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Äthiopischer Präsident Abiy Ahmed gewinnt den Friedensnobelpreis

Der 100. Friedensnobelpreis geht an den äthiopischen Präsidenten Abiy Ahmed. Das hat das Komitee heute um 11 Uhr in Oslo bekanntgegeben. Umweltaktivistin Greta Thunberg – im Vorfeld als Favoritin gehandelt – geht leer aus.
Kevin Capellini

Der 43-jährige Premierminister Ahmed gilt als Hoffnungsträger am sonst so am krisengebeutelten Horn von Afrika und hat nach einem jahrzehntelangen Krieg ein Friedensabkommen mit dem Nachbarstaat Eritrea geschlossen und in Äthiopien einen demokratischen Reformprozess in Gang gesetzt. Auch dem Sudan hat er zu einem politischen Wandel verholfen, der wohl in die Geschichtsbücher eingehen wird.

Der 1976 in Beshasha in Zentral-Äthiopien geborene Politiker diente bei den Streitkräften und war unter anderem Teil der UN-Friedensmission in Ruanda. Er ist ist ein afrikanischer Politiker, der viele Menschen überrascht hat. Denn als er gewählt wurde, glaubten die wenigsten Leute wirklich an einen politischen Wandel – zu oft wurden sie von ihren politischen Führern schon enttäuscht. Den Äthiopien wurde jahrelang mit harter und diktatorischer Hand geführt: Oppositionsarbeit und Pressefreiheit waren eingeschränkt, Demonstrationen wurden mit der ganzen Gewalt des unterdrückt.

Euphorie im Land

Doch anstatt die Gemüter zu beruhigen und die bisherige Politik weiterzutreiben, entschied sich Ahmed dazu, politische Gefangene frei zu lassen, Friedensverhandlungen aufzunehmen, die Wirtschaft zu liberalisieren, eine Demokratie einzuführen und eine ausgewogene Regierung aufzustellen, an der alle Ethnien und Geschlechter zu gleichen Teilen beteiligt sind.

Diese Entscheidungen führten in Äthiopien, vor allem unter den jungen Menschen, schon fast für euphorische Begeisterung, dass sich im Land endlich ein Wandel abzeichnet. Doch natürlich gibt es auch kritische Stimmen, welche die Modernisierung und die Öffnung des Landes nicht gerne sehen. Besonders die Militärs, die von der unstabilen Lage und den Konflikten mit den Nachbarländer profitiert haben, sind dem jungen und neuen Premierminister nicht sehr wohl gesinnt. So gab es denn auch seit seinem Amtsantritt 2018 bereits einen Mordanschlag und einen versuchten Putsch durch das Militär, beides scheiterte jedoch.

Aufmerksamkeit erreichte der Äthiopier im Sommer zudem damit, dass er in seinem Land 354 Millionen Bäume pflanzen ließ. Dies mit dem erklärten Ziel, dass die Aufforstung Verwüstung und Klimawandel entgegen wirken soll.

Zwar muss sich die Wirkung vieler seiner Taten in der Zukunft erst noch zeigen – doch Frieden und Demokratie sind unter Ahmed nicht nur eine Zukunftsvision, sondern eine greifbare Möglichkeit. Der Friedensnobelpreis also, ist ein Zeichen nach Afrika und seine Politiker.

Der Friedensnobelpreis gilt als der renommierteste und wohl wichtigste politische Preis der Welt. Vergeben wurde die Auszeichnung in Oslo vom norwegischen Nobelkomitee an die Person oder Institution, die im vergangenen Jahr «die meiste oder beste Arbeit für die Brüderlichkeit zwischen Nationen, für die Abschaffung oder Reduzierung ständiger Armeen und für die Durchführung und Förderung von Friedenskongressen» geleistet hat.

Die Vergabe des Friedensnobelpreis war streng geheim. Bis um 11 Uhr wusste niemand genau, wer alles unter den Nominierten war. Klar war jedoch, dass insgesamt 301 Kandidatinnen und Kandidaten wurden –nämlich 223 Personen und 78 Organisationen.

Zu den ganz grossen Favoriten zählte die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg. Dass die Schwedin letztlich nicht gewann, wollte die Sprecherin des Komitees nicht kommentieren. Das Komitee würde nie kommunizieren, wer genau für den Preis nominiert wurde – und weshalb die Kandidatinnen und Kandidaten ihn nicht gewonnen hätten.

Die Gewinner der letzten zehn Jahre

  • 2018 Die Friedensnobelpreisträger sind der kongolesischen Arzt Denis Mukwege und die UN-Sonderbotschafterin Nadia Murad. Sie werden für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt als Waffe in Kriegen und bewaffneten Konflikten ausgezeichnet.
  • 2017 ICAN-Direktorin Beatrice Fihn und die Hiroshima-Überlebende Setsuko Thurlow wurden mit den Friedensnobelpreis geehrt.
  • 2016 erhält der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos den Friedensnobelpreis. Santos hatte nach jahrzehntelangem Konflikt ein Friedensabkommen mit den FARC-Rebellen geschlossen, das allerdings von der Bevölkerung in einem Referendum abgelehnt wurde.
  • 2015 geht der Friedensnobelpreis nach Tunesien. Das Nobel-Komitee vergab die wichtigste Auszeichnung der internationalen Politik an das «Quartett für den nationalen Dialog», bestehend aus den Vertretern der vier Verbände, das in dem Land die Demokratisierung vorangebracht hat.
  • 2014 Die 17-jährige pakistanische Menschenrechtsaktivistin Malala Yousafzaier und der indische Kinderrechtsaktivist Kailash Satyarthi erhalten den Friedensnobelpreis.
  • 2013 ging der Friedensnobelpreis an die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW). Die Organisation setze sich intensiv dafür ein, die Massenvernichtungswaffen zu zerstören. Dies zeige auch das Engagement der OPCW in Syrien.
  • 2012 Inmitten ihrer schwersten Krise wird die Europäische Union mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die EU habe dabei geholfen, Frieden und die Demokratie in Europa voranzubringen, begründete das Norwegische Nobelkomitee die Entscheidung.
  • 2011 Mit dem Friedensnobelpreis werden drei Bürgerrechtlerinnen ausgezeichnet: die liberianische Aktivistin Leymah Gbowee, die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf und die Jemenitin Tawakkul Karman. Sie erhalten den Preis «für ihren gewaltfreien Kampf für die Sicherheit von Frauen und für die Rechte von Frauen für volle Teilnahme an friedensbildender Arbeit.»
  • 2010 Er habe lange und gewaltlos für fundamentale Menschenrechte in China gekämpft, so das norwegische Nobelkomitee über den chinesischen Regimekritiker Liu Xiaobo, der den Friedensnobelpreis erhielt.
  • 2009 Der Friedensnobelpreis geht an US-Präsident Barack Obama. Er vertrete genau die Positionen, für die das Nobelkomitee seit 108 Jahren werbe.

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