Ab in die Karibik? Skandalkönig Juan Carlos flieht ins Exil

Korruptionsvorwürfe und Schwarzgeld in der Schweiz: Spaniens Altkönig Juan Carlos wird aus dem Palast geworfen und verlässt das Land.

Ralph Schulze aus Madrid
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Ein Arbeiter transportiert ein Porträt von Juan Carlos ab.

Ein Arbeiter transportiert ein Porträt von Juan Carlos ab.

Bild: E. Sanz/Getty (Pamplona, 15. Juni 2020)

«Juan Carlos verlässt Spanien», titelten fast alle spanischen Tageszeitungen. Doch die Umstände dieser plötzlichen Ausreise jenes Mannes, der 39 Jahre lang Spaniens königliches Staatsoberhaupt war, gleichen eher einer Flucht. Denn der öffentliche Druck auf den König im Ruhestand, der wegen eines Korruptionsskandals und geheimen Auslandskonten im Zwielicht steht, war immer grösser geworden. So gross, dass sein Sohn, König Felipe, der 2014 die Krone geerbt hatte, sich gezwungen sah, seinem Vater den Stuhl vor die Palasttür zu stellen.

Kurz nachdem der 82-jährige Juan Carlos I. am Wochenende seinen Abschiedsbrief an Felipe diktiert hatte, soll er das Land schon verlassen haben. Als das Königshaus am Montagabend die Bombe platzen liess und das Schreiben veröffentlichte, befand sich Juan Carlos offenbar schon in der Ferne. Übrigens ohne Königin Sofía.

Die 81-Jährige Mutter Felipes lebt wegen der zahlreichen Liebesabenteuer ihres Angetrauten schon länger von Juan Carlos getrennt. Sie wird nicht mit den illegalen Machenschaften in Verbindung gebracht und darf weiter im Madrider Zarzuela-Palast, dem offiziellen Sitz der Königsfamilie, wohnen.

Von Portugal aus in die Dominikanische Republik

Die monarchistische Zeitung «ABC» will unterdessen erfahren haben, dass der alte König am Montagmorgen von der portugiesischen Stadt Porto in die Dominikanische Republik geflogen ist. In dem Karibikstaat besitzt Juan Carlos’ kubanischer Millionärsfreund Pepe Fanjul, ein steinreicher Zuckerfabrikant, einen luxuriösen Hotelkomplex namens «Casa de Campo». Fanjul habe ihm angeboten, erst einmal dort, in einer abgeschirmten Residenz, Zuflucht zu suchen, heisst es.

Das Königshaus schweigt dazu, dementierte die Information aber auch nicht. Währenddessen betont Juan Carlos’ Rechtsanwalt, dass sein Mandant mit dem Verlassen des Landes keineswegs vor den spanischen Strafverfolgern geflohen sei, die derzeit eine Anklage gegen den alten König prüfen. Vielmehr stehe das Ex-Staatsoberhaupt weiterhin der Justiz zur Verfügung.

Der 82-Jährige wird inzwischen schon öfter jenen Tag verflucht haben, an dem er sich in die deutsche Geschäftsfrau Corinna zu Sayn-Wittgenstein verliebte. Mehrere Jahre blieb diese aussereheliche Beziehung geheim. Bis zum Jahr 2012. Damals brach sich Juan Carlos bei einer Elefantenjagd in Botswana die Hüfte. Und die Öffentlichkeit erfuhr dadurch, dass nicht Sofía, sondern Sayn-Wittgenstein seine Begleiterin war.

Das war das Ende der Beziehung zwischen Juan Carlos und Corinna. Und dies markiert zugleich den Anfang des königlichen Untergangs. Denn die Ermittlungen kamen in Gang, nachdem die von Juan Carlos enttäuschte Deutsche mehrmals mit einem spanischen Polizeioffizier über die illegalen Geschäfte ihres früheren Liebhabers plauderte. Der Beamte nahm die vertraulichen Gespräche auf, die 2015 und 2016 geführt wurden. Die Aufzeichnungen landeten schliesslich bei der Justiz.

Er unterscheidet nicht zwischen dem, was legal ist und was illegal ist

Auf den Tonbändern berichtet Sayn-Wittgenstein, dass Juan Carlos prall gefüllte Schwarzgeldkonten in der Schweiz unterhalte. Und dass er als Staatsoberhaupt für lukrative Geschäfte, die er zwischen der spanischen Industrie und arabischen Ölstaaten vermittelt habe, millionenschwere Schmiergelder kassiert habe. «Er unterscheidet nicht zwischen dem, was legal ist und was illegal ist», sagte Sayn-Wittgenstein. Die späteren Ermittlungen förderten reichhaltiges Material zutage. Dazu gehören Bankdokumente, welche die dunklen Finanzmanöver belegen sollen.

Wie geht es nun weiter? Eine Anklage ist im Falle eines spanischen Königs nicht so einfach. Laut Spaniens Verfassung kann das Staatsoberhaupt für Straftaten während der Amtszeit grundsätzlich nicht belangt werden. Nur Delikte, die Juan Carlos nach der Abdankung im Jahr 2014 begangen hat, können geahndet werden. Spaniens Staatsanwälte prüfen nun, ob Beweise für eine Anklage wegen fortgesetzter Steuerhinterziehung und Geldwäsche vorliegen.