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Interview

AfD-Chef zur Spendenaffäre: «Ich trete sicher nicht zurück»

Wegen illegalen Parteispenden aus der Schweiz muss die Alternative für Deutschland (AfD) über 400'000 Euro Strafe zahlen. Persönlich betroffen ist auch Co-Chef Jörg Meuthen. Im Interview nimmt er Stellung und spricht auch über seine Allianz mit Lega-Chef Matteo Salvini.
Interview: Remo Hess, Strassburg
AfD-Co-Chef Jörg Meuthen. (Bild: Daniel Dal Zennaro/EPA, Mailand, 8. April 2019)

AfD-Co-Chef Jörg Meuthen. (Bild: Daniel Dal Zennaro/EPA, Mailand, 8. April 2019)

Die Alternative für Deutschland (AfD) steht im Zentrum eines Parteispendenskandals. Co-Chef Jörg Meuthen und dem AfD-Politiker Guido Reil wird vorgeworfen, Dienstleistungen der Zürcher Werbeagentur Goal AG im Wahlkampf zum baden-württembergischen Landtag 2016 nicht ordnungsgemäss als Parteispenden gemeldet zu haben. Wer die Dienstleistungen bezahlt hat, ist unklar. Auch die Vorsitzende der AfD-Fraktion im Bundestag, Alice Weidel, hat 130'000 Euro aus der Schweiz erhalten.

Eben wurden Sie von der Bundestagsverwaltung wegen unerlaubter Wahlkampfspenden aus der Schweiz zu 400'000 Euro Strafe verdonnert. Treten Sie jetzt zurück?

Jörg Meuthen: Ganz sicher nicht. Dazu gibt es überhaupt keinen Grund. Die Bundestagsverwaltung vertritt eine rechtsirrige Auffassung, gegen die wir unmittelbar Klage einreichen werden. Wir gehen davon aus, dass sich die Bundestagsverwaltung sogar bewusst ist, dass ihre Rechtsauffassung keinen Bestand haben wird. Man will uns bloss nicht vor der Europawahl rehabilitieren.

Es geht um eine Kampagne, die die SVP-nahe Schweizer Werbeagentur Goal AG für sie gemacht hat. Die Kosten von 90'000 Euro haben unbekannte Dritte aus dem Ausland übernommen. Wer steckt dahinter?

Alles was ich dazu zu sagen habe, habe ich bereits gesagt. Die Bundestagsverwaltung hat uns aufgefordert, das zu recherchieren und das haben wir gemacht. Wir haben keine Veranlassung, das jetzt weiter zu erforschen. Wir müssen auch nicht, weil wir der Meinung sind, dass es sich hierbei nicht um Spenden im Sinne des Paragrafen 25 des Parteigesetzes handelt. Insofern sind wir der Bundestagsverwaltung schon weiter entgegengekommen, als wir müssten.

Die Liste mit den Gönnern, die ihnen Goal-Chef Alexander Segert ausgehändigt hat, war mit Strohmännern besetzt. Sie sind mit Herrn Segert befreundet. Sind Sie enttäuscht von ihm?

Auf jede Frage, die ich Ihnen beantworte, kommen zehn weitere. Deshalb belasse ich es dabei und sage nichts mehr zu diesem laufenden gerichtlichen Verfahren. Ich habe einen Europawahlkampf, der sehr interessant ist und über den wir sehr gerne sprechen können.

Ihre Parteikollegin Frau Weidel hat ja auch ein Problem mit Spenden aus der Schweiz. Es scheint ein System dahinter zu stecken.

Sie können es gerne noch dreimal versuchen. Ich werde mich dazu nicht mehr äussern. Schon gar nicht zum Fall von Frau Weidel, welchen ich im Detail gar nicht kenne.

Hat die AfD ein Problem, sich in Deutschland zu finanzieren, dass sie auf Geld aus der Schweiz angewiesen ist?

Wir sind ganz normal über Mitgliederbeiträge und die staatliche Parteienfinanzierung finanziert. Natürlich auch über Spenden, wie alle Parteien. Es gibt aber ein vehementes Interesse daran, uns hier eine vermeintliche Affäre anzuhängen. Die Absicht ist, dass die legitimen Spenden von Bundesbürgern nicht mehr fliessen. Ich habe zum Beispiel für meinen Europawahlkampf ein Spendenaufkommen von exakt null Euro. Das hat immerhin den schönen Vorteil, dass man mich dafür nicht angreifen kann.

