Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ÄGYPTEN: Papstbesuch: Christen zweifeln an Besserung ihrer Lage

Papst Franziskus will bei seinem Besuch am Freitag und Samstag in Kairo den christlich-muslimischen Dialog neu beleben und Solidarität mit den bedrängten Kopten zeigen. Nur wenige glauben aber an eine unmittelbare und positive Wirkung des Besuchs.
Martin Gehlen, Kairo
Das Plakat symbolisiert Hoffnung und Dialog – die Erwartungen sind allerdings bescheiden. (Bild: Katharina Eglau)

Das Plakat symbolisiert Hoffnung und Dialog – die Erwartungen sind allerdings bescheiden. (Bild: Katharina Eglau)

Martin Gehlen, Kairo

Für die jungen muslimischen Theologen ist es eine Premiere. Seit vier Jahren studieren sie Islam und Deutsch an der Kairoer Al-Azhar Universität, die meisten wollen nach dem Examen in Deutschland oder Österreich als Imame arbeiten. Nun sitzen sie in den vordersten Bänken der kleinen evangelischen Kirche an der Galaa-Strasse in Kairo, um bei einem christlichen Gottesdienst dabei zu sein. Jeder der 14 hat ein deutsches Gesangbuch vor sich, neugierig schweifen die Blicke durch das ockergelb getünchte Kirchenschiff, während der deutsche Pfarrer Stefan El Karsheh den Gästen die Bedeutung des Taufbeckens und des Altares erläutert.

«Noch ein langer und schwieriger Weg

Was in Deutschland und anderswo mittlerweile zum interreligiösen Alltag gehört, ist in Ägypten eine Rarität. Zehn Prozent der 93 Millionen Einwohner sind Christen, 90 Prozent Muslime. So wie Abdelwakeed Abou Rehab, der aus Sohag in Oberägypten stammt. Sein Elternhaus sei daheim der einzige muslimische Haushalt in der Strasse, erzählt er. Ansonsten wohnen dort ausschliesslich Kopten. Im Studium las er zum ersten Mal die Bibel und wühlte sich durch das Jesusbuch eines deutschen Theologen. Eine Kirche jedoch hat er bisher noch nie von innen gesehen. Genauso wie Mahmoud Salem, der beim anschliessenden Rundgespräch mit der deutschen Gemeinde freimütig bekennt, wie tief ihn der Gesang, die Orgelmusik und die Gebete berührt hätten. «Ich hatte bisher nur ein paar seltsame Phrasen aus der Bibel im Kopf. Dass man den christlichen Glauben so intensiv leben kann, hätte ich mir nicht vorstellen können», sagt er.

Solche Kontakte hat Papst Franziskus vor Augen, wenn er für bessere muslimisch-christliche Beziehungen wirbt. So steht heute zu Beginn seiner zweitägigen Kairoreise ein offizieller Auftritt in der Al-Azhar, der ältesten und bedeutendsten Lehranstalt des sunnitischen Islam auf dem Programm. Für deren Chef Ahmed al-Tayyeb ist der Besucher aus Rom «eine Person, die in ihrem Herzen den Respekt für andere Religionen trägt». Doch die Visite des katholischen Oberhauptes fällt in aufgewühlte Zeiten. Noch nie zuvor haben islamische Gewalttäter ihre Religion so systematisch in Verruf gebracht. Noch nie waren Existenz und Überleben der christlichen Minderheiten im Orient so gefährdet wie heute. In Kairo, Tanta und Alexandria töteten Selbstmordattentäter in einer beispiellosen Terrorserie 75 Gottesdienstbesucher. Zusammen mit dem koptischen Papst Tawadros II. will Franziskus für die 29 Christen beten, die kurz vor Weihnachten von einer Bombe zerfetzt wurden.

Dagegen bezweifeln viele in Ägypten lebende Christen, dass engere offizielle Kontakte zwischen Al-Azhar und Vatikan ihr Zusammenleben mit den Muslimen verbessern könnten. «Das ist nur ein formelles Treffen – nicht mehr und nicht weniger», urteilt der koptische Publizist Kamal Zakher. Seiner Meinung nach müsste Al-Azhar ihren religiösen Diskurs von Grund auf erneuern, bevor sie mit anderen Religionen Gespräche aufnimmt. Kairoer Ordensbrüder des Papstes, wie der Jesuit Bimal Kerketta, sehen die Lage etwas positiver. Der Besuch von Franziskus sei ein gutes Zeichen, weil er die Kontakte zum Islam neu belebe, sagt er. «Was jedoch die tägliche Praxis im Umgang miteinander angeht, ist es noch ein sehr langer und schwieriger Weg.» Der christlich-islamische Dialog sei vor allem eine Sache von Spezialisten und kleinen Zirkeln von Intellektuellen.

Kreuz und Halbmond symbolisieren Hoffnung

Wegen der Terrorgefahr gilt in den kommenden Tagen die höchste Sicherheitsstufe, auch wenn sich der unorthodoxe Pontifex aus Argentinien weigert, in einem Papamobil mit schusssicheren Scheiben durch die ägyptische Hauptstadt zu fahren. «Darin fühle ich mich wie in einer Sardinenbüchse», sagte der 80-Jährige. Höhepunkt ist am Samstagmorgen ein Open-Air-Gottesdienst. «Der Papst des Friedens im Ägypten des Friedens», lautet das offizielle Motto des Besuches. Das Logo zeigt den winkenden Franziskus mit einer Friedenstaube vor dem Nil, den Pyramiden und der Sphinx. Im Zentrum aber stehen Kreuz und Halbmond, um die Hoffnung auf eine friedliche Koexistenz von Christentum und Islam zu symbolisieren.

So wie auch die Initiative der 14 Al-Azhar Studenten, die am Sonntagsgottesdienst der deutschen Gemeinde teilnahmen. Islamistische Gewalttäter seien so leicht zu indoktrinieren, weil es in Ägypten keine Meinungsfreiheit gebe und keine Möglichkeit, offen zu diskutieren, auf andere einzuwirken und sie so von ihrem Irrweg abzubringen. Daher braue sich im Untergrund etwas zusammen, was der Rolle von Religion fundamental widerspreche, nämlich in Frieden miteinander zu leben, sagen sie. Auch Pfarrer Stefan El Karsheh ist draussen vor der Kirchentür wieder zurück in der rauen Realität. Nach den Selbstmordanschlägen in Tanta und Alexandria am Palmsonntag will die ägyptische Polizei jetzt auch über dem Eingang seiner deutschen Kirche zwei Überwachungskameras installieren.

Eine koptische Christin beim Gebet. (Bild: Katharina Eglau)

Eine koptische Christin beim Gebet. (Bild: Katharina Eglau)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.