Italien
80 Jahre Berlusconi – und nie ein Fehler!

Der mehrfache ehemalige Ministerpräsident ist gesundheitlich und politisch angeschlagen, hofft aber immer noch auf ein Comeback.

Dominik Straub, Rom
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KEYSTONE

Seinen runden Geburtstag wird der Ex-Premier heute in seiner Villa in Arcore begehen, zusammen mit seinen fünf Kindern, den zehn Enkeln, seiner 49 Jahre jüngeren Verlobten Francesca Pascale, den zwei weissen Pudeln und einigen wenigen engen Vertrauten. Ein kleiner, familiärer Rahmen ohne rauschende Party, ohne Feuerwerk und ohne künstlichen Vulkanausbruch wie bei früheren Gelegenheiten. Und natürlich erst recht ohne Bunga-Bunga: Diese Zeiten sind seit seiner Herzklappen-Operation im Juni erst einmal vorbei.

Von der Operation am offenen Herzen hat sich Berlusconi nur langsam erholt, auch psychisch: «Ich habe mein ganzes Leben lang nie ans Alter gedacht, im Gegenteil: Ich habe immer gelebt, als wäre ich vierzig, und so fühlte ich mich auch», erklärt Berlusconi in der aktuellen Ausgabe seiner hauseigenen Klatsch-Zeitschrift «Chi». Die Krankheit und die Operation hätten ihm eindringlich bewusst gemacht, «dass ich ein Achtzigjähriger bin». Das Akzeptieren der eigenen Endlichkeit dürfte schwierig gewesen sein für den einstigen Party-Löwen der Nation, dem sein Hausarzt noch vor wenigen Jahren attestiert hatte, «technisch gesehen unsterblich» zu sein.

Kommunistenregime verhindert

Mit seiner politischen Bilanz ist der Jubilar jedoch im Reinen: Er sei 1994 «aufs Feld getreten», um eine Machtübernahme durch die Kommunisten zu verhindern. Damals seien ja alle fünf Parteien, die Italien seit dem 2. Weltkrieg regiert hätten, vom Schmiergeld-Skandal «Tangentopoli» hinweggefegt worden: Es habe ausser ihm, Berlusconi, keine Alternative gegeben. In seiner langen öffentlichen Karriere habe er dann «sowohl aussenpolitisch als auch innenpolitisch keinen einzigen Fehler begangen», betont der Ex-Premier in seiner Klatsch-Zeitschrift.

Staatspräsident Giorgio Napolitano, ein Ex-Kommunist, hatte Berlusconi 2011 zum Rücktritt gedrängt, um einen Staatsbankrott zu verhindern und einen politischen Neuanfang mit dem Wirtschaftsprofessor und ehemaligen EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti zu ermöglichen. In den Augen von Berlusconi war das nichts anderes als ein Komplott gewesen, ein Putsch, um ihn loszuwerden. Eine noch viel finsterere Intrige waren in seinen Augen zwei Jahre später die Verurteilung wegen Steuerbetrugs und sein Rauswurf aus dem Senat, verbunden mit einem sechsjährigen Ämterverbot. Wenigstens das Gefängnis blieb dem Ex-Premier erspart: Aufgrund seines Alters durfte er seine Freiheitsstrafe in Form von Sozialdienst in einem Altersheim ableisten.

«Eigentlich hat mich die Politik nie mit besonderer Leidenschaft erfüllt», sagt Berlusconi in «Chi». Sie habe ihn vielmehr «einen Haufen Zeit und Energie gekostet». Sein Wahlverein «Forza Italia» ist auf Talfahrt. Mehr als zehn Prozent der Stimmen traut man ihm nicht mehr zu. Trotzdem hat Berlusconi die Hoffnung auf ein politisches Comeback nie aufgegeben, zumindest nicht ganz. Voraussichtlich im nächsten Frühling wird der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte über den Rekurs entscheiden, den der Ex-Ministerpräsident gegen seine Verurteilung wegen Steuerbetrugs und gegen sein Ämterverbot eingelegt hat. «In Strassburg werden die ganzen Anomalien dieses ungerechten Urteils erkannt werden», erklärte Berlusconis langjähriger Anwalt Niccolo Ghedini in diesen Tagen. «Und es wird sich zeigen, dass Berlusconi komplett unschuldig ist.» In diesem Fall könnte der Ex-Premier theoretisch wieder in sein altes Amt zurückkehren. «Der Visionär Berlusconi», schrieb der «Corriere della Sera» gestern mit einem Schuss Ironie, «hat weiterhin nur eine Vision: Berlusconi.»