Gibt es denn Dienstleistungen in ihrem Europawahlkampf, die Ihnen unentgeltlich angeboten wurden? Ähnlich wie bei der Kampagne von Goal?

Nein.

Sprechen wir also über ihren Europawahlkampf. Bei der Gründung ihrer rechts-nationalen Allianz mit Lega-Chef Matteo Salvini vor einer Woche fehlten sowohl Marine Le Pen als auch die österreichische FPÖ und der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders. War das ein Fehlstart?

Im Gegenteil. Das haben wir bewusst so gemacht. Wir wollen die drei Fraktionen im EU-Parlament, welche rechts von den Europäischen Christdemokraten (EVP) stehen, zusammenführen. Deshalb haben wir jeweils einen Vertreter dieser Fraktionen eingeladen. Salvini repräsentiert Europa der Nationen und der Freiheit (ENF), ich die Fraktion Europa der Freiheit und der direkten Demokratie (EFDD) und die Dänen und die Finnen die Europäischen Konservativen und Reformer (EKR). Mit Le Pen und Wilders wäre die ENF übervertreten gewesen.

Haben Sie denn die Zusage von Frau Le Pen, dass sie bei ihrem Bündnis mitmachen wird?

Warten wir die Woche mal noch ab. Sie hat sich in der Vergangenheit ja schon eindeutig geäussert.

Die inneren Widersprüche ihrer Allianz sind so gross, dass sie nicht mal ein gemeinsames Programm auf die Beine stellen konnten. Das fängt an bei den Migranten, die Salvini in Europa verteilen will und sie nicht. Auch in der Wirtschaftspolitik gibt es Differenzen. Betreiben Sie nicht Etikettenschwindel?

Nein, bestimmt nicht. Wir haben ausreichende Gemeinsamkeiten. Konkret lehnen wir alle das Endziel der Vereinigten Staaten von Europa und der Auflösung der Nation ab, welches das Establishment hier im EU-Parlament anstrebt. Wir wollen im Grunde eine «Verschweizerung» der EU mit mehr direkter Demokratie und wo nur jene Aufgaben auf die EU-Ebene abgetreten werden, die nötig sind. Das wird uns tragen.

Sie sagen, sie wollen die EU von Innen reformieren. Ihre Parteibasis aber will den Dexit, den Austritt Deutschlands aus der EU. Sie wollen auch das EU-Parlament abschaffen. Warum bekennen Sie sich nicht zum Dexit?

Wir lehnen nicht das europäische Einigungsprojekt ab, sondern eine immer weitergehende Vergemeinschaftung. Das haben die Delegierten am Parteitag auch so beschlossen. Seit der Gründung des EU-Parlaments 1979 ist die EU auf dem Weg in eine politische Union. Das ist eine sozialistische, tieflinke Idee. Das kann man wollen, aber nicht mit uns. Trotzdem wollen wir nicht das Kind mit dem Bad ausschütten.

Neben Alexander Gauland und Fraktionsvorsitzende Alice Weidel gelten Sie als «der Nette» in der AfD-Führung. 2015 verdrängten Sie zusammen mit Frauke Petry den Parteigründer Bernd Lucke aus der Parteispitze. Petry hat die AfD auf Druck des rechten Flügels mittlerweile verlassen. Fürchten Sie, dass es Ihnen ähnlich gehen wird?

Es stimmt nicht, dass ich Lucke rausgedrängt habe. Ich habe vielmehr versucht zu retten, was noch zu retten war. Parteivorsitzender wurde ich nur, weil ich von vielen ausdrücklich darum gebeten wurde. Seitdem bemühe ich mich, die Partei zusammenzuhalten, sie aber zugleich von Extremismus abzugrenzen. Ich will eine patriotische, bürgerliche, freiheitlich-konservative AfD. Sollte sich die Partei in Richtung Extremismus entwickeln, wäre ich der falsche Vorsitzende.

Zur Person

Jörg Meuthen (57) ist neben Alexander Gauland Co-Chef der rechtsnationalen Partei Alternative für Deutschland (AfD) und Spitzenkandidat für die Wahlen zum EU-Parlament.

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