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ABSCHIED: Der Machtwechsel naht – was machen die Obamas danach?

Die USA haben gewählt, und damit ist in zweieinhalb Monaten die Amtszeit von Barack Obama zu Ende. Er wird nun im Ruhestand wieder Zeit haben, sich um das Geldverdienen zu kümmern.
Renzo Ruf/Washington
Verkauften weniger Bücher: Barack und Michelle Obama (Archiv) (Bild: Keystone)

Verkauften weniger Bücher: Barack und Michelle Obama (Archiv) (Bild: Keystone)

Die Wahlkampfstimmung hat ihren ­Höhepunkt erreicht. Und der amtierende US-Präsident Barack Obama tritt damit in den Hintergrund. Bevor er bald das Weisse Haus verlässt, hat er an der letzten Wahlkampfveranstaltung der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton noch einmal sein Gewicht in die Waagschale geworfen und gesagt: «Die Wähler müssen die Furcht zurückweisen und für die Hoffnung stimmen.» Natürlich ist der Regierungssitz in Washington geräumiger. Aber immerhin weist das Anwesen, in das die Familie Obama spätestens am 20. Januar 2017 einziehen wird, acht Schlafzimmer und neuneinhalb Badezimmer auf – damit werden wohl auch die Secret-Service-Agenten, die den Präsidenten selbst im Ruhestand auf Schritt und Tritt begleiten, Unterschlupf finden. Die Villa im Washingtoner Stadtviertel Kalorama mit direktem Anstoss an den idyllischen Rock Creek Park soll mehr als 6 Millionen Dollar kosten.

Die Obamas werden aber vorderhand nur zur Miete einziehen (für mehrere zehntausend Dollar pro Monat, munkelt man), schliesslich besitzen Michelle und Barack bereits ein prächtiges Einfamilienhaus in Chicago (Illinois). Weil die jüngste Tochter aber die obligatorische Schulpflicht im Grossraum Washington abschliessen will – die Privatschule von Sasha Obama (15) befindet sich zehn Autominuten vom neuen Anwesen entfernt –, haben sich die Obamas dazu entschieden, zumindest noch ein Jahr lang in Washington zu bleiben. Das ist ungewöhnlich – normalerweise kehren Ex-Präsidenten der Hauptstadt fast fluchtartig den Rücken zu. Die Clintons zog es 2001 in einen Vorort von New York City, während die Bushs sich in Dallas (Texas) bequem einrichteten. Obama aber, der bei seinem Rücktritt erst 55 Jahre alt sein wird, will sich an solche Konventionen nicht halten.

Eine Bibliothek für den ersten schwarzen Präsidenten

Im Gespräch mit Vertrauten liess er durchblicken, dass er nicht von der öffentlichen Bühne abtreten werde. Zwar ist die Zeit von Obama, dem Politiker, abgelaufen. Aber in den kommenden Monaten will sich Obama als «elder statesman» neu erfinden. Ein wichtiger Pfeiler in dieser Strategie ist die traditionelle Präsidentenbibliothek, die in Chicago an das Vermächtnis des ersten schwarzen US-Präsidenten erinnern soll. Gemäss der Barack Obama Foundation, der gemeinnützigen Bauherrin, solle nicht bloss eine Bibliothek entstehen, in der Ausstellungen und Akten an die Amtszeit des Präsidenten erinnern. Geplant sei ein Begegnungszentrum für Aktivisten aus der ganzen Welt. Passenderweise soll das «Obama Presidential Center», so lautet der Arbeitstitel, deshalb auf der South Side von Chicago gebaut werden, einem Stadtteil mit einer reichen Vergangenheit. Bis zu einer Milliarde Dollar will Obama in den nächsten Monaten für den Bau und den Unterhalt des Museums sammeln. Dabei zählt er auf die Unterstützung von reichen Freunden in Hollywood und im Silicon Valley. Auf der Liste der Gönner sind die Namen von Linkedin-Gründer Reid Hoffman, Filmregisseur George Lucas, Mathematik­genie Jim Simons zu finden.

Ein vergleichsweise bescheidenes Vermögen

Diese Kontakte will Obama wohl auch nutzen, um sich Zugriff auf künftige Einkommensquellen zu verschaffen. Obama muss sich zwar keine Sorgen um Geld machen, auch wenn der Anwalt im Vergleich zu anderen Ex-Präsidenten ein recht bescheidenes Vermögen von 7 bis 12 Millionen Dollar hat. Die Clintons beispielsweise besitzen deutlich mehr als 100 Millionen Dollar. Aber auch er wird sich bald als Vortragsredner andienen und saftige Honorare kassieren. Geplant ist auch ein weiteres Buch, in dem der Präsident über seine Erfahrungen berichten und wohl einige offene Rechnungen begleichen wird. Ausgeschlossen ist wohl eine Rückkehr in die politische Arena. Obama war Lokalparlamentarier, Senator und Präsident – die Übernahme eines weiteren politischen Amtes wäre ein Rückschritt. Rechte Kreise behaupten, dass eine Präsidentin Clinton ihn für einen Sitz am Obersten Gerichtshof nominieren könnte. Dafür gibt es zwar ein historisches Vorbild – Präsident Howard Taft wurde 1921, gut acht Jahre nach seiner Abwahl aus dem Weissen Haus, zum Chef des Supreme Court gewählt. Aber das ist lange her, und Obama würde sich der geballten Opposition der Republikaner ausgesetzt sehen.

Und was ist mit Michelle Obama (52), der First Lady? Auch sie wird wohl ein Buch schreiben und sich weiter für gesunde Ernährung und körperliche Bewegung einsetzen. Dass sie ein politisches Amt anstrebt, wird zwar immer wieder gemunkelt – aber dabei handelt es sich wohl bloss um einen Wunschtraum demokratischer Aktivisten.

Renzo Ruf/Washington

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