien irgendwann alle wieder gegangen. «Am Schluss waren nur noch wir Mädchen, die sich mit dem ‹presidente› abwechselten. Er sagte jeweils: die Nächste, bitte!» Auch im Swimmingpool sei es zu Geschlechtsverkehr gekommen.

Auch ein Minister war dabei

Ausserdem behauptet Macri, bei der Party in Sardinien seien den insgesamt 25 Mädchen auch Marihuana-Joints angeboten worden – eingeflogen vom Privatjet Berlusconis. Und: Zu ihren Kunden hätten auch Berlusconis Minister für die öffentliche Verwaltung, Renato Brunetta sowie der Bürgermeister von Parma, gezählt. Beide dementieren entrüstet. Während Berlusconi im Zuge der «Noemi-Affäre» im Frühsommer 2009 seine Frau Veronica verlor, läuft der Cavaliere beim neuen Skandal nun ernsthaft Gefahr, sein Amt als Ministerpräsident einzubüssen.

Es geht auch um Machtmissbrauch

Das Problem sind weniger die Sexpartys und das mitunter zarte Alter der weiblichen Gäste. Die Vorliebe des Premiers für sehr junge Frauen und für Damen des horizontalen Gewerbes sind hinlänglich bekannt und haben ihm vor eineinhalb Jahren nicht gross geschadet. Doch beim neuen Skandal geht es auch um Machtmissbrauch: Berlusconi hatte im Mai persönlich im Polizeipräsidium von Mailand angerufen, um auf die Freilassung seiner wegen Diebstahlverdachts festgenommenen Bekannten «Ruby» zu drängen.

Gefährlich ist der aktuelle Skandal jedoch vor allem deshalb, weil sich seit dem Sommer 2009 die politischen Rahmenbedingungen verändert haben – zuungunsten des Regierungschefs. Beim Bekanntwerden des «Noemi-Skandals» schwamm Berlusconi auf einer Welle der Popularität. Beim neuen, «Ruby-Gate» genannten Skandal ist dies anders: Schon vor der neuen Affäre herrschte Berlusconi nur noch über eine zutiefst zerstrittene und brüchige Koalition, und die Umfragewerte haben nun einen historischen Tiefstand erreicht.

Tritt Berlusconi zurück?

Fast täglich laufen Abgeordnete und Senatoren seiner Partei PDL zum ehemaligen Parteifreund und heutigen Erzfeind Gianfranco Fini über. Dessen parlamentarische Gruppe «Futuro e Libertà» (FLI) zählt schon gegen 40 Mitglieder – weit mehr, als zum Sturz der Regierung erforderlich wären. Fini wird am kommenden Wochenende seine Getreuen in Perugia zu einem programmatischen Kongress versammeln – und die italienischen Medien spekulieren dar-
über, ob bei dem Treffen der Abzug der FLI-Minister aus der Regierung beschlossen wird. Laut der Zeitung «Repubblica» würde Berlusconi in diesem Fall bei Staatspräsident Giorgio Napolitano vorsprechen und seinen Rücktritt einreichen.

Das Problem Berlusconis ist freilich nicht allein Fini. Sein Hauptproblem ist derzeit er selber. Mitten in den von ihm kaum beeinflussbaren peinlichen Enthüllungen von Minderjährigen und Escortdamen giesst er mit Verbalattacken gegen die Medien und die Justiz und mit primitiven Angriffen auf Homosexuelle selber noch Öl ins Feuer. «Nichts ist schlimmer als diese ständige Wiederholung von Draufhauen und Zurückschlagen, diese verhängnisvolle Vermischung von Öffentlichem und Privatem; die Italiener haben etwas anderes verdient», kommentierte der «Corriere della Sera». Es ist einsam geworden um den Cavaliere.