Deutschland
Affäre Wulff: Es geht noch um eine Übernachtung von 400 Euro

14 Monate ermittelten Dutzende Beamte gegen den zum Rücktritt gezwungen deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff wegen des Verdachts auf Bestechung. Raus gekommen ist so gut wie nichts. Heute Montag könnte das Verfahren eingestellt werden.

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Unrühmlicher Abgang: Der gewesene Bundespräsident Christian Wulff und seine damalige Frau Bettina winken im März 2012 zum Abschied.

Unrühmlicher Abgang: Der gewesene Bundespräsident Christian Wulff und seine damalige Frau Bettina winken im März 2012 zum Abschied.

Keystone

14 Monate lang haben gut zwei Dutzend Beamte gegen den ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff wegen des Verdachts der Bestechung und der Vorteilnahme ermittelt.
Das Ergebnis, das in 400 Bundesordern abgelegt wurde, ist mager, sehr mager. 21 Spuren gingen die Ermittler nach, 20 Spuren haben sich inzwischen erledigt.

Gerade noch eine Hotelübernachtung in der Grössenordnung von 400 bis 770 Euro steht noch im Raum. Für diese Summe soll sich Wulff von einem befreundeten Filmregisseur in ein Münchner Hotel eingeladen lassen haben. Im Gegenzug soll sich der damalige niedersächsische Ministerpräsident Wulff in einem Brief an Siemens-Chef Peter Löscher für ein Filmprojekt der befreundeten Regisseurs David Groenewolds eingesetzt haben.

Ein neuer Zeuge?

Und selbst diese Summe könnte heute wie ein Kartenhaus in sich zusammenschmelzen. Wulff will offenbar einen neuen Zeugen präsentieren. Dieser könne laut « Frankfurter Rundschau» aussagen, dass Wulff dem Filmproduzenten David Groenewold keinen speziellen Gefallen tat, als er für ihn mit einem Brief um Sponsoren warb.

Wulffs Anwalt fordert indes, dass das Verfahren vorbehaltlos und somit ohne Zahlung einer Geldstrafe eingestellt wird. Entsprechende Schriftsätze der Verteidigung sollen am Freitag den Strafverfolgern in Hannover zugestellt worden sein, berichteten die deutsche Medien.

Gegen Wulff wird wegen Bestechlichkeit ermittelt, Groenewold wird Bestechung vorgeworfen. Wulff war im Zuge der Ermittlungen als Bundespräsident zurückgetreten. Nach Medienberichten wollen Wulff und Groenewold den Deal nicht eingehen und weiter für ihre Unschuld kämpfen.