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6-TAGE-KRIEG: Israels berauschender Sieg

Vor 50 Jahren kämpfte Israel sechs Tage lang gegen seine arabischen Nachbarn Ägypten, Jordanien und Syrien. Autor Amos Oz interviewte nach dem Krieg Soldaten. Die Gespräche gewähren Einblick in ein euphorisiertes Land.
6-tägiger Krieg (Bild: Keystone Archiv)

6-tägiger Krieg (Bild: Keystone Archiv)

Aus israelischer Sicht war es ein Krieg ohne Alternativen. Keine 20 Jahre nach Staatsgründung verfolgten die Nachbarstaaten 1967 noch immer dasselbe Ziel: die Vertreibung der Juden aus dem Land, das bis zum Ende der britischen Mandatszeit Palästina hiess. Unterschiedlich war diesmal, dass nicht die arabischen Truppen einfielen, sondern Israel den Krieg mit einem Präventivschlag gegen Ägypten begann.

Noch im Februar 1967 hielt General Aharon Jariv, Chef des militärischen Nachrichtendienstes, fest, dass wenigstens bis 1970 mit Ägypten «kein Krieg am Horizont» zu sehen sei. Mitte Mai schickte Ägyptens damaliger Präsident Dschamal Abdel Nasser Truppen Richtung Suezkanal und forderte gleichzeitig den Abzug der auf im Sinai stationierten UNO-Truppen. Letztendlich entscheidend für Israels Regierung für den Angriff war die Blockade der Meerenge von Tiran für israelische Schiffe.

«Manchmal sah ich rennende ägyptische Soldaten. Ich ballerte auf sie und freute mich, dass ich so ruhig schiessen konnte», zitiert der israelische Schriftsteller und Journalist Amos Oz den Soldaten Eliahu aus Mishmar Hanegew, der den nach Ägypten vorstossenden israelischen Truppen angehörte. Zusammen mit Avraham Shapira, Professor für Judaistik und jüdische Geschichte, veröffentlichte Oz in einer Neuauflage jüngst die Erlebensberichte israelischer Soldaten während des Sechstagekrieges. «Man schiesst und weint», heisst die deutsche Übersetzung beim Verlag Westend.

Israels Armee gab sich selbstbewusst

Die Ägypter, so berichtet Soldat Eliahu weiter, «schienen mir wie Puppen auf dem Jahrmarkt, die man sich mit dem Luftgewehr vornimmt – und wenn du triffst, bist du unheimlich stolz». Andere taten sich schwerer mit ihrer Mission. «Das Gefühl zu töten. Ich wusste nicht genau, wie ich reagieren würde», berichtete der 22-jährige Amram und erinnert sich an einen feindlichen Soldaten, der «zerschmettert am Boden lag und noch zappelte ... Mir war übel.»

Israels Armee gab sich selbstbewusst. Nur «einmal hineinstechen und sie werden zerplatzen», meinte Usi Narkiss, Kommandant der mittleren Front, über die arabischen Streitkräfte. Der Vormarsch ging noch schneller, als selbst Narkiss es vermutet haben konnte. Schon nach drei Kriegstagen hatte Israel den gesamten Sinai erobert. In Jerusalem erreichten die Truppen die Klagemauer in der Altstadt, wo Verteidigungsminister Mosche Dajan erklärte, dass «wir zu unseren heiligen Stätten zurückgekehrt sind, um uns nie wieder von ihnen zu trennen». In nur sechs Tagen Krieg hatte Israel den Sinai, den Gazastreifen, das Westjordanland inklusive Ostjerusalem und die Golanhöhen erobert.

«Der erste Gefallene, den ich sah, war einer von uns», sagt der Soldat Yossi in dem Buch. «Ich wollte ihm helfen, hob seinen Kopf», berichtet er, dann «bekam ich direkt Schüttelfrost». Rund 700 Tote zählten die Israelis, und auf arabischer Seite ging die Zahl der Gefallenen in die Tausende. «Das Land schäumte regelrecht über, und die Euphorie kannte keine Grenzen», erinnert sich Amos Oz selbst. «Siegesalben, Siegesbücher, Siegeskult, Heldenkult, Nationalkult, Kult um die heiligen Orte. Doch kein Mensch sprach vom menschlichen Leid und erst recht nicht vom besiegten Feind.»

Susanne Knaul, Jerusalem

Hinweis

Avraham Shapira, Amos Oz: «Man schiesst und weint – Gespräche mit israelischen Soldaten», erschienen im Westend-Verlag.

Israeli writer Amos Oz (Bild: Keystone Archiv)

Israeli writer Amos Oz (Bild: Keystone Archiv)

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